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Der Israelit · 1904-06-01 · Heft 44 (1.6.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 44 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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914 Zahlung einer Abstandssumme abfand, obwohl ihr die Zahlung schwer wurde. Der Fall ist deßhalb von allgemeinem Znteresse. weil er sich durch falsch angebrachte Nachsicht peinlich zugespitzt hat. Wir rathen dringend, solche Beamten, die sich namentlich durch unmoralisches Verhalten ibres Amtes unwürdig gezeigt haben, sofort zu entlassen. So bedauerlich auch das Schicksal der durch die Entlassung mitbetroffenen Familie sein mag, so darf es doch nicht über der Würde der Gemeinde stehen, welche die Entfernung des unwürdigen Beamten zur Pflicht macht. Mit dem „D.-J. G.-V." haben wir in regem Verkehr gestanden. Wir haben uns u. a. zur Frage der Wanderschächter abrathend geäußert und die Frage der Einrichtung von Bezirksrabbinaten, die auf unserem letzten Gemeindetage einer Kommission überwiesen wurde, als für uns noch nicht spruchreif bezeichnet. Wir haben zunächst den westpreuß. Rabbinerverband ersucht. sich gutachtlich über den Begriff des Bezirksrabbinats. seine Rechte und Pflichten und seine Organisation zu äußern. Nach Eingang des Gutachtens werden wir «nfere Berbandsgemeinden, in denen Rabbiner amtiren, befragen, ob und in welchem Umfange sie das Aintiren ihres Rabbiners in auswärtigen Gemeinden zuzulasscn gedenken, und werden im Anschluß daran die anderen Berbandsgemeinden befragen, ob und wie weit sie sich einem Bezirksrabbiner in religiösen Dingen unterordnen wollen. Wir halten die Klärung dieser Fragen für erforderlich, bevor wir uns über die Einrichtung von Be.zirksrabbinaten äußern können, die uns als staatlich anerkannte Organisation nicht nur wünschenswerth. sondern sogar nothwendig erscheinen, gegen deren Begründung auf Grund freier Vereinigung wir aber schwerwiegende Bedenken haben. Wir glauben auch, daß ein wesentlicher Theil der Aufgaben der Bezirksrabbinate bereits durch unseren Verband erfüllt wird. Unserer Inspektion unterstanden, wie im Vorjahre, 47 Schulen, außer den Schulen an denjenigen 12 Orten, an denen Rabbiner amtiren. Die Inspektionen wurden'wieder von den Herren Rabbinern und zwar in 31 Fällen besorgt. Den Herren Inspizienten wurden, wie im Vorjahre, Prämien für Schüler zur Verfügung gestellt, bie sich durch gute Führung und Leistungen hervorgethan hatten. Die Ergebnisse der vorgenommenen 31 Schulprüfungen waren in 15 Fallen vorzügliche oder gute, in 10 genügende, in 6 wenig oder gar nicht genügend. Der Unterrichtsstoff erstreckte sich auf Religionslehre, biblische Geschichte. Kenntniß des Gebetbuches und der Bibel in der Ursprache, in einigen Schulen und in .denen aller Rabbinatssitze auch auf jüdische Religionsgeschichte. Leider haben auch diesmal wieder, wie alljährlich. 7 Gemeinden die ihnen angebotene Inspektion abgelehnt. In 5 Gemeinden konnte sie wegen Beamtenvakanzen oder Krankheiten nicht abgehalten werden; in 4 Gemeinden fiel sie von Seiten des Inspizienten aus. Wir haben 10 Genwinden (gegen 14 im Vorjahre) zu den Kosten des Religionsunterrichts mit 2112.50 Mark (gegen Mt. 2282.50) subventionirt. Unsere Bemühungen, diejenigen Gemeinden, welche noch keinen seminaristisch gebildeten Lehrer angestellt haben, zur Anstellung solcher zu veranlassen, hatte in einem Falle Erfolg. Aus dem Kassenbericht ist ersichtlich, daß wir wie der unseren' kleinen Kapitalfonds zur Balanzirung des Etats 700 Mk. entnehmen müssen. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß neue Mitglieder und namhafte Zuwendungen von Wohlthätern uns für die Folge der finanziellen Sorgen überheben und in die Lage bringen werden, unsere Aufgaben in noch größerem Umfange zu erfüllen und allen an uns herantretenden berechtigten Anforderungen zu genügen. Der Ausschuß bestehtz aus den Herren: Rechtsanwalt Be h ne n d t - Danzig, Vorsitzender; Rabbiner Dr. Freudenthal - Danzig, stellvertretender Vorsitzender; Martin Kadrsch - Danzig, Schatzmeister; A. Eisen- Danzig: Stadtrath Löwen st ein- Elbing; Stadtrath V e l g a r d - Graudenz; D. Wolff-Thorn; Rabbiner Dr. Rosenberg- Thorn; Ari Goldfarb - Pr. Stargard; Lewin - neck - Neustadt; Max Neu mann - Lautenburg; Sternberg - Culmsee. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Tieftrauernde Verwandte und schmerzlich bewegte Freunde gaben vorvergaugenen Mittwoch Frau M. R o t h s ch i l d geb. Mayer das letzte Geleit zur ewigen Ruhe. Von schwerem Krankenlager hat der Tod die standhafte Frau erlöst, deren tiefstes Wesen unerschütterliche Frömmigkeit ausmachte. In beredten Wortep schilderte Herr Rabb. Dr. B o n d i aus Mainz am Grabe die Größe ihres Gottvertrauens, das sie in glücklichen Tagen bewahrte und in leidvollen Jahren bewährte. S i e hatte einst ihren seligen Gatten veranlaßt, von dem Heimathsorte nach Frankfurt a. M. zu ziehen, weil sie hier die Gewißheit hatte, ihren Kindern die ersehnte echtjüdische Erziehung angedeihen lassen zu können. Und als sie vor wenigen Jahren das furchtbare Geschick erfahren mußte, ihre einzige, geliebte Tochter. Frau Cary Bondi, in blühenden Jahren zu verlieren, da schöpfte sie die Seelenkraft des Ertragens aus der Hingebung an den Gotteswillen;, und ihren heiligen Schmerz mit ihren heiligsten religiösen Gefühlen vereinend, ließ sie zu dauerndem Gedenken an die

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