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Der Israelit · 1904-06-06 · Heft 45 (6.6.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 45 (6.6.1904)
Date
1904-06-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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940 Frieda lehnte mit dem Gesicht gegen die Schulter : ihres Verlobten und schluchzte leise. | Die wackere Wirthin wußte noch Verschiedenes aus - den letzten Tagen des Dahingeschiedenen zu berichten, j und wenn auch im Moment die Wunde dadurch noch; heftiger schmerzte, es wirkte doch wie lindernde Balsamj tropfen. Im Laufe des Vormittags des folgenden Tages kamen die Mitglieder des sog. heiligen Vereins aus der; nächsten israelitischen Gemeinde und begannen die letzten Liebespflichten gegen den Heimgegangenen Stammesgenoffen; vollenden konnten sie diese nicht, denn Frieda betrachtete es als selbstverständlich, daß er in der Heirnath bestattet werde, in derselben Erde, die auch die sterblichen Ueberreste seiner Eltern barg. Noch am selben Tage traten die jungen Leute mit der ihnen theuren Leiche den Heimweg an. An dem Leichenbegängniß betheiligte sich die ganze israelitische Gemeinde, und zum Erstaunen Aller auch die getaufte Wittwe nlit ihren Söhnen, die Tochter jedoch lag im Hause ihrer künftigen Schwiegereltern im heftigsten Fieber. Die schlichten einfachen Leute hatte die Möglichkeit einer derartigen Verbindung ihres Sohnes mit dem jungen Mädchen, das auch ihnen längst theuer gewesen, nie in's Auge gefaßt, umso freudiger waren sie durch die Verlobung überrascht und boten alles Mögliche auf, der Verwaisten Trost und Behaglichkeit zu bieten. Ihre Mutter hatte nach ihr gefragt, eine unklare Ahnung ließ sie vermuthen, daß, falls der Verstorbene ein Testament hinterlassen haben sollte, ihre Tochter in demselben bevorzugt sein würde, und würde es ihr in diesem Falle willkommen sein, mit der Bevorzugten auf gutem Fuße zu stehen. Als sie jedoch hörte, daß sie sich im Hause des Verwalters befand, konnte sie sich nicht' entschließen, ffe dort aufzusuchen. Außer sich gerieth sie aber, als man ihr den jungen Müller als den Bräutigam ihrer Tochter bezeichnete, dem sie der Verblichene auf dem Sterbebette verlobt. Das wäre Erbschleichern, die sie zu hintertrriben wissen werde, kraft ihrer Mutterrechte werde sie die Verlobung rückgängig machen. Sie hatte auch sofort ihren Rechtsanwalt zu sich bitten lassen; dieser aber hatte bereits Kenntniß von dem vorhandenen Testament, das am folgenden Tage in Gegenwart der Betheiligten oder deren Vertreter geöffnet werden sollte. Er rieth, jedenfalls bis dahin zu warten. Der folgende Tag jedoch sollte der habgierigen Frau eine arge Enttäuschung bringen. Beklagen konnte sie sich freilich nicht, sie war für ihr ganzens Leben versorgt, allerdings nur mit dem Jahresbetrag, den sie seit ihrer Trennung von ihrem Manne bezogen hatte. Aber wer würde nun alle die Extraausgaben bezahlen? Ihre Söhne waren mit noch weit geringeren Beträgen bedacht, von denen sie freilich leben konnten, doch ohne jede Extravaganz. Die Tochter war Universalerbin des ganzen großen Vermögens, und Professor Doktor Keßler in Z . .. war als ihr Vormund bestimmt, während als Vormund der Söhne ein anderer christlicher Freund des Verstorbenen ernannt war. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Kslenöer. Freitag» 10. Juni. 27. Siwan. Sabbat-Anfang in Mainz n. Frankfurt a. M. 7 Uhr 50 Min. Samstag, 11. Juni. 28. Juli.'' *n pio .iV.nao nbv. Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 30 Mn. — Berlin 9 Ubr 28 Min. — München 9 Uhr 04 Min. — Stuttgart 9 Ubr 19 Min. — Straßburg 9 Uhr 25 Min. — Posen 9 Uhr 17 Min. - Stettin 9 Uhr 34 Min. - Breslau 8 Uhr 58 Min. — Nürnberg 9 Uhr 15 Min. — Wien 8 Uhr 51 Min. — Paris 9 Uhr 05 Mn. — Prag 9 Uhr 05 Min. Sonntag. 12. Juni. 29. Siwan. pp 3“\ Montag» 13. Juni. 30. Siwan. n"n n oi\ Dienstag, 14. Juni. 1. Thamus. if'-n ‘a or*. Der .Israelit" erscheint vdehentllch zweimal, Elontngs and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch S. Zr. S l einackrr, Leipzig, Notzplaß J6. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Nonparcillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen ästerr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine AuSgab» deS Jöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. 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Otrthi'chen vofbuchdruckeret Actien-Gesellschaft ln Mains. Hierzu zwei Beilagen.

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