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Der Israelit · 1904-06-13 · Heft 47 (13.6.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 47 (13.6.1904)
Date
1904-06-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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982 überhaupt nicht an den Rhein, wenn sie die Gewähr mitnehmen müssen, dort nicht rituell speisen zu können. In dieser Angelegenheit müßte der Hebel angesetzt werden und unternehmenden jüdischen Restaurateuren bote sich ein weites Feld für segensreiche Thätigkeit. Wir betonen besonders, daß bei Einreichung von Konzessionen solchen von Seiten der betr. Behörden weitgehendst entsprochen würde, ja sogar, daß solche angestrebt werden. Karlsruhe, 8. Juni. Der Rechenschaftsbericht des Raphtalie Eppstein-Vereins zur Unterstützung hilfsbedürftiger isr. Lehrer und Lehrers-Wittwen für das. Jahr 1903 bedauert in seinem Vorworte das Fehlen eines Mannes, der uns allen lieb und theuer war in der Liste der Vorstandsmitglieder, des Herrn Bankier Samuel Straus, der sich als Rechner des Vereins lange Jahre hindurch bethätigt hat. Derselbe ist dem Verein durch einen plötzlichen Tod entrissen worden. Dem selbstlosen, edlen Manne wird ein treues Gedenken bewahrt werden. An seine Stelle ist als neuer Rechner. Herr Bankier Siegfried Stern, getreten. Es konnten an Untersttzungen 1460 Mk. gegeben werden. Das Vereinsvermögen besteht aus 26,680.99 Mk. und hat sich seit vorigem Jahre um 1087.62 Mk. vermehrt. Ungarn. Budapest. «Ein Bi-schof über jüdische Schulen.) Die zur Berathung der Vorlagen, betreffend die Modifikation der Gesetze über den Volksschulunterricht, den Unterricht der ungarischen Sprache und die Gehaltsregulirung der Lehrer, einberuftne Enquete setzte ihre Berathungen dieser Tage unter dem Präsidium des ttnterrichtsministers Berzeviczy fort. Aus der Rede des evangelischen Bischofes, Bischof Gabriel Antal, heben wir folgende Stelle hervor: Daß der Unterricht in den Elementarschulen ein mehrsprachiger sein kann, das beweisen die israelitischen Volksschulen, welche unzweifelhaft zu unseren besten Schulen gehören. In diesen, wird deutsch, ungarisch und hebräisch unterrichtet und auch erlernt. Pest. fJ s r. F r a u e n v e r e i n.) Die 38. ordentliche Generalversammlung des Pester israelit. Frauenvereins fand unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Marie H e r z l statt. Der zur Verlesung gelangte Jahresbericht hebt in erster Reihe hervor, daß im abgelaufenen Verwaltungsjahre an momentanen Unterstützungen 29,292 Kronen, an regelmäßigen monatlichen Unterstützungen 32,698 Kronen, an vierteljährlichen Zinsbeiträgen 10,384 Kronen, an Heirathsausstattungs-Beiträgen 1215 Kronen und an Zinsen aus verschiedenen Stiftungen 2189 Kronen, zusammen daher.75.778 Kronen in Barem vertheilt wurden. Im Madchen-Waisenhause dieses Vereins wurden 70 gänzlich verwaiste und in dessen Halbwaisen-Asyle 60 Mädchen erzogen und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten, sowie für die theils extern, theils bei ihren Angehörigen untergebrachten 55 Mädchen, insgesammt demnach für 185 Waisenmädchen 82,644 Kronen 59 Heller. In der Volksküche dieses Vereins speisten vom 1. April v. I. bis 31. März d. I. 158,633 Personen ohne Unterschied der Konfession, und hiervon gänzlich gratis 15,284 Personen — zum größten Theile arme Studirende — außerdem in der Zeit vom 15. Dezember v. I. bis 15. März l. I. 5705 arme Schulkinder, darunter 800 Kinder gänzlich gratis. Die Verwaltungskosten der Volksküche betrugen 40,545 Kronen 90 Heller. Die Gesammtausgabe für sämmtliche Verwaltvngszweige seiner humanitären Wirksamkeit betrugen 202,191 Kronen 42 Heller, welchen nur Einnahmen im Betrage 173.969 Kronen 16 Heller gegenüberstehen. Das Verwaltungsdefizit von 28,222 Kronen 26 Heller wurde durch Abschreibung vom Vereinsvermögen gedeckt. Rußland. Petersburg. Die „Petersburgskija Wjedomosti" und der „Odeßkij Listok publiziren den Wortlaut eines Ukases des Petersburger Senates, welcher, wie dir genannten russischen Blätter selbst erklären, großes Interesse bietet. Nach dem Ukase stellt sich der Vorfall, welcher die Entscheidung des Senates herbeigeführt hat, folgendermaßen dar: Der jüdische Branntweinbrenner Soibelmann. welcher in der Branntweinfabrik in Koschernitzk. im Bezirk Soroki, thätig war, wurde von der Gouvernementsverwaltung Beffarabien plötzlich angewiesen, seinen Dienstort zif verlassen, weil Juden sich auf dem flachen Lande nicht aufhalten dürfen. Das war Anfangs 1900. Da aber jüdischen Branntweinbrennern das Wohnrecht im ganzen Reiche bereits unter Alexander 11. eingeräumt wurde, so führte Soibelmann beim Senate Beschwerde gegen die Verfügung der Gouvernementsverwaltunz von Beffarabien. Mittelst Ukases vom 21. Dezember 1900 hob der Senat die Verfügung der Gouvernementsverwaltunz von Beffarabien als gesetzwidrig auf und schrieb vor, den Juden Soibelmann zum unbeschränkten Aufenthalt in Soroki und Koschernitzk zuzulaffen. Aber die Gouvernementsverwalung ignorirte den Ukas des Senates vollständig und faßte am 3. April 1902 den Beschluß: „Der Ukas des Senates ist. zur Kenntniß zu nehmen und die Polizeiverwaltung anzuweisen, den Juden Soibelmann zur Ausübung seines Handwerkes als Branntweiner und zur Niederlassung nicht zuzulaffen.^ Da aber die Behörden verpflichtet sind, dem Senate über die strikte Befolgung der Entscheidungen des Senates dienstlich Meldung zu erstatten, so hat die Gouverneinentsverwaltung von Beffarabien in ihrer Dienstmeldung vom 26. Mai 1902 dem Senate mitgetheilt. daß sie den Ukas des Senates über die Wiedereinsetzung Soibelmanns in seine Rechte zur Kenntniß genommen

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