Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1904)
- Date
- 1904-06-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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954! stellt, daß Sie über mehreren Thüren Ihrer Gast- und Schanklokalitäten Tafeln mit der Aufschrift «Juden haben keinen Zutritt!^ angebracht haben und in Ihrem Gewerbebetriebe Gläser mit der Aufschrift: «Nur für Juden!" bereithalten. Der Inhaber eines Gast- und Schankgewerbes ist vermöge seiner Konzession gehalten, Speisen und Getränke an Gäste ohne Unterschied der Nationalität und Konfession zu verabreichen, die Verweigerung nomirt sogar nach § 482 des Strafgesetzes eine.Strafsanktion. Ihre Geschäftsgebarung erscheint daher in den angegebenen Punkten unzulässig und geeignet, das für den Betrieb des konzessionirien Gewerbes gesetzlich normirte (823 Gew.-Ordg.) Erfordernitz der Verläßlichkeit zu beeinträchtigen. Sie erhalten detzwegen hiermit im Grunde des § 138c Gew.-Ordg. die erste Warnung, mit dem Aufträge, die eingangs erwähnten Tafeln und Gläser sofort aus Ihrem Gewerbebetriebe zu beseitigen. Der k. k. Statthallereirath Dr. Maurig.". '' Belgien. Brüssel. Am 29. Mai fand in Belgien die Wahl der Hälfte der Mitglieder des Parlaments statt (Repräsentantenkammer und Senat) und wurde der seitherige Senator. Sam. Wiener, ein tüchiger Jurist, wieder mit großer Stimmenmehrheit für den Wahlkreis Brüssel in'die hohe Versammlung gewählt. — An demselben Datum fand auch ein großes Fest auf dem Grunde des hiesigen Turner- und Fußrennen- Clubs im Bois de la Cambre statt, welches mit dem Besuche Sr. kgl. Hoheit, des Kronprinzen Albert von Belgien beehrt wurde. Der Präsident dieses Clubs. Max Kahn (Kahn's internationales Institut) hatte die große Ehre den hoben Gast und dessen Begleitung zu empfangen. ihm aufzuwarten und ihn zu begleiten. Der Besuch dauerte 2V*: Stunden. Diese Lhatsache verdient in Ihrem geschätzten Blatte nur deßwegen einer besonderen Notiz, da in vielen Gegenden Deutschlands und Oesterreichs die Inden von deq Turnvereinen statutarisch ausgeschlossen! sind. Welcher Contrast! Hier zu Lande kennt man Gott fei Dank keine solche Intoleranz. Rumänien. Bukarest, 5. Juni. Das Hilfswerk der Vorscknßkassen, das die Alliance JsraEe Universelle in Rumänien, in den ärmsten Centren der jüdischen Ve- . völkerung begründet hat. nimmt einen regelmäßigen « Fortgang - und erweist sich für die kleinen Gewerbe- \ treibenden als sehr nützlich. Soeben hat die Alliance j für dir Gemeinde in Bacau einen Credit von 2000 Frs. j und für. die Gemeinde in Moinesti. einen Credit von 8000 Frtz. zur Gründung von Kassen bewilligt, nach-. - dem - sich beide Gemeinden zu Beiträgen von gleicher * Höhe verpflichtet hatten. Amerika. New-Aork. . Vor einigen Wochen starb hier im Alter von 74 Jahren Frau Eliza M e n d e s, geborene De Sola. Sie war die Wittwe des Rev. Abraham Pereira Mendes, der zuletzt Benefiziat der Juda Touro-Stiftung in Newport, Rhode Island, war und vor etwa 10 Jahren starb. Ihre Söhne sind die Rabbiner Frederick de Sola Mendes von der Shaare Tefilla-Gemeinde und Henry Pereira Mendes von der portugiesischen Gemeinde in New-Aork. Ihr Vater war der Chasan der portugiesischen Gemeinde in London. David Aaron de Sola und ihre Großväter die Londoner Chachamim Aaron de Sola und Rafael Meldola. Feuilleton. Urne vereitelte Wochzeit. von B. Waynev. H Auf einen Wink des Grafen legte die Dienerin das Kind mit dem Kiffen auf einen Lehnstuhl und eilte fort, um das Verlangte zu bringen. Herr Troler band dieses kunstgerecht zu einem Mundstück zusammen, wie man es Kindern bei der Brismilo zum Saugen gibt, und der Kleine saugte nun mit einer Entschiedenheit, die alle Anwesenden, und besonders die Gräfin, lebhaft freute. «Ein solches Kindermädchen ließe ich mir schon gefallen." sprach die Gräfin, lächelnd zu Troler gewandt. «Wer hat Euerer Durchlaucht denn das Kind die ganze Zeit besorgt?" fragte ganz harmlos der Angeredete. «Die ganze Zeit?" entgegnete diese. «Ich habe es ja erst seit zwei Stunden. Es ist ja das Kind des flüchtigen Arendars. das diese Unmenschen im Stiche gelassen haben, um in ihrer Flucht nicht behindert zu sein!" Jetzt war die Reihe das Wort zu ergreifen am. Grafen. Er that es mit gemessener Ruhe und einer eisigen Kälte, welche durch die anfänglich zur Schau getragene Herzlichkeit sich noch abstoßender ausnahm, als sie vielleicht war. «Ich brauche Euch jetzt nicht weiter zu bemühen. Es war zuerst meine Absicht, von dem zurückgebliebenen Kinde nichts zu sagen. Aber da es nun auf diese Weise offenkundig geworden ist. so weiß ich nicht, was da zu verheimlichen ist. Das Kind gehört seinen Eltern. Wenn diese hierherkommen und es zurückfordern, so iverde ich's ihnen nicht vorenthalten. Kommen sie aber nicht zurück, um ihr Kind zu verlangen, so tritt es nicht