Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1904)
- Date
- 1904-06-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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983 hat. sie verschwieg aber die zweite Hälfte ihres Beschlusses, womit die Polizeiverwaltung angewiesen wurde, den Juden Soibelmann in seine Rechte nicht zu restituiren. Gegenwärtig hat der Senat die neuerliche Beschwerde Soibelmanns in Verhandlung gezogen und folgende Entscheidung getroffen: „Die Gouvernementsverwaltung iss aufzufordern, unverzüglich und stritte den Utas vom 2L Dezember 1900 zu befolgen und den; Senat davon sofort Mitteilung zu machen; die Gouvernementsverwaltung ist auf Grund des § 99 der Senatsstatuten zur Verantwortung zu ziehen, und zwar wegen Verletzung der Staatsgrundgcsetze. wegen Mißachtung der Entscheidung des Senates und wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt.* Petersburg. (Die Kasfationsklage im Kischinewer Prozesse.) Von hier wird berichtet: Kürzlich wurde vor dem Senat die Kassationsklage gegen das Urtheil der Odeffaer Strafkammer im Kischinewer Prozesse verhandelt, die von den Hauptangeklagten Gertschin und Morosueck und von der Zivilpartei (das heißt den geschädigten Judenl eingelegt worden war. Das Urtheil lautete, dem Anträge des öffentlichen Anklägers gemäß, auf Verwerfung der Berufung. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft war der Ansicht, die Berufung der Angeklagten könne schlechtweg abgewiesen werden, da das Urtheil völlig rechtmäßig sei und den Anforderungen des Gesetzes entspreche. Was hingegen den Einspruch der Zivilkläger betrifft, so könne nicht bestritten werden, daß ihnen gegenüber einige Rechtsverletzungen stattgefundrn haben, jedoch seien diese „nicht von Belang*. In Folge dessen ersuche er den Gerichtshof, die Berufung der Zivilpartei ebenfalls zu verwerfen. Während der Verhandlung fanden zwischen dem Vorsitzenden (Senator Repinski) und den Vertretern der Zivilpartei heftige Auseinandersetzungen statt, so daß zwei von ihnen (im Ganzen waren es drei), die Herren Karabtschewski und Sarudny. ihre Vollmachten niederlegten. Petersburg. Aus Rußland kommt die erstaunliche Nachricht, daß die Negieruna enischlossen sei, die vorsintflutlichen Judenqesetze zu beseitigen, die bis dato sw Recht bestehen und sogar unter Alexander 711. mehrfach verschärft worden waren. Die amtlichen Kreise versichern, daß ein völlig neuer Kurs in der Behandlung der russischen Juden einaetreten ist. und zwar einzig auf Initiative Plehwes, der sich überzeugt habe, daß die Theilnahme jüdischer Elemente an der Umsturzbewegung von den gebildeten und wohlhabenden russischen kruden auf's tiefste qemißbilligt werde, und daß diese Kreise den Revolutionären durchaus abweisend oegenuberstehen. Eine Durchsicht der Judengesetze konnte erst ietzt stattfinden, nachdem die zur Untersuchung der Laae der russischen Juden vom Minister Plebwe eingesetzte Kommission durch Beendioung ihrer Arbeiten die Grundlage dafür geboten hat. Den Juden, denen bisher das Wohnen auf dem flachen Lande verboten war, sind jetzt auch die Dörfer zur Niederlassung geöffnet worden, so daß ihnen ein weites Feld zur wirthschaftlichen Bethätigung in ganz Rußland offen fleht und sie Gelegenheit haben, sich aus der elenden Lage, in der sich ein großer Theil von ihnen befindet, herauszuarbeiten. Moskau. Der Heimgang des Philanthropen W i s s o tz k i hat nicht bloß in unserer Stadt, sondern m ganz Rußland allgemeine Theilnahme geweckt. Wissotzki gehörte mit Herz und Kopf dem jüdischen Volke, und seiner geistigen, sowie materiellen Roth widmete er seine Teilnahme und seine Thatlraft. Sein Vermögen, welches er sich mühselig erworben, denn er war der Sohn eines unbemittelten Kaufmannes und in der Jugend der Jünger einer Jeschiwa — war er jederzeit bereit, dem Wohle seiner Glaubensbrüder zu opfern. Frühzeitig hat er sein Auge auf die Kolonisation Palästina's gerichtet, er war eine der ältesten und festesten Stütz:« der „Chowewe Zions* in Rußland und war Theilnehmer am bekannten Kattowitzer Kongreß. Sein- Idee war es, vor allem in Palästina eine Industrie zu gründen, er unterstützte mit reichen Mitteln alle jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten und alle jüdischen Schulen im heiligen Lande. Allein auch der jüdischen Litteratur hat er sich jederzeit als ein großherziger, opferwilliger Gönner und Beschützer gezeigt, und es war für ikn ein Leichtes, für ein litterarisches Unternehmen etwa 10.000 Rubel zu spenden. Mit Wissotzki ist einer der edelsten Repräsentanten des russischen Judentbums zu Grabe gebracht worden. England. London. Ueber die Juden in Indien berichtet das parlamentarische Blaubuch kur das Jahr 1904 einige interessante Details. Danach gab es laut der Volkszählung im Jahre 1901 in Indien 18,228 Juden, gegen 17,194 im Jahre 1881 und 12.009 im Iah e 1871. Davon lebten 15,548 im Vizekönigreich selbst und 2380 in den Vasallenstaaten. Von 1280 Juden, die hauptsächlich in den Provinzen Bengalen. Bombast und. Burma wohnen, wird -angegeben, daß sie hebräisch als ihre Muttersprache angemeldet haben. Ueber den Ursprung dieser Juden wird angegeben, daß ein großer Theil von rlm'-n bereits seit dem 15., die von Cochin sogar seit dem 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Indien wohnen. Di- Juden von Kolaba in der Präsidentschaft Bombay, die sich selbst Beni Israel nennen, zerfallen in 2 Gruppen, von denen die eine, die Gruppe der weißen beni Israel, sich durch Zuzug aus Vorderasien rein erhalten haben, während die Gruvpe der schwarzen Beni Israel'Mischehen mit, einaeborenen heidnischen Frauen geschlossen und dadurch: ihr^ ursprünglich weiße Farbe emaeüüßt haben. Die weißen Beni Israel, welche mit ihren schwarzen Glaubens-