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Der Israelit · 1904-06-13 · Heft 47 (13.6.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 47 (13.6.1904)
Date
1904-06-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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977 haben. Er sei auch angeheitert gewesen und wisse daher nicht, was er damals alles gesagt habe. Der nächste Zeuge, Aron Stahl, erzählt, er habe, als der Rummel begann, im Hause eines Bekannten zum Fenlter der Parterrewohnung hinausgrsehen, und in diesem Moment sei er von dem vorüberschreitcnden Angeklagten Iwan Kaczkowski durch einen Peilschlag im Gesichte verletzt worden; stark blutend sei er zum Arzte Dr. Kibitz geeilt, der aber selbst wegen der Ausschreitungen des Mobs in Angst war und den Verwundeten in den Kellerräumlichkeiten verbarg. Der Angeklagte Kaczkowski, welcher vorgerufen wird, bezeichnet die Darstellung Stahls als unwahr, und leugnet, demselben einen Schlag mit der Hacke versetzt zu haben. — Vors.: Wer sonst hätte dies gethan? Der Zeuge hat doch am Gesicht eine von einer Wunde berührende Narbe? — Angekl.: Mein Bruder Wladimir dürste den Juden geschlagen haben. — Stahl bebarrt jedoch darauf, daß der Angeklagte und nicht dessen Bruder der Uebelthäter gewesen sei. Zeuge S v o r n sagt aus, er habe vom Hausflur aus gesehen, wie der Angeklagte Onyszkiewicz Fenster in Häusern des Judenviertels eingeschlagen habe. Onyszkiewicz widerspricht und behauptet, er sei zur kritischen Zeit in einem anderen Stadttheile gewesen. Mehrere jüdische Beschädigte erklären, daß sie sich dem Strafverfahren nicht anschließen. Der als Zeuge vernommene Kaufmann Liebermann deponirt, daß in seinem Hause Z3 Fensterscheiben zertrümmcit und die Thüren beschädigt wurden; er bezeichnet die Angeklagten Kotowicz. Maqura und Thekla Trusiwicz als diejenigen, welche den Mob zu den Ausschreitungen aneiferten. Thee. Viktualien und andere Maaren aus den Kaufläden in eine Senkarube warfen und die Garderobe Liebermanns und seiner Frau in Stücke rissen. Die genannten Angeklagten leugnen alles, trokdem die Darstellung Liebermanns vom Fleischhauer Schweizer, welcher seine Aussagen beeidet, vollständig bestätigt wird. Der nächste Zeuge, P r e i ch l e r, theilt mit. daß einem Steinbombardement 60 Fensterscheiben seines Hauses zum Opfer oifallen sind'. Der Angeklagte Dpornicki habe die Scheiben von der einen und Ma zurkiewicz von der anderen Seite zertrümmert. Der Zeuge verzichtet auf Schadenersatz. Kaufmann Leder erzählt, der Angeklagte Peter Mazurkiewicz, provisorischer Gerichtsdiener, der sich ebenfalls unter den Erzedenten befand, habe immerfort schreiend kontrollirt. ob schon alle Fensterscheiben im Judenviertel einqeschlaaen seien. Zeuge Keßler schildert, mit welcher Wuth der Pöbel im Judenviertel gehaust habe. Kaum war eine Rotte verschwunden, erschien bereits eine zweite, von Mazurkiewicz geführte Gruppe mit dem Rufe: ..Hurra! Los gegen die <*"*»*!" De* Zeuae versichert ferner, die Juden seien in Todesangst gewesen;, von panischem Schrecken ergriffen, habe der Zeuge mit zwei Kindern seine Wohnung, in der er sich nicht mehr sicher fühlte, verlassen und irgend ein Versteck aufsuchen wollen. Auf der Flucht begegnete er dem Schuhmacher Krzanowski und bat ihn um Zuflucht in seineiwHaufe. Trotz der aufreizenden Reden des herbeigekom menen Lakaszkiewicz nahm Krzanowski sowohl Keßler als auch dessen Bruder gastlich bei sich auf und rannte sodann in die Wohnung Keßler's. um seine mit einem Säugling zurückgebliebene Frau, die in Folge der Aufregung krank geworden war. zu beruhigen. Mit dem Ausdruck: aufrichtigen Dankes hebt Keßler das edelmüthige Vorgehen Krzanowski's hervor. Ungarn. Prcstburg. (Ehrende Anerkennung für einen verdienten Schulmann.) Im großen Turnsaale der orthodoxen isr. Kultusgemeinde fand dieser Tage eine imposante und erhebende Feier statt. Anlaß zu derselben bot die ehrende Auszeichnung, welche seitens des Ministeriums für Kultus- und Unterricht dem Direktor der vereinigten Knaben- und Mädchenvolksschnlen der orthodoxen isr. Kultusgemeinde zu Tbeil wurde, dessen Verdienste um die Schule und das Aufblühen derselben im Allgemeinen durch ein höchst schmeichelhaftes Anerkennungsschreiben und ein Ehrengeschenk von 100 Kr. belohnt wurden. Zu der schönen Feier batten sich eingefunden: Vom Vorstand der orthodoxen isr. Kultusgemeinde: Gemeindevorstands-Präses Lazar Gestettner, Präses Friedrich Duschinskv. Schriftführer Dr. M. Leitersdorfer, Dr. Mar Weiß. Mar Stein. Mar Pollak^ Dr. Kraus, I. Fischer, der gelammte Lehrkörper der orthodoxen isr. Knaben- und Mädchenvolksschulen, sowie seitens der stellvertr. Schulbehörde Schulinsvektor-Stellvertreter Julius v. Kururz und Sekretär Johann Pethö. Nachdem Sch.ulvräles Friedrich Duschinsky Zweck und Anlaß der heutigen feierlichen Schulkommissionssttznnq in kurzen Morten skizzirt hatte, wurde Direktor Wilhelm Kohn durch eine zu diesem Zwecke entsendete Deputation in den Saal geleitet. Schriftführer Dr. M. Leitersdorf verlas hierauf die Zuschrift des köniql. Rathes Schulinspektors Bertalan v. PlachY. sowie das Anerkennungsschreiben des köniql. unaar. Unterrichsministers. welches derselbe Herrn Dir. Kohn feierlichst überreichte, nachdem er zuvor eine schöne Festrede unter dem stürmischen Beifall der Anwesenden gehalten hatte. Nachdem Sch'ilpräses Friedrich Duschinsky in ungarischer Sprache unter Worten der Anerkennung für den Gefeierten das Ebrenhonorar von 100 Kronen demselben überreicht hatte und die Verdienste des aesammten L-Hrkörvers lobend bervorgeboben, hielt Schulinspektor-Stellvertreter Julius v. Kurucz eine fulminante Rede, in welcher er die Verdienste des gefeierten Schuldirektors nach seinen eigenen Erfahrungen schilderte.'

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