Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 44 (1.6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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923 gutem Gewissen diese Zusammenstellung, wenn auch nur summarisch, zur Grundlage der Erörteruna machen darf. Von der Erlösung Israels, von nvon jwrr, im Zusammenhänge mit der zionistischen Bewegung zu sprechen, halte ich im besten Falle für kindlich naiv. Die Zionistenführer waren viel zu ehrlich, als daß sie dieses Ideal, diesen Glaube Israels für die Zwecke des Zionismus mitzbraucht hatten. Orthodoxe Schwärmer, die sich zur Sache legitimiren wollten, haben diese Beziehung förmlich bei den Haaren herbeigezogen. Die leitenden Männer des Zionismus haben nicht einmal Anlaß zu einer solchen Täuschung gegeben. Im Gegentheib. Sie belächelten stets die Naivität der Schmeichler, die sich bemühten, den Zionismus mit messianischen Verheißungen in Zusammenhang zu bringen, ihn als rfcixn xnbnnt zu feiern. In der Eröffnungsrede des ersten Kongresses, sagte der Präsident unter Anderem: „2Bir wollen gleich unseren Vorfahren von Babel (die auf Grund diplomatischer Unterhandlungen mit dem Perserkönige Cyrus in das Land der Väter zurückkehren?, den Eselreiter, den Messias, nicht mehr erwarten un.o wollen ebenfalls auf Grund eines internationalen Traktates nach Erez Israel zurückkehren. Unsere Frommen, welche noch immer den eselreitenden König erwarten, mögen auch fernerhin im Golus bleiben und auf seine Ankunft warten. . . ." Daß aber der offizielle Zionismus mit rroro px nicht ibeniifijirt werden kann, daß er überhaupt nicht nach dem Maßstabe der Thora und der Religion Israels beurtheilt werden will, hat N o r d a u gleich zu Beginn der Bewegung in einer programmatischen Erklärung, in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise dargethan. In dieser Erklärung heißt es klipp und klar: «Wenn die Juden vom Wunsche entflammt sind, ein neues Zionsreich aufzurichten, so schöpfen sie die Anregung dazu weder aus der Thora, noch aus der Mischnah. sondern aus der Noth der Zeit, aus ihren unmittelbaren, lebendigen Gefühlen, aus ihrem Entschluß, die ihnen in Mtten der Völker bereitete Lage nicht länger zu ertragen. Der Name Zion.hat sich nicht aus religiösen, sondern aus geschichtlichen Gründen aufgedrängt. Er erzeugt das. zionistische Verlangen nicht, er rechtfertigt es nicht, er weist ihm nur eine bestimmte Richtung, er fügt ihm durch die Erinnerung, die er erweckt, eine mächtig dynamogene Emotion hinzu. Dies ist immer noch eine sehr große Rolle; «eine religiöse Rolle ist es nicht*. Die sentimentalen. die frommen, die diplomatisch Klugen wollen, daß der geographische Rahmen des Judenstaates Palästina sei; aber das wesentliche Postulat ist Palästina nicht; sollte die Erwerbung Palästinas für die Juden sich als durchaus unmöglich erweisen, sollte es viel leichter sein, ein anderes Land von genügender Ausdehnung und geeigneter Beschaffenheit des Bodens und Klimazu finden, so würden wohl die meisten, vielleicht alle Zionisten ohne Zögern bereit sein, dieses andere Land zu besiedeln. Der Zionsgedanke wirkt als Vorspann. als Zugkraft von vorne; er färbt das Ziel mit dem schönen Blau des Ideals; er Hilst den gläubigen Juden über das Bangen von einer unsicheren Zukunft hinweg. Aber auch ohne dieses Element von Ideal, das der Zionsgedanke der jüdisch-nationalistischen Bewegung hinzufügt, würde die bloße vis a tergo genügen, um diese hervorzurufen. Schriftgelehrte, die viel freie Zeit haben, mögen sich in den behaglichen ' Verdauungsstunden der Sabbatnachmittage damit vergnügen, einander kluggewählte Bibel- und Talmudstellen für und gegen den Zionismus entgegenzuhalten. Liebhaber finden solchen Pilpul kurzweilig. Irgend einen sachlichen Werth kann ich ihm nicht beimessen.* Das ist doch eine offenherzige, deutliche Aussprache! Auch Dr. Herzl, dessen Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ich die größte Hochachtung zolle, hat un». zählige Mal seinen Standpunkt. präcisirt, daß deroffizielle Zionismus keine religiöse. Bewegung sei. In. seinem ersten Programme schrieb er: «Wir hängen mit : unserem Gemüth am Alten, das ist wahr, wir liehen., die schöne' kampf- und leidensvolle Vergangenheit unseres Volkes; aber wir wollen doch nicht in irgend eine Enge des Geistes zurück. Es ist nur die Aufgabe der Dichtung und Geschichtsschreibung, uns von den einstigen Zuständen zu berichten.* -r-' Beide Zionistenführer sind ihren programmatischen Erklärungen treu geblieben. Die Genehmigung des^ Ostafrika-Projektes war nur eine selbstverständliches Konsequenz des offiziellen Zionismus. Der Papaer Oberrabbiner hingegen ist in dem kurzen Zeiträume seiner zionistischen Wirksamkeit mit sich selbst in Widerspruch gerathen. Aus Liebe zum Lande, der Väter ist er nach sechs Jahren in die Dienste des Zionismus getreten und hat sich mit besonderer Begeisterung der Misrachi-Gruppe angeschlossen. Als Delegirter hat er auch an dem VI. Kongresse Theil genommen. Und nachdem er mitsammt der orthodoxen Misrachigruppe in der O st a f r i k a f r a g e auf Seiten der Zjonistenfübrer Herzl und Nordau gestanden und filjr Uganda gestimmt hatte, eilt er nach Hause und schreibt eine Agitationsschrift, in welcher mit wahrer Selbstverleugnung mit dn-mn pa noto . für den offiziellen Zionismus operirt wirk Israel ist aber doch ein D ö l k! Diese Sentenz offenbart uns der Herr Oberrabbiner Roth mit sichtlicher Wohllust. Mit Berufung auf den ' Vibelsatz esb ’h D3dk »mpfc vergnügt sich der Verfasser diese These zum'Mittelpunkt ferner Belehrung zu machen, um daraus den Schluß, zu ziehen, haß «die Erhaltung Y