Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1904)
- Date
- 1904-06-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45* Jahrgang. M 46. «a KenLrak-Hrgan für das orlhodore IudenIhüE Begründet von »r. ITe&nratm in £3*itrf. Donnerstag, de« 26. Siwan 5664. 9. Inn i 1964. >ie jüdischer Aleinmuth. (Zu parschath rb&.) * Von Joseph Sänger—Frankfurt am Main. Israel steht an den Pforten des heiligen Landes, am Ziele seiner Sehnsucht, des Landes, das Gott unfern Vätern verheißen hat. Gott spricht jetzt zu Moses: Sende Kundschafter aus nach dem Lande Kanaan, aus daß sie es nach seiner Beschaffenheit. Lage und seinen Erzeugnissen durchforschen. Moses gehorcht, er wählte 12 Männer aus, je einen von jedem Stamme, es waren angesehene Männer. Was war der Erfolg jener Kundschaftsreise? Voll des Lobes über das Land selbst kamen sse nach ^tägiger Wanderschaft zurück. Ja, eigenhändig brachten sie die Beweise der wunderbaren Fruchtbarkeit des Landes. „Aber uneinnehmbar sei das Land. Riesen haben wir dort gesehen und wir — wir kamen uns gleich Heuschrecken vor ihnen gegenüber, und so mögen wir auch ihnen erschienen sein." So lautete das Urtheil von 10 der ausgesandten Männer. Rur Josua und Kaleb stimmten dem nicht bei und sie sagten: „Das Land ist sehr, sehr gut. Wohl können wir es einnehmen, wenn nur Gott Wohlgefallen an uns hat." Hier haben wir dw Probe des jüdischen Kleinmuthes, jenes Fehlers, der sich leider bis auf unsere Zeit herab fortgepflanzt und vererbt hat. Die Kundschafter sahen nicht die Frucht, die sie in Händen hatten, sie sahen nicht das, was sie ihrem Volk sind und sein können, sie sahen nur, wie und was Andere von ihnen halten und wie sie dies«! Anderen — erscheinen. So viele Proben, so viele sichtbare Beweise hat Israel in Mizrajim und in der Wüste von Gottes Größe und Allmacht gehabt; so unendlich viele Zeichen göttlicher Huld und Gnade, dennoch wagt es nicht den Kampf mit Gott, für Gott; es sieht nur die Menschen und der Menschen Urtheil allein ist ihm maßgebend. Was werden sie von uns denken, wie' stehen hoir vor ihnen da? r Ist es in Bezug auf diesen Fehler heute üüders bei uns geworden? Israel hat seine Waicherung/burch ein tausendjähriges Golus gemacht und ist > nicht Iveiser geworden! Oft stand es auf dem Gipses seines Glückes, so oft, als es Gott den Tribut des Dankes und Gehorsams zollte, und die Menschen haben stets,gerade j nur in solchen Perioden, Israel Bewunderung .und i Verehrung gezollt. Nie war Israel größer und erhabener gewesen, als unter einem David und Salomon, da es mit der Thora in der Hand friedlich unter seinem Dache wohnte. Gewiß ist es uns erlaubt, ja sogar zur Pflicht gemacht, nur so zu leben, daß wir auch Gunst finden in den Augen der Menschen, bitten wir ja täglich Gott mehreremal des Tages, uns diese Gunst der Menschen zuzuwenden mit den Worten wa rso bzzn {n xLvri c-x: 'x Aber zuerst bitten wir um die Gunst des Allmächtigen selbst, und damit ist deutlich ausgedrückt, daß wir die Gunst der Menschen nur durch solche Mittel zu erlangen suchen dürfen, die auch in den Augen Gottes gerecht und gut erscheinen. Wir dürfen nur in dem, was wir für Gott thun, unser Glück sehen, wie uns Menschen beurtheilen, das kommt erst in zweiter Reihe. Dürfen wir ja selbst den Eltern den gebotenen Gehorsam verweigern, müssen es sogar thun. wenn es sich um Dinge handelt, die im Widerspruch mit unserer heiligen Thora stehen. Wie oft iss es früher vorgekömmen, ja kommt es selbst heute noch vor, daß die besten und edelsten Männer verkannt wurden, weil ihr Thun und Treiben den Menschen nicht in allem behagt, weil sie vielleicht ihre Thalen und ihr Wohlthun nicht an die große Glocke hingen; aber, jene Männer — sie kamen sich trotzdem! nicht wie Heuschrecken vor, sie waren vielmehr die Rie»