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Der Israelit · 1904-06-13 · Heft 47 (13.6.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 47 (13.6.1904)
Date
1904-06-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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978 Hierauf nahm GcmeindeprLses Lazar Gestettner das Wort, um Namens der Gemeinde als Schulerhalterin die Verdienste des Gefeierten in ehrender Weise hervorzuheben. Es sprachen noch Namens des Lehrkörpers Lehrer ,Armin Buchsbaum. sowie die Schüler Sigmund Neumann und Iolan Lustig, die dem Gefeierten ein prachtvolles Blumenbouquet überreichten. Die isr. Mädchenbürgerschule überraschte den Gefeierten mit einem wunderschönen Blumenbouquet. Nachdem Direktor Wilhelm Kohn, auf's Tiefste gerührt ob der erfahrenen allseitigen ehrenden Anerkennung seinen verbindlichsten Dank ausgesprochen und das feierliche Versprechen gab. in seinen Bestrebungen zum Wohle der Schule, sowie im nationalen Geiste auch in aller Zukunft mit verdoppeltem Eifer weiterkämpfen zu wollen, stimmte der Schülerchor das „Szozat" an, womit die erhebende Feier ihr Ende erreichte. vermischtes. Esslingen, 7. Jnni. Die israel. Waisenanstalt hiersclbst vereinnahmte nod) dem in dieser Woche veröffentlichten 73. Jahresbericht an Stiftungen 7017 an Zinsen 15711 Mk., an Spenden 7900 Mk und verausgabte nach Abzug von 950 Mk. Kostgeldersätzen 13 385 Mk. Die Zahl der Zöglinge beträgt nur 18, welcbe von 2 Lehrern u. 1 Ausseherin unterricht» t werden. Jerusalem. Das Rothschildschc Spital wurde, nachdem cs 8 Monate lang nach Entfernung von Dr. Gr. d'Arbclla geschlossen blieb, wieder eröffnet. Die Leitung wurde den Herren Bcnschimol und Dr. Michaelowitsch anvertraut, von denen der erste als Direktor und der zweite als Arzt fungieren wird. 8r"t tt il U t o tt. und Üticfytung. Von Friedrich Rott. 143 Aufsehen erregte es. daß Grünwald, der in den letzten Jahren einen streng-religiösen Lebenswandel geführt, einem getauften Juden die Vormundschaft über seine Tochter übertragen hatte, und warum nicht auch die über seine Söhne? Seine Mittwe errieth den Thatbestand, daß nämlich das Testament vor Ketzler's Taufe aufgesetzt war. Auf diese setzte sie ihre letzte Hoffnung, daß nämlich der Vormund ihrer Tochter nach seinem Uebertritte sie anders beürtheilen und ihr mehr geneigt sein werde, als vordem, und daß es ihr vielleicht mit seiner Hilfe gelingen tverde, das Testament umzustoßen. . Gleichzeitig mit der Nachricht des Gerichtes vom Hinscheiden seines einstigen Freundes und der Aufforderung, die Vormundschaft über dessen verwaiste Tochter zu übernehmen, erhielt Keßler einen sechs Seiten langen Brief von der Wittwe desselben, in dem sie ihn beschwor, sie vor den Folgen der Ungerechtigkeit ihres irregeleiteten verstorbenen Gatten zu schützen, indem er ihr bestätigen möge, daß derselbe zuweilen, namentlich bei Abfassung des Testaments, nicht zurechnungsfähig gewesen. Er warf den Brief bei Seite, ohne daran zu denken, ihn zu beantworten, hielt sich jedoch verpflichtet, sich des verwaisten jungen Mädchens, für das er sich bereits vor Jahren interessirt hatte, thatkräftig anzunehmen: er benutzte daher die eben beginnenden christlichen Feiertage zu einer Reise nach seinem früheren Wohnorte. Er hatte sich bereits über Alles informirt, fich auch vergewissert, daß sein Mündel durch die Umtriebe und Ränke ihrer Mutter nicht belästigt werden konnte, als er in den späten Nachmittagsstungen in die Wohnung des Verwalters trat, um die Bekanntschaft der jungen Erbin zu erneuern: Frau Müller begrüßte ihn höflich, ohne ihn jedoch zu erkennen. „Mit wem habe ich das Vergnügen?" fragte sie. „Sie kennen mich nicht mehr? Das hätte ich doch nicht geglaubt, nachdem ich mehrere Monate hindurch täglich in Ihr Haus gekommen bin." „Ah, Herr Doktor Keßler! Pardon! Herr Professor!" - „Den Professor hätte ich Ihnen gerne geschenkt," versetzte er lächelnd, aber es war ein trübes Lächeln, „doch daß Sie mich nicht wieder erkannt haben —" „Das macht die schlechte Beleuchtung, es ist beinahe Dämmerung —" „Ich batte Sie trotz der Dämmerung überall erkannt, weil Sie sich in den letzten sieben Jahren durchaus nicht verändert haben, und heute, ich mochte beinahe sagen, um zehn Jahre jünger-aussehen, als vor zehn Jahren. Damals haben Sie arg ausgesehen und ich war Ihretwegen ernstlich besorgt. Sie haben sich großartig gezeigt und seit damals datirt meine unbegrenzte Hochachtung vor Ihnen." Das feine Gesicht der noch immer schönen Frau überzog sich mit heller Röthe, sie erschien dadurch noch - jugendlicher. „Ich werde nie vergessen, was Herr Doktor Keßler in jenen trüben Tagen für uns gethan hat, wie großen, nie endenden Dank wir Ihnen schulden —" „Und dennoch haben Sie mich vergessen," cntgegnete er scherzend. „Sie haben mich doch nicht erkannt." ' - Sie wollte sich abermals entschuldigen, er irata* brach sie lachend. „Lassen Sie. lassen Sie. ich weiß sehr wohl, daß es nicht Ihre Schuld ist, daß Sie mich nicht erkannt haben, ich bin eben frühzeitig gealtert."

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