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Der Israelit · 1904-06-09 · Heft 46 (9.6.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 46 (9.6.1904)
Date
1904-06-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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950 sen, die dp tmk 01122 V« —! Und umgekehrt, wie viele Menschen werden für Riesen gehalten von den Menschen und sind — Heuschrecken in den Augen Gottes!.. Was war nun das schwere Vergehen der Kundschafter und mit ihnen des des ganzen Volkes? Israel hatte einst, noch waren kaum zwei Jahre verflossen, am Ufer des Rothen Meeres gestanden. Vor ihm waren die wildtobenden Wasser, hinter ihm der racheschnaubende Feind, der stolze Pharao mit seinem gewaltigen Heere. Der sichere Untergang schien Israel gewiß, Aus dieser verzweifelten Lage hat ihm Gott auf wunderbare Weise geholfen. Verzweifelter konnte wohl die Lage der Kinder Israels nicht sein, hier an den Grenzen des heiligen Landes. Was wäre natürlicher. gewesen, als daß sie jetzt an die Worte Gottes gedacht hätten, die ihnen einst Moses in einem weit kritischeren Momente zugerufen: „Der Ewige kämpft für Euch, Ihr aber schweiget." Vergessen war Alles, ihr Gelöbniß. das üe einst vertrauensvoll am Fuße des Sinai Gott zujubelten, ja der eigenen Worte waren sie uneingedenk, die sie einst angesichts der wunderbaren Rettung am Schilfmeere begeisterungsvoll und einmüthig gesungen: noniv p'K n Und heute in unserer Zeit? Ist es anders geworden? Man glänzt nicht mit Kenntnissen der jüdischen Litteratur, der jüdischen Sprache, der Thora und Talmudgelehrsamkeit, aber man liest einen Cicero, einen Homer, einen Zola in der Ursprache. — Wie kommt uns das Alles — genau wie es damals vor Tausenden, von Jahren bei den Kundschaftern gewesen — so klein und gering vor. was wir haben, wie groß, erhaben und schätzenswerth dagegen, was wir von und bei Anderen sehen und hören. Wo ist der Stolz der Juden hingekommen, der Stolz, der in den Worten des Dankes liegt, den wir Gott täglich dafür zollen sollen, „daß Er uns erwählt unter allen Völkern und uns Seine Lehre gegeben." . Vergessen haben wir die Worte unseres großen Lehrers Moses, die er einst vor seinem Scheiden unseren Vätern zugerufen, daß wir nur groß und geachtet sind, wenn wir Gottes Lehre befolgen: tv 0211020 vpn rs O unseliger Kleinmuth. unselige Bescheidenheit, unselige- Selbstverachtung. Wie zur Zeit der Kundschafter. so sinh-es leider auch heute noch fünf Sechstel des jüdischen Volfes, die ihr Glück nicht im Judenthume finden, weil sie es nicht suchen oder nicht finden wollen. Wie damals .urtbeilt diese. Mehrheit des jüd. Volkes nach äußerem Schrine, nach äußerem Trug. Fahnenflucht ',und Taufbecken allgemein! Zu. spät erst werden sie einsehenihr.Unrechtgegen, sich selbst und, ihren -Kindern gegenüber^ ihre. Feigheit, und ihren Verrath ihren Eltern Md ssröhne^ gegenüber,, die. für eben diesen Glaubrn,Hrm.Ie jetzt (p, schnöde den,. Drücken, wenden^ ja für jeden Buchstaben der heiligen Lehre ihr Lebenließen. Zu spät erst werden sie weinen, wie es ihre Vorfahren in der Wüste thaten. aber hier wie dort wird es ein wt» bv h m sein. Josua und Kaleb, die das eine Sechstel des jüdischen Volkes repräsentiren, sie bleiben ihren Aufgaben treu, Gott sei Dank auch heutigen Tages. Ist es auch nur ein kleiner Thei! des Judenthums, so liegt doch ein großer Trost darin, daß sie nicht müde werden, zu hoffen und zu harren, bis zur Wahrheit geworden jene Worte, die einst Josua und Kaleb, jene beiden Gottesmänner in heiliger Ueberzeugung einem ganzen Volke entgegenhielten: „Es wird uns gelingen, wenn nur Gott Wohlgefallen an uns hat." Darum ist es unsere Pflicht, in jeder Hinsicht darnach zu streben in Handel und Wandel, auf Schritt und Tritt, das Wohlgefallen Gottes zu erlangen, unbeirrt um der Menschen Hohn und Spott. Thun und Lassen. Wie wir das können? Durch unermüdliches Studium der Gotteslehre, der schriftlichen und mündlichen; durch praktische Ausübung aller jener Lehren, die wir -durch dieses Studium gewinnen. Wir dürfen und können, ja müssen davon überzeugt sein, daß wenn wir treu zur Thora halten, diese auch uns hält und stützt, ebenso sicher, wie nicht auch alle anderen Menschen zu der Ueberzeugung kommen werden, daß Alles vom Willen Gottes abhängig ist und der Werth des Menschen, ja seine geistige Freiheit nur dann echt sind und wahr, wenn sich demüthig Alles dem Willen des Schöpfers unterstellt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Am Sonntag, 29. Mai, tagte hier im Sitzungssaal der.Armenkommiffion der jüdischen Gemeinde eine Ccmferenz, welche sich mit der Frage der Rückwanderer, die Deutschland passiren, beschäftigte. An der Conferenz nahmen Theil, Vertreter der Berliner jüdischen Gemeinde, ebenso Herren, welche die Gemeinden in Breslau, Köln, Königsberg, Posen, Kattowitz und Hamburg vertraten, außerdem als Delegirter des Israelitischen Unterstützungsvereins für Obdachlose in Hamburg Herr Laskar-Hamburg und Vertreter des Hilssvereins der deutschen Juden und der „All. isr. ' universelle" .' - . . ' ..1 Herr. Laskar wies auf die durch das Reskript' des " .Ministers des Innern geschaffene äußerst schwierige Lage speziell an der holländischen Grenze hm,, wo die * - preußische. Regierung den Rückwanderern den Eintritt verwehrt, falls dieselben nicht im Besitze größerer Geldmittel sind. Um dieser Schwierigkeit zubegegnen, I empfahl Herr Laskar zweierlei: 1) Eine Organisation & r

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