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Der Israelit · 1904-06-01 · Heft 44 (1.6.1904) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 44 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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924 des Judenthums, des jüdischen Geistes, von dem im jüdischen Volke lebenden Nationalbewußtsein i n erster Linie abhängig ist." Wiederum offene Thüren eingerännt; wiederum Sand für die Augen eines naiven Lesers. Sind die orthodoxen Juden und deren Rabbiner wirklich schon so heruntergekommen, daß der Papacr Rabbiner sie erst daran erinnern muß, was in den täglichen Gebeten in verschiedenen Formen unzählige Mal wiederholt wird: pxa nnrr ns buiL" -pw vi nnx -jcen nnx rum. „Du Gotl, bist einzig, Dein Name ist einzig, und wer ist wie Dein Volk Israel, ein Volk, einzig auf Erden?" Nicht daß Israel auch ein Volk ist, Israel ist d a s Volk und auch in volksthümlicher Beziehung nur sich selber vergleichbar. Jedenfalls hat aber Herr Rabbiner Roth entschieden recht, das; Israel ein V o l k ist. Ich gehe aber weiter. Israel ist auch eine Nation, sogar auch eine politische Nation und auch nach der Zerstörung Jerusalems eine politische Nation geblieben. Das heißt, die israelitische Nation war von jeher auch mit allen Politischen Attributen ausgestattet.und hat die nationalen Qualitäten auch in der Zerstreuung nicht eingebüßt. Mit einem Worte: Israel hot niemals aufgkhört ein nationales Volk zu sein. Nur ist das Nationale Israels nicht mit dem Nationale anderer Völker zu vergleichen. Das Kriterium einer Nation bilden in der Regel die gemeinsamen Interessen, die Rechte und Freiheiten, die der Staatszweck sichert; der gemeinsame Besitz von Land und Boden und deren Genuß in der weitesten Bedeutung bilden den Höhepunkt des Nätionalstrebens anderer Völker. Nicht so Israel. Auch sein früheres selbstständiges Staatenleben war nicht Wesen und Zweck seiner Volksthümlichkeit, sondern Mittel zur Lösung eines höheren Berufs. Das Kriterium der jüdischen Nation ist die Thora, das göttliche Gesetz „für welches Israel Freiheit und Selbstständigkeit. Land und Boden. Aecker und Felder erhalten, das allein e r st seiner Freiheit und Selbstständigkeit, seinem Land und Boden, seinen Aeckern und Feldern Werth und Bedeutung verleihet, „ohne welches alle Nationalgüter" werthlos und bedeutungslos werden, ja das ganz eigentlich Bedingung und Boden seiner Nationalität bildet, dassomit in Wahrheit „sein einziger Nationalboden und sein einziges Nationalgut ist und bleibt". Das Land, das Ihr besitzet, die Aecker, die Euch blühen, die Früchte, die Euch reifen, sind Eure Güter nicht, sind nicht die Träger und nicht die- Zwecke Eurer Nationalität, Eures Volks¬ und Einzellebens und Strebens, „für die Thora wardEuch diesesAlles, für dieThoro habt Jhr's. ohne die Thora verliert Ihr* s, und dieses ganze Land mit all seinem Ueberfluß an Milch und Honig, und das ganze, freie, reiche Volksleben, das in ihm aufblühet, ist nur Mittel, hat nur den einen Zweck, nur die e i n e Bestimmung, mit dieser Freiheit und Fülle ein Gesammt- und Einzellcben zu entfalten, wie es Euer Gott und Herr Euch in Seiner Thora gezeichnet." Fünfzig Jahre sind es her. seitdem ein großer Zionist, gerade derjenige, auf den sich der Papaer Rabbiner beruft, ausgetreten ist, um di: V o l k s - thümlichkeit Israels zu beweisen. Vor fünfzig Jahren hat der unsterbliche Rabbiner Hirsch s. A. diese Wahrheit niedergeschrieben. Damals lag ,der moderne oder politische Zionismus noch nicht einmal in den Windeln. Nun nach fünfzig Jahren gewinnt diese Offenbarung erhöhte Bedeutung. Als hätte der große Seher aus uns geschaut, als hätte er unsere zeitgenössischen genialen Zionistenfiihrer zur Besinnung rufen wollen, indem er sich zur Höhe hellsehender Prophetie erhoben und mit der höchsten Klarheit des Gedankens diese ewigen Wahrheiten niedergeschrieben, so klassisch in der Darstellung, wie reich an Inhalt. . (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und. Correspondenzcn. Deutschland. Gotha. Anläßlich der Einweihung ver neuen Synagoge Hierselbst hat der Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg dem Vorsteher der Svnagogen-Gemeinde in Gotha. Kommerzienrath Goldschmidt in Erwiderung auf ein Huldigungstelegramm der jüdilchm Gemeinde folgendes Danktelegramm geschickt: „Ich freue mich mit Ihrer Kultusgemeinde der - Vollendung Ihres Gotteshauses und danke bestens für den freundlichen mir übersandten Gruß. Erbprinz Hohen lobe." Bei dem Einweihungsakt stattete Herr Staatsminister Heutig seinen Dank für die Einladung mit folgenden Worten ab: „Im Namen Seiner Durchlaucht des Regenten und der Herzoglichen Staatsregierung danke ich zusörderst für die freundliche Einladung zur heutigen Feier. Jede neue Stätte, die dem Gottesdienst errichtet wird, ill ein ragendes Zeichen für die Unvergänglichkeit des religiösen Sinnes in der menschlichen Natur, ein Denkmal des fortlebenden Idealismus, der nicht aufhört, nach dem Höchsten zu suchen und den irdischen Menschen im tiefsten und innersten Zusammenhang mit dem Ewigen zu denken. Solcher Sinn kann nur im Frieden der Religionsgemeinschaften untereinander gehütet und gepflegt werden.

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