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Der Israelit · 1904-06-13 · Heft 47 (13.6.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 47 (13.6.1904)
Date
1904-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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975 vom Judenthum zum Christenthum, oder aus sonstigen Gründen, künftig ebenso an den Minister zu berichten, wie dies bei Anträgen auf Aenderung jüdischer Familiennamen durch frühere Erlasse vorgeschrieben ist. Frankfurt a. M., im Juni. Am 1. Juni d. I. waren es 25 Jahre, daß Herr H. P l a u t als Kantor der Synagogen-Gemeinde Israelitische Religions- Gesellschaft angestellt ist. Er hat es verstanden, sich in dieser Zeit durch rastlose Pflichttreue und hingebungsvollen Eifer das Vertrauen und die Zuneigung der Mitglieder der Gemeinde wie des Vorstandes in reichstem Maße zu erwerben. In seiner Thätigkeit als Lehrer hat er Hunderte mam *12 herangebildet, und ist er als hervorragender b» ja über die Grenzen Frankfurts hinaus bekannt und geschätzt. Seine gründliche Kenntniß des jüdischen Schriftthums, die er sich als Schüler Rabbi Jacob Ettlingcr s. A. in Altona erwarb, ist mit einfachem, jovialem Wesen verbunden. So bringen wir dem Jubilar zu seinem Ehrentage unsere herzlichsten hm - Wünsche dar. Möge cs ihm noch recht lange vergönnt sein, in seinem Kreise zu wirken. A. S. Charlottenburg. Der „Verein für Armen- und Krankenpflege Kaiser Friedrich-Andenken" in Charlottenburg will an dem der evangelischen Luisengemeinde gehörigen Grundstück Guerickestraße 4 ein neues Anstaltsgebäude errichten. Der Magistrat beantragte, der Luisengemeinde eine Fläche von ungefähr 82 Quadratmeter, die dem Grundstück vorgelagert ist und sich in städtischem Besitz befindet, unentgeltlich abzutreten. In der letzten Sitzung der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlüng wurde dieser Antrag mit Recht abgelehnt. Die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung stellte sich mit dem Referenten, Stadtv. Dr. v. Liszt, auf den durchaus richtigen Standpunkt, daß der Verein deßhalb nicht aus städtischen Mitteln direkt oder indirekt unterstützt werden dürfe, weil seine Statuten vorschreiten, daß Angehörige aller Konfessionen zwar zahlende Mitglieder werden können, in der Generalversammlung aber nur christliche Mitglieder stimmberechtigt seien. Einem Verein, der einen derartigen konfessionellen Charakter trage und antisemitische Bestrebungen fördere, dürfe man auf Kosten der Steuerzahler keine Zuwendungen machen. Danzig. Der Katalog der in der Reuen Synagoge aufgestellten alten jüdischen Kunstgegenstände — Gieldzinski-Stiftung — ist nunmehr erschienen und bietet eine von sachverständigen Händen ausgearbeitete treffliche Beschreibung der einzelnen Ritualien. Die Sammlung umfaßt augenblicklich 827 Nummern und entstammt fast gänzlich der berühmten großen Kunstsammlung des Herrn Lesser Gieldzinski, die mit Recht als eine der Hauptsehenswürdigkeiten „des nordischen Venedig" gilt und z. B. auch von Ihrer Majestät der Kaiserin regelmäßig bei ihrem Hiersein mit großem Interesse besichtigt wird. Einer glücklichen Anregung folgend sonderte Herr Gieldzinski die jüdischen Kunstgegenstände. die er während seiner langen Lebenszeit in aller Herren Länder gesammelt hatte, aus den übrigen Kunstschätzen aus und überwies sie anfangs dieses Jahres an seinem 76. Geburstage der hiesigen Synagogengemeinde. Diese wandelte eine Seitenkapelle des herrlichen Tempelgebäudes zu einem würdigen und passenden Aufnahmeraum um und ließ daselbst die Sammlung dem Wunsche des Stifters entsprechend zur ständigen öffentlichen Besichtigung aufstellen. Die kleineren und kostbareren Gegenstände sind in eigens konstruirten Glasschränken untergebracht, die größeren frei aufgestellt; alle sind zusammenhängend geordnet und mit Nummern versehen, so daß die Orientirung eine sehr leichte ist. Der Katalog gibt außerdem noch eine eingehende Beschreibung jedes einzelnen Stückes. Die Sammlung umfaßt danach Miniaturdarstellungen einer heil. Lade und eines Almemors, Paroches, Thorarollen. Wimpeln. Thoramäntel und Aufsätze, in großer Auswahl Thoratronen, Schilde und Zeiger, Altarleuchter, Kidduschbecher und Tafeln, zahlreiche Besomimbüchsen, Esrogdosen, Schofars, Kanne und Handtuch für die Priester. Megilloth, handschriftliche Gebetbücher, Gebetbucheinbände, Mesusoth. Sabbat- und Sederschüsseln, zahlreiche Chanukalampen, Amulette, Beschneidungsgegenstände, Ketuba, Brautschleier, Almosenteller. Medaillen, Bilder u. s. w. Dubletten sind nicht ausgenommen; auch da, wo Gegenstände in mehreren Exemplaren vertreten sind — z. B. Thoraschilde, 10 Thorazeiger — sind nur solche Stucke eingereiht, die sich in der Ausführung charakteristisch von einander unterscheiden. Aus der Fülle derselben ragen eine ganze Anzahl von besonderem Kunstwecth hervor, z. B. Wimpeln aus der Mitte des 18. Jahrhunderts mit vortrefflichen Seidenstickereien, Thorakronen und Thoraschilde in den eigenartigsten Formen und Größen, Thorazeiger aus verschiedenartigem Metall und Gestein, künstlerisch schöne Chanukaleuchter, alte Sabbat-' und Sederschüffeln aus graviertem Zinn oder aus bemalter Majolika, zwei kostbare Megilloth italienischer Arbeit, die eine mit Malereien, die andere mit Federzeichnungen geschmückt. Ganz besonders treffliche Filigranarbeiten finden sich in fast allen Rubriken. Herr Gieldzinski hat sich durch seine Sammlung ein bleibendes Verdienst um die jüdische Kunst erworben; möge es ihm vergönnt sein, seine Stiftung, wie er es beabsichtigt, noch weiter vergrößern und ausbauen zu dürfen. Memel. Der Rechenschaftsbericht des hiesigen Jüdischen Krankenhauses für 1903 konstatirt einen stetig zunehmenden Krankenbrstand, während die Beiträge leider stark im Rückgänge begriffen waren. Die Anzahl der im verflossenen Jahre aufgenommenen Kranken betrug 140 Personen, 60 männliche und 80 weibliche Individuen. Wie immer entstammten die

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