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Der Israelit · 1904-06-06 · Heft 45 (6.6.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 45 (6.6.1904)
Date
1904-06-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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936 der Schonhauses Allee einer um die Halste des früheren Bestandes erhöhten Zahl von Zöglingen Raum. Indessen haben die Einnahmen der lediglich auf. ihre eigenen Mittel und Zuwendungen ihrer Gönner angewiesenen Anstalten nur eben ausgcreicht, um den gegenwärtigen Zöglingsbestand von 34 Knaben und 30 Mädchen, den gleichen wie im Vorjahre, zu unterhalten und eine immer noch in Höhe von etwa 127,000 Mark vorhandene Bauschuld zu verzinsen. Die Verpflegung erforderte 18,988 Mark, d. h. 51 Pfennig für den Kopf und Tag, IV. Pfennig mehr, als im Vorjabre, die Bekleidung 84 Mark für jeden Zögling, die gesammtcn Bedürfnisse, einschließlich Gottesdienst, Bureau, Renten u. s. w. 76,414 Mark. Hiervon sind durch Zinsen des Anstaltsvermögens und sonstige bestimmte Einnahmen nur etwa 57,700 Mark gedeckt. Die Zöglinge genießen den Unterricht großentheils in höheren Schulen. Besonders begabte Knaben bleiben bis zur Abgangsprüfung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit im Hause. Im Ganzen haben in den Anstalten bisher 579 Waisen eine über das Maß der nothdürftigen Fürsorge hinausgehende Pflege, Erziehung und Ausbildung gefunden. Der weit reichenden Fürsorge für die entlassenen Zöglinge, die es fast durchweg zu achtbarer Stellung,, zum Theil sogar zu Ansehen und Wohlstand gebracht haben, dient eine größere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben. Hamburg. Der „Israelitische Unterstützungs- Verein für Obdachlose" stand schon seit längerer Zeit mit der Hamburg-Amerika-Linie darüber in Verhandlungen, ob sich nicht eine koschere Verpflegung der jüdischen Auswanderer ermöglichen läßt. Es ist nun gelungen, die nöthigen Einrichtungen, in Gemäßheit der von dem Oberrabbiner Hirsch gestellten Anforderungen zu treffen: Auf allen nach Nordamerika fahrenden Schiffen der Gesellschaft sind nunmehr Küchen mit besonderem Zubehör geschaffen. Welche Wohlthat diese Neueinrichtung für unsere Glaubensgenossen bedeutet, braucht nicht gesagt zu werden. Dem wackeren Israelitischen Unterstützungsverein gebührt Dank und Anerkennung für seine überaus verdienstvollen Bemühungen. Sora«. In einer der jüngsten Stadtverordneten- Sitzünaen stand u. a. auch eine Magistratsvorlage zur Berathung betr. Einführung des Schächtverboies auf dem städtischen Schlachtbof zur Berathung. da auf Grund eines Gutachtens des Schlachthofdirektors „das Schächten des Viehes als eine den Gesehen der Humanität direkt widersprechende Schlachtmethode zu erachten und zu verwerfen sei." In einer Eingabe bat aber .gleichzeitig die hiesige Synagogengemem'oe. von einem Verbot abzusehen, da dadurch religiöse Vorschriften verletzt und die Einnahmen der Schlachthoflasse vermindert bezw. mehrere Fleischermeister geschädigt wurden. — Die Stadtverordnetenversammlung hielt es denn auch siir ein Gebot der Gerechtigkeit, zunächst noch diejenigen in dieser Angelegenheit zu hören, die am meisten von dem Verbot betroffen werden würden. Deshalb wurde beschlossen, die Vorlage an den Magistrat mit dem Anheimgeben zurückgehen zu lassen, txn Vorstand der Synagogengemeinde zunächst protokollarisch zu vernehmen. Hanau, 30. Mai. 'Q w *a\ [an nbsn bsntr. „Und wie sich die Wolke erhob, da brachen die Söhne Israels auf," so berichtet uns der dieswöchentliche Wochenabschnitt. Eine Wolkensäule war es. die das in der Wüste wandernde Volk jene Bahn zeigte, welche es in das gelobte Land führte. Die Wolke gab stets das Zeichen zum Aufbrechen und Wegziehen. — Auch in unsere Gemeinde zog eine düstere Wolke ein. welche den unverhofften Heimgang einer unserer theuren Mitschwestern verkündete und sie in das Reich der Ewigkeit führte. Wahrlich, ein schwerer Schlag und unersetzlicher Verlust hat uns getroffen, von dem ich heute berichte. . Frau Jeanette Schwab, geborene Hachenburger, Wittwe des vor 23 Jahren dahier verlebten hochangesehenen Mitbürgers Herrn Alexander Schwab s. A.. weilt nicht mehr in unserer Mitte. Am 26. Mai hauchte sie nach nur dreitägigem Krankenlager ihre reine Seele aus und beendete ihr thatenreiches und vielbeweates Leben. Einer angesehenen Familie aus Darmstavt entstammend, stand sie ihrem seligen Gatten als wahre Gehülfin zur Seite, und nach dessen Ableben nahm sie das Szepter in die Hand, leitete es nach dem Muster jener Biederfrau nem, welch« der weise König so herrlich besungen hat. Die Heimgegangene hat es verstanden, durch Arbeit und Fleiß aus kleinen Verhältnissen sich emporzuschwingen und bethätigte das Psalmwort: Saan n -pea w -w. „Genießest du deiner Hände Arbeit, dann ist dir Glück und Heil beschicken." Die Kinder erzog sie zu güten und tüchtigen Menschen. Die Entschlafene gehörte zu den eifrigsten Mitgliedern jener man, welche sich zur Aufgabe machten, rvrr bv oncn nfoa, wahre Licbeswerke zu üben und war stets auf ihrem Posten. Selten versäumte sie einen Gottesdienst; die rrn» erfüllte die Verblichene bei jeder dargebotenen Gelegenheit. Die am Sonntag stattgefundene Beerdigung zeigte durch die außergewöhnliche Betheiligung Leidtragender aus Nah und Fern die große Beliebtheit und Verehrung, welche die Verstorbene sich bei Lebzeiten erfreute. Am Grabe widmete Herr Dr. Bamberger unter Zugrundelegung des Schriftwortes: mxan irws »an nput “pro naar einen warmen, zu Herzen gehenden Nachruf und in Anlehnung auf die vorwöchentliche rmn schilderte Redner die guten Eigenschaften ihres

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