Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1904)
- Date
- 1904-06-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Volk-ganze darin zu erblicken wäre, wenn die einzelnen Bekenntnisse ihre Eigenart, einer äußerlichen Gleichförmigkeit zuliebe (Orgel? Red.) aufgeben würden, statt sie als werthvolles Kulturelement der Gesammiheit zu erhalten. Namentlich dem Judenthum gegenüber herrscht vielfach die Ansicht vor, daß, nachdem durch die moderne Gesetzgebung die rechtliche Sonderstellung der Israeliten beseitigt sei, es eigentlich ihre Pflicht und Schuldigkeit oder wenigstens das Vernünftigste wäre, in der Mehrheit aufzugehen. - Meine Damen und Herren! Die Israeliten sind von jeher in der Welt eine winzige Minorität gewesen und es ist offenbar ihre geschichtliche Aufgabe sich als solche durchzusetzen. Sie vertreten das Recht der Minderheit, das Prinzip der Gerechtigkeit sans plirase und daher kommt es, daß ihre Behandlung in den verschiedenen Ländern geradezu zum Gradmesser der Kultur der Völker geworden ist. Sollen sie, denen ihre Religion gebietet, die Gerechten und Tugendhaften aller Nationen ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntniß, als der ewigen Glückseligkeit theilhaftig anzusehen, diesen Standpunkt verlassen zu Gunsten der Auffassung, daß man den Glauben der verbreitetsten Religion theilen müsse, um ein vollberechtigter Mensch im Diesseits und Jenseits zu sein? Es hätte der Mahnung von Männern wie der des Kriminalisten Berner nicht bedurft, um die Israeliten zum Ausharren in dem Kampfe für bedingungslose Humanität zu bestimmen. Dafür wird ihnen auch künftighin kein Opfer zu groß und zu schwer sein. So haben auch der Katholizismus einerseits und der Protestantismus anderseits zweifellos ihre besonderen Kulturgüter geschaffen, die nur von ihnen in ersprießlicher Meise weiter gepflegt werden können. Es wäre daher ein positiver Verlust für die Menschheit und speziell auch für unser deutsches Vaterland, wenn eines dieser Bekenntnisse vom Erdboden verschwände. Deßhalb sollte jede Konfession die Kulturarbeit der andern schätzen und sie in dem Streben nach Befriedigung der religiösen Bedürfnisse unterstützen." In den Ruf: Der konfessionelle Friede lebe hoch! stimmte Alles freudigst überein. Von hervorragender Persönlichkeit wurde dem Herrn Redner die vollste Sympathie ausgedrückt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzev. Deutschland. Mainz, 8. Juni. (Die „verbreitetste jüdische Zeitung Europas" im Bunve mit unseren Feinden.) Die „K reuzzei - t u n g" in Berlin, vom 27. Mai 1904, bringt folgende Notiz: „Das „Israel. Familienblatt" bittet uns, folgende Mittheilung abzudrucken: „Friedrich Wilhelm IV. im Hause eines Juden. Eine interessante historische Episode veröffentlicht das in Hamburg erscheinende „Jsr. Familienblatt": Am 12. September des Jahres 1850 kam das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm IV. und seine Gemahlin auf der Durchreise nach Danzig auch nach Elbing. Dort besaß der Kaufmann Samuel Aschenheim, der sich der hohen Achtung aller seiner Mitbürger erfreute, ein stattliches Haus, das der Magistrat der Stadt für einen Besuch des Königspaares herzurichten erbat, und der erfreute Besitzer des Hauses folgte gerne diesem Wunsche. Der König und die Königin speisten in den besonders glänzend eingerichteten Räumlichkeiten an der Seite Aschenheims und seiner Gattin und gaben ihrer Befriedigung über Ausstattung der Empfangsräume kund." — (Wir wissen zwar nicht recht, was das Blatt mit seiner Bitte um Abdruck bezweckt, zumal, da die mitgetheilte Geschichte keineswegs geeignet ist, die Welt aus den Angeln zu heben. Da aber vermu.thlich geschmeichelte jüdische Eitelkeit dabei mitspricht und wir gegen derartige kleine Schwächen der „Mitbürger" Nachsicht zu üben verstehen, sind wir dem Wunsche mit Vergnügen nachgekommen. Hoffentlich ist die Geschichte aber auch wahr!)" Was hätte wohl das Hamburger „Israelitische Familienblatt" für einen wuthschnaubenden Artikel gegen uns losgelassen, wenn wir wegen einer solch' läppischen Historie um die Gunst der Kreuzzeitungsmänner gebuhlt hätten. Wie wären da die Ausdrücke geflogen, wie Charakterlosigkeit. Schamlosigkeit. Eynismus u. s. w. Wir wollen die Beurtheilung einer solchen Handlungsweise nur dem Urtheil de? jüdischen Leserkreises überlassen. Daß auch die Herausgeber anderer jüdischer Zeitungen über ein derartiges Vorgehen auf das Höchste empört sind, dafür haben wir die Beweise in Händen. Reclame durch die „Kreuzzeitnng" ist jedenfalls ein Novum in der jüdischen Journalistik. Frankfurt a. M.. 8. Juni. Die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums versendet soeben Nr. 17 ihrer Mittheilungen an die Vereinsmitglieder. Nach einem warmen Nach-- ruf auf Justizrath Dr. Naphtali Hirsch, der der Vereinigung seine so werthvolle Kraft in hervorragendem Maaße gewidmet hatte, folgt ein Bericht über die Generalversammlung der Rabbiner-Kommission. Die Versammlung befaßte sich mit der Frage der rituellen Behandlung von Leichen die zur Verbrennung bestimmt sind und gelangte zu einer von uns bereits früher veröffentlichten Resolution. Rabbiner Dr. Bombe r g e r - Hgnau referirte über Mißstände, welche sich bei der üblichen Ausbildung der Schochtim, welche in