Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1904)
- Date
- 1904-06-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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980 Tbränen erstickten ihre Stimme. Keßler betrachtete sie mit unverhohlener Bewunderung; denn daß die religiöse Wandlung ihres Vaers ihr Werk war, daran zweifelte er nicht. Und wenn er auch ihre Anschauungen nicht therlte, ihr Charakter imponirte ihm heute wie damals, als sie Wochen hindurch lieber gedarbt, als nicht rituell bereitete Speisen genoffen hätte. „Wissen Sie, liebes Fräulein, daß Ihr Vater mich einst ermächtigt hat, um Sie zu werben oder mich vieli.ehr geradezu dazu beauftragt hat?" „Wirklich? - - Ach, das hat Papa sicher nur im Scherz gesagt." „Daß er's nur im Scherz gemeint hatte, glaube ich doch nicht." „Aber Sie sind ja längst verheirathet, Herr Dokior, mchl?" „Freilich bin ich verheirathet," versetzte er. tief Athem holend, „und da darf ich mich allerdings nicht beklagen, daß Sie sich auch bereits verlobt haben. — Uebrigens Hobe ich auch gleich damals Ihrem Vater gegenüber die Vermuthung oder vielmehr meine Ueberzeugung ausgesprochen, daß ich von Ihnen einen ganz entschiedenen Korb erhalten würde, deßhalb habe ich auch nicht auf Sie gewartet. Doch Scherz bei Seite. Es freut mich zwar aufrichtig, daß der letzte Wunsch Ihres Vaters sich erfüllt hat, daß er selbst Sie noch mit dem Manne seiner und vermuthlich auch Ihrer Wahl verlobt hat. Aber, liebes Kind, an's Heirathen dürfen Sie darum doch noch nicht so bald denken, das dürfte ich, als Ihr Vornmnd, in den nächsten Jahren noch nicht zugebcn. Wie alt sind Sie?" „Siebzehn Jahre." „Nun. ich denke, wenn Sie im zwanzigsten Jahre heirathen würden, das wäre auch noch frühe genug." „Ich werde es Max sagen," entgegnete sie leise. „Thun Sie das, ist Ihr Bräutigam hier?" Sie schüttelte verneinend den Kopf. ..Bis vorgestern war er hier, aber er konnte nicht länger bleiben, er arbeitet nämlich als Concipient in der Kanzlei des Doktor Wallheim in M." . „In M. ist er! Da werden Sie vermuthlich fleißig mit ihm korrespondiren. Nun, dagegen habe ich nichts einzuwenden, nur mache ich in dieser Beziehung auch Ansprüche an Sie. Sie wissen, der Vormund hat Vaterpflichten, muß das Wohlergehen seiner Mündel überwachen. Ich betrachte Sie daher als mein Töchterchen und würde Sie am liebsten mit mir nach Hause nehmen. Aber das geht aus so und so vielen Gründen nicht. Sie würden nicht mit mir wollen und ich könnte nicht in Sie dringen, darum muß ich Sie bitten, mir wenigstens alle Monat schreiben zu wollen über Ihr Befinden, Ihre Lebensweise, Ihre Wünsche u. s. ,o. Wollen Sie?" „Gewiß, es ist ja meine Pflicht, den Wünschen meines Herrn Vormunds zu entsprechen." „Was Ihnen hoffentlich nicht allzu schwer werden wird." Er unterhielt sich noch einige Zeit mit dem jungen Mädchen, denn er nahm seine Pflicht als Vormund ernst und wünschte deßhalb seine Mündel nach verschiedener Richtung hin kennen zu lernen. Endlich stand er auf. (Fortsetz, folgt.) Wochen-Ualenöer. Freitag, 17. Juni. 4. Thmnu». Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Samstag, 18. Juni. 5. ThamuS. 'J *3 '» pia jtip, Sabbat-AuSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min. — Berlin 9 Nbr 33 Min. — München 9 Uhr 08 Mn. — Stuttgart 9 Ubr 22 Min. — Straßburg 9 Uhr 30 Min. — Posen 9 Uhr 21 Min. — Stettin 9 Uhr 39 Min. — Breslau 9 Uhr 03 Min. — Nürnberg 9 Uhr 20 Min. — Men 8 Uhr 54 Mi». — Paris 9 Uhr 10 Min. — Prag 9 Uhr 10 Mn. Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zw e 1 m a 1, 53ontaga und Donnerstag», jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Poll 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Drv Buchhandel verkehr! durch V. A. Strinarkrr, Leipxitz, Rohplatz ZS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclametheil 7o Pfennig. — Dirccte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine Ausgabe des JSraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang der „Kleinen Ausgabe" längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonniren Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnfeetionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis «ach Erlangung einer solchen. (S-uptbratt): DaS Judenthum m feinen tSrundzuaen (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Corresoondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Chorlottenburg. Danzm. Memel. Vasen. Nürnberg. Sondershaufen. Oesterreich: Lemberg. Ungarn: Preßburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Wahrheit und Dichtung «Fortsetzung). Sabc!» der CtUczt: Zeitungsnachrichten und Corresoondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Karlsruhe, llnaarn: Budapest. Pest. Rußland: Petersburg. Moskau. England: London. — sprechfaal. — Da kai^en Liste. L-?trL.2-UaL:n: Spenden-Verzeichmste. — Aufruf zur Errichtung emer Eisfabrik in Jerusalem. LLrantworÜiüe lst-Lactivn: OLear Lehmann in Mains- — Exvedttion de» ^Israelit". Schottstraße Nr- 2. Mains. Druck und Verlag der I ob. Otrtb'fchen Hofbuchdruckerei Actlen^Sefellfchaft in Mali«. Hierzu dfci Bettagen.