Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1904)
- Date
- 1904-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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976 Kranken zumeist dem benachbarten Rußland oder waren Rückwanderer dorthin, die auf der Durchreise ertrankt waren. Die Zahl der Verpflegungstage belief sich auf 3569, so daß im Durchschnitt auf jeden Kranken 25,5 Verpflegungstage entfallen. Die Kosten der Verpflegung beliefen sich einschließlich des gesummten Personals aut 86,5 Pfennig pro Tag und Kopf. An Mitgliedsbeiträgen hat der Verein 5312.89 Mark eingenommen (gegen 10,957.4k Mk. im Jahre 1900). Der Rechnungsabschluß balanzirt mit 74,751.72 Mk. Es ist dringend zu wünschen, daß weitere Kreise zur Festigung dieser großen Segen verbreitenden und geradezu. unentbehrlichen Anstalt, zur Erhaltung des schon seit Jahren zum Helle unserer kranken, armen russischen Brüder wirkenden jüdischen Krankenhauses zu Memel beitragen wollten. Das Kuratorium besteht aus den Herren: S. Eh. Bernstein, Rabbiner Dr. Em. Carlebach, Max Cohn, Dr. med. Pindkvwski, Landgerichtsrath Wechselmann. Posen. Die Kantoren der Gemeinde Posen richten folgenden Aufruf an alle Kantoren und Kultusbeamten der Provinz: „Bei der letztem Generalversammlung des Vereins „Hilfskasse für israEtische Kultusbeamte und deren Wittwen und Waisen in Deutschland" war einer der Unterzeichneten Kantoren zugegen und machte dem Vorstande den Vorschlag, allen Kantoren und Kultusbeamten den Beitritt zu dem Vereine als ordentliche Mitglieder zu gewahren. Damals konnte jedoch der Vorstand diesen Vorschlag aus ganz besonderen Gründen noch nicht annehmen. Es ist dem Referenten eine Statutenveranderung nach dieser Richtung hin in Aussicht gestellt worden. Die Kantoren Posens haben nun beschlossen, einen Zweiavrrein zu gründen. Zu diesem Zwecke bitten wir sämmtliche Kollegen hoflichst, schriftliche Beitrittserklärungen an uns zu Händen des Herrn Oberkantors S. Oswald, Breitestratze 9, zu senden. Wir geben uns der angenehmen Hoffnung hin. daß recht viele Beitrittserklärungen eingehen werden, damit wir uns in die Lage versetzt sehen, eine Generalversammlung behufs Besprechung anberaumen zu können." Nürnberg. Der erste Jahresbericht des Vereins „Israelitisches Mädchenstist". das sein Bestehen der Hochherzigkeit des verstorbenen Herrn Max Heim und dessen noch lebender Gemahlin Frau Elise Heim in Frankfurt a. M. verdankt, ist eben ausgegeben worden. Die Anstalt verfolgt den Zweck, heranzewachsenen und einer geeigneten Häuslichkeit entbehrenden israelitischen Mädchen, welche in Nürnberg oder in näherer Umgebung dieser Stadt sich einem ehreichafies Beruf widmen, den Schutz eines gesitteten «nd geordneten Hauswesens zu gewähren, sowie auch, falls die Mittel dazu aus- -reichen. die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. Am 1. Juni 1903 wurde der Haushalt mit 5 Pfleglingen eröffnet, worauf am 6. September die feierliche Einweihung stattfand. Die Verwaltung, bestehend aus fünf Damen und zehn Herren, hielt seit Konstituirung des Vereins zehn ordentliche Sitzungen ab, nicht mitgercchnet die zahlreichen Besprechungen, die nothwendig waren, um einzelne Fragen zu regeln und verschiedene Maßnahmen zu treffen. Von den seinerzeit aufgenommenen neun Pfleglingen — ein Mädchen tritt am 1. April ein, drei weitere sind vorgemerkt, ein Mädchen ist wegen Abreise ausgetreten — sind sechs in Bayern, vier außerhalb Bayerns beheimathet; es sind meistens Lehrmädchen. Verkäuferinnen, ein Mädchen ist Korrespondentin. Sondcrshausen, 7. Juni. Am 14. Juni feiert der Rabbiner Professor Heidenheim seinen 90jährigen Geburtstag, nachdem er am 4. April d. I. sein 70jähriges Amtsjubiläum in der hiesigen jüdischen Gemeinde hatte begehen können. Dieser überaus seltene Jubeltag soll mit dem Geburtstag besonders gefeiert werden. Der alte Herr erfreut sich noch körperlicher Frische und eines überaus regen Geistes; er versteht es noch, seinen Gedanken mit logischer Schärfe und Klarheit von der Kanzel aus beredten Ausdruck zu geben. Seiner Gemeinde, die mit Liebe an ihm hängt, ist er nicht allein Seelsorger, sondern auch Freund und väterlicher Berather in allen Lebenslagen gewesen. Oesterreich. Lemberg, 8. Juni. (Die Excesse gegen die Juden in Uhnow vorGecicht.l Gendarmerieposten-Kommandant Dombrowski deponirt, daß in Uhnow der große Brand am 23. April 1903 Nachts ausgebrochen sei. Der Zeuge habe sich sofort nach der Brandstätte begeben, um die Rettungsaktion zu organisiren. Nach Lokalisirung des Feuers wurden plötzlich die Kirchenglocken wieder in Bewegung gesetzt. Niemand wußte, was das neuerliche Allarmgeläute zu bedeuten habe. Im Judenviertel wurden dann vom Zeugen die Angeklagten Petryszyn und F u r j a n angehalten, welche mit Hacken Fensterrahmen an Häusern zertrümmerten. Die Menge bekundete die Absicht, die Verhaftung der beiden Exzedenten zu verhindern: erst als andere Gendarmen herbeigeeilt waren, gelang es. die beiden Häftlinge dem Gerichte einzuliefern. Die Weiber riefen da immerfort: „Die Juden stecken die Häuser in Brand, und uns verhaftet man!" An der Spitze des johlenden Pöbels stand der Angeklagte Wasil Skrypczuk. der augenscheinlich betrunken war; einen Stock schwingend, haranguirte er die Massen mit dem Rufe: „Vorwärts Jungen!" Bei der Konfrontirung mit diesem Zeugen stellen die Angeklagten Petryszyn. Fnrjan und Wasil Skrypczuk olles in Abrede. Letzterer will die Menge nur zur Betheiligung an der Löschung des Brandes ausgefordert