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Der Israelit · 1904-06-09 · Heft 46 (9.6.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 46 (9.6.1904)
Date
1904-06-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. Mage zu M 46 des „I Mi" Dir Lnlhüllung örs Lamr>r-DknKmals in Wannhrim. Am 29. Mai fand die Feier der Enthüllung des in der Ueberschrift genannten Denkmals in Mannheinr statt. Da unter Staätsminister Lamey die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten Badens im Jahre 1862 gesetzlich ansgesprochen wurde, so war eine Vertretung der isrl Landessynagoge bei der genannten Feier anwesend. Herr Geheime Regierungsrath Dr. Meyer hielt sowohl bei der Enthüllung des Denkmals, als auch spater in der großen Halle des „Rosengartens" angdmessene Reden. Er ergriff das Wort zu folgendem Trinkspruch: „Hochgeehrte Festversammlung! Ich bin dem verdienten Vorsitzenden des Denkmalkomitees^ Herrn Rechtsanwalt König, dankbar, daß er in seiner eindrucksvollen Festrede unter den Ruhmesthäten des Staatsmannes Lamey auch die Durchführung der bürgerlichen Gleichstellung der Israeliten hervorgehoben hat. Unter den Momenten, die das Selbstvertrauen der Israeliten und ihr Vertrauen auf den Fortschritt der Menschheit zu erhalten und zu stärken geeignet sind, ist keines der geringsten die Thatsache, daß diejenigen Herrscher und Staatsmänner, die als die größten aller Zeiten gefeiert werden. Wohlthäter der Juden gewesen sind. Der große Alexander und Cäsar, Theödorich und ' Karl der Große und die Hohenstaufen, Wilhelm von Oranien und Eromwell. der große Kurfürst und Badens erster Großherzog Karl Friedrich, sind auch für die Israeliten Lichtgestalten l So darf es auch die Israeliten Badens mit hoher Genugthuung erfüllen, daß sie dem volksthümlichen badischen Staatsmann',' der wie kein anderer einen tiefeingreifenden, nachhaltigen und segensreichen Einfluß auf die Entwicklung dieses schönen Landes geübt hat, ihre Emanzipation verdanken. Auch der nachmalige Handelsminister v. Dusch, der in den 1860er Jahren die rechte Hand Lamey's war und das Emanzipationsgefetz vor den Standen so kraftvoll vertreten'hat, ist einer unserer , besten Staatsmänner gewesen. Das Gleichstellungsgesetz war. nur.der letzte-Schritt 'aufdem von-'Karl' Friedrich eingescblagenen Wege, wie unser gesiebter'' Großherzvg anläßlich seines Regierungsjubikäüms in' seiner , bescheidenem Meise gefügt-hat-. ' 'Aber wie viele Voriirtbeile.: und. Widerstände -waren' au?- dem'- Wege zu raumen: /de.es-gelang, die iFsraeliteN zv'- wahlbr^■* rechtiaten tIemeindebürgern zu machen' und 'ihnen big'1 freie Niederlassung: am ledern. ©rfe ihres' HekmätblaNdes-' - zu gewähren:-.-. Hinte-nach wenig mehr 'als >60 Jahren"' werden die Stadtväter von Baden, Offenburz, Freiburg und Konstanz nur noch ein Lächeln dafür haben, wie ihre Vorgänger von Anno 1860 eifrig darüber! ' wachen, daß ihre judenfreie Gemeinwesen/nichl etwa auf die Stufe von Mannheim, Heidelbergs Karlsruhe; und dergleichen jude'nbelasteten Ortschaften herab- '/ sinken. Man kann auch nicht sagen, daß die Gemeinden, ' in denen die Israeliten den Gemeinderath ündVurgrr- '// ausschuß wählen helfen oder gar selbst in die Gemejnde-// kollegien eingetreten sind, dadurch dem Verfallt'nahegebracht worden wären. Und so wird man vielleicht' nach weiteren 60 Jahren auch darüber lächeln, daß zä 'r'/ einer Zeit, in der in England und Nördam'ertkü" in ' Frankreich und Italien, ja sogar in Oesterreich jüdische^'' Generäle, Minister. Staatssekretäre ühres Amkes'wal-'-^ ieten. in unserem lieben Deutschland elnJüde. ^thaj^" : sächlich nicht die unterste Sprosse — ich betone fsiezieÄ - die unterste'— der'VerwaltungS-, geschweige/denn der' militärischen Stufenleiter erklimmen' könnte. 'Diese Thatsache ist an sich nicht tragisch'zu nehmen/ 'Abet'st'^/ ist ein Symptom des sozialen MißverhältmsseS. das' ' trotz der rechtlichen Emanzipation noch heule ln unserem Daterlande zwischen der' christlichen Majorität und der jüdischen Minorität besteht. Ich habe mich"' ' immer darüber gewundert, wie die Mehrheit/ die Mit " Recht an manchen stdn der früheren Reichskammer- ' ' knechtschast her den Juden' anhaftenden' Mängeln An- - stoß nahm, sich selbst jedes -besserndes Einflusses'öe- ' raubte, indem sie sich gesellschaftlich' von den" Jüde'n /'/ abschloß, während-die "allmähliche Aufnahme.dee-'gk-/ ^. ' bildeteren Elemente derselben sich als das -beste -Er-' " ziehungsmittel erwiesen hätte. So aber "konnten, und v n/. können die rückständigen Elemente stets darauf Hinweisen. daß, wie das Beispiel " ihrer in'keiner Weise-zw beanstandenden Glaubensgenossen zeige, es sich gar nicht^''' -verlohne, sich der Majorität angenehmer' zu Mächen/ Daß so durch die Haltung'der Mehrheit für die Min-"'''' derbeit ein nicht zu unterschätzender Ansporn-' zur -r?:i Selbsterziehung, zur gesellschaftlichen Selbstzucht der-;r ,: lorcit geht, das beklage ich im Interesse der- Völksge-- sammtheit. Es wäre eine schöne Ehrung 'der Manen -' ' Lamey's, wenn die einflußreichsten Unter Ihnen/ weine/-'/" Damen und Herren, -sich zusammenschließen 'würdÄ-- /~'"° um diese soziale: Killst--zu Überdrücken?- r -- /"J - vu Doch Möchte fcheineni ss ökchen' Äündi; 'noch' ^etne höhere. nMfassenbere-AuWbegestW wisiÄn f'llli -Nisse stch ^rqenuber'steheül ^Mari 'sollte sich^ doch MW Mseits-däruber' Nar.'seiEbaßMSM lstäaten.dtkanMttchKrstnMsse1^^ M MURheW^l^ - von ^Tausenden festgewurzelt ist und eine Kultüräüf-^'' gäbe erfüllt, und daß kein wahrer Gewinn für daS

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