Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1904)
- Date
- 1904-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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btt Sohn fort, fern bewußtes Vorbild zur Befreiung sei der Stifter des Chripenthums. .Das danke ich dem theuren Vater, und darum ist sei» Andenken in treuer Liebe bei mir bewahrt." Zn diesem innigen Zusammenhänge zwischen Orgel und Taufbecken liegt das Ergreifende und Erschütternde dieser Darstellung, die selbst den fanatischsten Orgeljuden stutzig machen mutz. Sogar vielleicht den Berliner Rabbiner Dr. Rosenzweig, der in seinem Gutachten zu Gunsten der Orgü deklamirt: «Israel den Christen gleich zu machen, Jrrthum isi's und völlige Verkennung des Sachverhalts." (Seite 60.) Aber bei Jacobson reifte die väterliche Gesinnung erst im Sohne zum vollendeten Abfall aus. Derjenige jedoch, der sich zuerst dazu hergab, diesem Götzendienst ein fadenscheiniges Mäntelchen umzuhängen, welches den Glauben erregen sollte, als erfreue sich diese Fahnenflucht gar der Zustimmung des Gesetzes der Thora, dieser Wicht von Falschmünzer Keß sich hinterher selber taufen. So schreibt Gratz da, wo er den Antheil feststellt, den Jacobson an der Einrichtung des Hamburger Tempels (1818) hatte, Seite 420 des 11. Bandes: «Darum sorgte Jacobson im voraus für die Heilighaltung des Tempelritus. Unter den Rabbinen Deutschlands konnte er keine Stimme finden, welche den neuen Gottesdienst hätte anerkennen mögen. Er trat — und das wirft auf diese Sache kein günstiges Licht — mit einem gesinnungslosen Abenteurer in Verbindung, der sich, wie es scheint, ihm verkauft hat. Elieser Liebermann aus -Oesterreich, ein Spieler, wurde sein Sendbote für die Reform. Es genügt, ihn zu charakterisiren, daß er sich später taufen l i e tz.." Unter den von Liebermann beschafften Gutachten zu Gunsten der Orgel stellte sich ein Theil spater als erlogen heraus. Ein anderes Gutachten von Aron Chorin wurde spater von seinem Autor wieder zuruckgenommen. aber'wie sein Biograph Löw sagt, nur zum Schein. Chorin hat auch nachher bis an sein Lebensende von seinem Radikalismus auf dem religiösen Gebiet nicht abgelaffen. Aus seiner Biographie zitirt die vorliegende Schrift folgenden Satz: «Von unbeschreiblicher Bitterkeit war aber für den am Rande des Grabes stehenden Vater der Abfall eines Theiles seiner Rachkommm von dem Glauben der Väter." Mit Gutachten für und gegen die Orgel läßt sich wacker streiten und viel Sand in die Augen der großen Masse streuen. Aber die Remefis, welche die ersten Erfinder, Bannerträger und Eideshelfer des Orgeljudenthums erreicht hat. laßt sich nicht fortescomotiren. Darüber haben sich eifrige Orgel-Panegyriker vielleicht selber nicht Rechenschaft gegeben. Wir glauben, daß sie selber sonst vor dem erste» Schritt zurückgeschreckt wären, dessen Konsequenz sie oder doch ihre Rachkomnien zum Taufbecken führt, und daß die Lektüre dieser Schrift dem Orgelzelotismus mit dieser einzigen Erwägung einen Dämpfer aufsetzen wird. (Schluß folgt.) ZettrrrrgSrrachrichten und Gorresponderrze«. Deutschland. Berlin, im Juni. (Turner - Risches.) Die Vorgänge auf dem letzten deutschen Turnertag haben auch noch ein trauriges Nachspiel, das die deutsche Treue der Antisemiten wieder einmal im Hellen Lichte zeigt. Ein hiesiges, den Alldeutschen gar nicht unsympathisches gegenüberstehendes Blatt berichtet darüber in folgender Weise: «Durch die slavischen, welschen und klerikalen Reihen in Oesterreich geht ein schadenfroh triumphirende- Schmunzeln: was allem Wüthen und Verleumden der Todfeinde des Deutschthums in Oesterreich durch Jahrzehnte nicht geglückt ist, das will verbohrter Parteifanatismus im deutschen Lager jetzt leichtherzig vollführen, die Durchschneidung eines der lehren Bänder, die das österreichische Deutschthum mit der deutschen Gesanrmtnation verknüpfen. Von der Allgemeinen Deutschen Turnerschaft soll der Kreis Deutsch-Oesterreich abgesprengt werden, aus einer das Deutschthuln der ganzen Welt umfassenden, bewunderungswürdig funttwnirenden nationalen GesanmU- Organisation sollen die Deutsch-Oesterreicher ausscheiden. Und was ist der Grund für solch herostratisches. das Lebensinteresse des österreichischen Deutschthums, die Aufrechterbaltung seines Zusammenhanges mit dem großen Stammvolke schwer schädigendes Beginnen? Einzig und allein die Thatsache, daß die Leiter der Deutschen Turnerschaft dem Flügelschlag der antisemitischen Seele nicht genügend weiten Raum gewähren, weil sie — nicht etwa die den 15. Kreis beherrschenden antisemitischen Turnvereine in Oesterreich beiseite schieben, sondern weil sie den deutschfreiheitlichen Turnvereinen in Oesterreich, die an 7000 Mitglieder umfassen. das Recht zugestehen wollen, sich innerhalb der allgemeinen deutschen Turnerschaft als Kreis 15d zu organisiren. Unbedachter, ja man darf sagen: frivokr ist kaum je von Deutschen gegen, wichtigste nationale Interessen des Deutschthums in Oesterreich gesündigt worden, als hier, und zwar von Leuten, die sich als die berufensten und pflichtbewußtesten Hüter dieses Deutschthums aufspielen. Während jeder wahrhaft deutschnational Gesinnte diesseits wie jenseits der schwarzgelben Grenzpfähle von der Erkrnntniß durchdrungen ist, daß es für das von Gefahren umringte, aus Tod und Leben kämpfende Deutschthum m Oesterreich kein Heil gibt, außer in der sorgsamen Pflege und