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Der Israelit · 1904-06-13 · Heft 47 (13.6.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 47 (13.6.1904)
Date
1904-06-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. silage zu J& 47 des raefif“. ZeitungSnachrichte» und Correfporrderrzen. 'Deutschland. Berlin. In dem Hause Gipsstraße Nr. 3, das llu Centrum Berlins und doch abseits von dem geräuschvollen Großstadtleben liegt, hat der Verein «Erster Israelitischer Volksschullindergarten und Kinderhort" ein eigenes Heim errichtet, das in Gegenwart der Ehrendamen, Stifter, Gönner und Freunde von Herrn Rabbiner Dr. B l u m e n t h a l eingeweiht und seiner Bestimmung ubergeben wurde. Als Einleitung zu der erhebenden Feier sang ein gemischter Chor das von Lewandowski komponirte Gebet: «Wie schön sind deine Zelte, Jakob", worauf die Weih- und Festrede folgte. Mit zu Herzen gehenden Worten pries der Geistliche die Gnade Gottes, der allein das Gelingen dieses humanen Werkes zuzuschreiben sei, und wies auf die hohen Ziele hin, dieser Verein seit seinem Bestehen verfolgt und nunmehr zu erweitern beabsichtigt. So sollen die der Obhut des Vereins andertrauten Kleinen von nun ab nicht bloß durch Spiel und Gesang unterhalten, sondern auch in Gartenbau und Handfertigkeit unterrichtet und in echt jüdischem Sinne für das spätere Leben erzogen werden. Mit Bezugnahme auf die Worte des Psalmisten: „Aus dem Munde der Kinder und Säuglinge ist Gottes Macht zu vernehmen" hob der Festredner das Verdienstvolle dieses zur Ausgleichung der sozialen Gegensätze begründeten Instituts hervor und flehte Gottes Segen auf all' die Männer und Frauen herab, die in so uneigennütziger Weise ihre Zeit und Kraft in den Dienst dieser Bestrebungen stellten und stellen. Alsdann begrüßte Herr Louis Rosenbaum Namens des Vorstandes die zahlreich Erschienenen und dankte einem ungenannt sein wollenden Wohlthäter für seine hochherzige Spende zur Erwerbung des Grundstückes (der Name des betreffenden ist. wie uns später mitgetheilt wurde. Justizrath Rosenbeims sowie Herrn Maurermeister Weile und allen änderen Wohlthätern, die in wahrhaft humaner Weise zum Gelingen des Werkes beigetrogen baben. Mit besonders warmen Worten gedachte er des Herrn Hermann Abraham als eigentliches Begründer des Israelitischen Bolkskindergarteus. Leider fei er durch den ihm zugestoßenett Zufall verhindert. der heutigen. Feier beizuwohnen, aber er habe feip Jutereffe auch für das neue Heim durch Ueberweisung einer nanchäften Spende bekundet. Das Andenken des. verstorbenen Sanitätsrathes Ehren'haus, her ein treuer Freund der Bestrebungen dieses Vereins ( war. ehrte die Versammlung durch Erheben von den j Sitzen. Den Beschluß der nach jeder Richtung erhebenden Feier bildete der vom Chor meisterhaft vorgetragene Psalm: Gott gedenke unser, segne, segne dos Haus Israel. Frankfurt a. M., im Juni. (Antisemitische Plakate in EisenbahnkoupöS.) Auf eine an die königliche Eisenbahndirektion gerichtete Beschwerde betr. Anbringung antisemitischer Plakate in den Eisenbahnkoupes erhielt das Frankfurter Bureau des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus folgenden Bescheid: „Wir haben unsere Organe schon früher und jetzt wiederholt strengstens angewiesen, auf das Vorkommen solcher und ähnlicher Plakate, wie die uns übersandten, in den Aborten oder Abtheilen der Personenwagen zu achten und Vorgefundene Plakate sofort zu entfernen, auch die in Frage kommend«» und uber^- sührten Thäter uns behufs strafrechtlicher Verfolgung unverzüglich anzuzeigen. Ebenso haben wir die Eisenbahndirektion in Köln und Mainz sowie die Generaldirektion in München ersucht, eine gleiche Anweisung zu treffen. Wir sprechen unser Bedauern darüber aus. daß unsere Wagen zur Anbringung der Plakate benutzt worden sind. Thomee." Es scheint, nach diesem erfreulichen Bescheid zu urtheilen, als ob es sich um eine generelle Anordnung gegenüber diesem Unfug handelt. Born Nbcin, 8. Juni. Wer einmal den Rhein gesehen, den schönsten aller deutschen Ströme, der wird ihn nie wieder vergessen, und in dankbarer Erinnerung an genußreiche, dort verlebte Stunden und Tage, wird er in seiner Heimath die Reize dieses herrlichen Flusses rühmen und wird Freunde und Bekannte dazu auftuuntern, auch einmal einen Versuch zu machen und an diesen Fluß zu reisen. Je nach der Naturanlage wird sich eine solche Reise anders gestalten. Der Bequeme zieht es vor. einen der luxuriös ausgestatteten Salondampser zu besteigen und Burgen und Schlösser, Städte und Dörfer. Weinberge und blühende Felder im Fluge an sich vorübrrzieüen zu lassen; die anderen jedoch, denen es um einen wirklichen Genuß zu thun ist, werden zu Fuß oder zu Rad die Ufer entlang gehen oder fahren, sie werden hie und da eine Burg besichtigen, in einem schönen Städtchen einige Tage sich aufhalten. Und bier ist es, wo wir orthodoxen Juden es unangenehm empfinden, daß koschere Restaurants, am Nieder- und Mittelrhein, selbst in den hauptsächlichsten Ausflugsorten, nicht zu finden sind. . Orthodoxe Juden werden dadurch gezwungen, sich in der,. Regel nur auf eine kleine Anzahl Speisen und schließlich nur auf kalte Speisen zu beschränken.- Wie. oft haben^wir auf einer Fuß-, Rad- oder Wagentour auf einen warmen Imbiß verzichten müssen, ja wieviele gehen

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