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Der Israelit · 1904-06-09 · Heft 46 (9.6.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 46 (9.6.1904)
Date
1904-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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955 in den Bund Abrahams, sondern es wird katholisch getauft ud wir werden das Kind als das unsrige behandeln. Wie weit die Juden im allgemeinen und Ihr selber bei der Entführung betheiligt seid, wird die Untersuchung Herausstellen. Dann werden wir noch ein Wörtchen miteinander reden. Das schwöre ich Euch aber jetzt schon zu, daß mir Jeder, er sei Jude oder Christ, an einem Galgen baumelt, dem die Hilfeleistung bei dieser Entführung nachgewiesen wird. Ihr werdet jetzt alle Hebel in Bewegung setzen, mir auch das Kind aus meinem Schlosse zu stehlen. Deßhalb verbiete ich von heute ab jedem Juden den Zutritt zu meinem Schlosse. Wer es dennoch wagt, dem lasse ich ein Ohr abschneiden. Das sagt Eueren Spießgesellen und jetzt könnt Ihr gehen." Die so ungnädig Verabschiedeten hatten Takt genug. um sich zu sagen, daß in diesem Augenblicke jede Entgegnung die Erregung des Grafen nur steigern würde, statt sie zu mildern. Sie verließen detzhalb schweigend den Saal und begaben sich zu ihren Genossen, um sofort nach Hause zurückzukchren. Dort wollten sie gemeinsam.berathen, was in der Sache noch weiter geschehen tonne. V. Am Abend desselben Tages fuhr Graf Esterhazy wieder in das Benediktiner-Kloster Tihany. Er sprach wöchentlich zwei bis dreimal des Abends bei den Benediktinern vor. Dieselben hatten ein ganz ausgesuchtes Lager von seltenen, alten Weinen in ihren Klosterkellern. mit dem. was das Alter der einzelnen Jahrgänge betrifft, selbst der Graf nicht konkurriren konnte. Zwei Abende hintereinander kam jedoch der Graf selten; er wußte daher, daß er dort heute nicht erwartet werde. Wie war er aber erstaunt, als der Prior, Pater Nathusius, und zwei Confraters ihn mit lautem Halloh begrüßten und ihm verücherien, sie erwarteten ihn schon den ganzen Abend. «Das beißt," bemerkte der greise, rothwangige Prior, ^ich bin der Einzige von uns. der Eure Durchlaucht erwartet bat. Die Conftoters Etzel und Edgar haben es so heftig bestritten, daß wir zehn Flaschen Wein vom Besten gewettet haben. Diese Wette haben die beiden nun verloren, womit ich mich.doppelt freue. Welche Marke schlagen Euere Durchlaucht vor?" Der Graf war heute allem Anscheine nach nicht zum Zechen aufgelegt und überließ es daher dem fachmännischen Urtheil der Klosterherren, die Entscheidung zu treffen. «Ich glaube, heute steht «Ausbruch" auf der Tagesordnung. wie. Herr Graf?" fragte schlau blinzelnd der Prior. Aber der Graf war mit seinen Gedanken sy weit vom Wein-entfernt, daß er die feine Anspielung gar nicht bemerkte und In keiner Weise darauf einging. Frater Edgar konnte aber nichts mehr verdrießen, . als wenn ein feiner Witz nicht das verdiente Verstandniß und die ihm gebührende Würdigung fand. Al-; einen solchen hielt er aber die Anspielung, daß der aus^ ... gebrochene Arendar durch ^Ausbruch" geleiert werden «f. sollte. Er griff daher das Wort des Priors auf und. . meinte: ' V „Was Ausbruch? Den hätten tmr gestern Abend trinken sollen, da wäre es zur rechten Zeit gewesen." Der Graf, der keine Ahnung davon hatte, daß man im Kloster schon von der Entweichung des Aren-' dars etwas wußte, verstand diese Anspielungen, nicht- und warf kurz hin: - ■ -'c. „Also bleiben wir bei Tokayer Ansbruch. Wissen- < - schaftlich, theologisch und gastronomisch diese Wahl be- : gründen, können wir ja später, was den Vortheil hat, datz wir noch eine zweite Sorte zu kosten ..bekommen, . falls die Wissenschaft sich für eine andere Wahl nach-;. träglich entscheiden sollte." '. Die Klosterherren glaubten, der Graf wolle die Entweichung seines Arendars ihnen verheimlichen, da- ' mit er zum Schaden nicht noch den Spott habe. Sie wollten, wenn der Wein erst die Zun ae ein wenig gelöst'., und die Scheidewände zwischen der Durchlaucht und den Eminenzen abgebrochen hätte, schon auf diesen v, saftigen Bissen zurückkomwen. Sie waren daher erstaunt. als nach dem ersten Becher der Graf selber datz v Gespräch darauf führte. < ..Wieso." bub er an. «hat man denn hier meinen! Besuch beut so sicher erwartet, daß man sogar eine Wette detzhalb oewagt hat?" ..Wir Tbeologen." entqeanete der Prior, «haben doch etwas feiner oroanisirte Nasen, als sich Loi-n X^ träumen lassen, wovon ick selbst Eure gräflich: Durch- -t laucht nicht ausschlietzen kann." «Der kuvferne Glanz Ew. Eminenz Nase hat mir. i immer imponirt." bemerkte der Graf. «Sie strablt den % Wein wieder, den ste täglich in Strömen über das Ke- . tbeae d-r aeweibten Livven fließen siebt, und da im Wein. Wahrheit liegt, so mutz eine Nase, die Um so treu wie- -*•; deraibt, schon eine richtige Dosis guter. Witterung haben. Detzbalb bin ich eigentlich heute Abend g-kommen. ich wollte um Ew. Eminenz Rath bitten, den anstlichen und den vrofanen. Mir ist vergangene Nacht etwas Ungewöhnliches passirt-* Jetzt konnte der Prior ein respektwidriges Lachen kaum mehr zurückhalten; flugs that er, um es zu mas- ' kiren, einen tiefen Zug aus seinem Humven. Die Conftaters, die in derselben Lage waren, thaten dasselbe, aber während sie mit züruckgelegten Köpfendenedlen., Tokayer schlurften, begegneten sich'ihre Blicke und nnn-'„ids war es geschehen. Sie platzten alle, drei mit emerrso homerischen Lachsalve heraus, daß der Args. sich gar«^ 's keine Melodie dazu zu machen wußte. Erstaunt' sah die Lacher an, es war ihm gar nicht lächerlich zu Muthe.'

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