Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 44 (1.6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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909 Uhlmann-Gemünd. Stand des Vereins: 60 Mitglieder. Nach Abwicklung der offiziellen Tagesordnung empfahl Spatz noch Dr. Löwcnsteins jüd. Geschichte. Oesterreich. Wien, 30. Mai. Der gestrige Kreisturntag des 15. Turnlreises (Deutsch-Oesterreich) hat den Antrag auf den Austritt aus der deutschen Turnerschaft abgelehnt. Es stimmten zwar für den Austritt 75, gegen den Austritt 68 Vertreter, zur Gültigkeit des Austrittsbeschlnsses wäre jedoch die Zweidrittelmehrheit erforderlich. Es wurde aber entschieden Verwahrung eingelegt gegen den Beschluß des Deutschen Turntags in Berlin, die Bildung eines neuen deutsch-österreichischen Turnkreises 161» doch zu genehmigen, dessen Satzungen den Arierparagraphen nicht enthalten. Dieser Beschluß müsse wieder aufgehoben werden. Wien. Nach Schluß einer dieser Tage stattgefundenen öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes, erschien unter Führung des Inspektors Prof. Dr. K.a n i tz eine Deputation der jüdischen Religionslehrer für Volks- und Bürgerschulen, dieser Stiefkinder der Gemeinde, beim Präsidium der Knltusgeineinde. um dasselbe zu seiner Wahl zu beglückwünschen. In seiner wegen ihres entschiedenen Tones sehr beachtenswertsten Ansprache sagte Inspektor Kanitz nach der formellen Begrüßung des Präsidenten ungefähr Folgendes: Die hebräische Sprache zeichnet sich hauvtsächlich dadurch aus, daß sie trotz der Kürze des Ausdrucks, die Begriffe am präzisesten wiedergibt. Die hebräische Sprache wirkt veredelnd auf Geist und Gemüth. Nun macht sich in der Kultusgemeindc eine Bewegung geltend, welche die Eliminirung der hebräischen Svrache aus dem Religionsunterrichte bezweckt. Wir vrotcstiren mit aller Entschiedenheit gegen ein solches Vorhaben! Inspektor Kanitz wies dann auf die traurige Lage der Religionslehrer. welchen die „Zukunft des Judenthums" anvertraut ist. und bat um Berücksichtigung ihrer gerechten Wünsche. Präsident Dr. Alfred Stern bemerkte in seiner Erwiderung, daß er sich an die Spitze der Protestirenden stelle, und nicht zugeben iverde. daß die hebräische Sprache als Unterrichtsstoff eine Schmälerung erleide. Die Wünsche der Religionslehrer sollen, soweit es die Finanzen der Kultusgemeinde gestatten, Berücksichtigung finden. Nachdem Inspektor Kanitz an den zweiten Vizepräsidenten kais. Rath Hirsch, als den» „Finanz minister" der Gemeinde, einige Worte richtete, und dieser erwiderte, daß die Religionslehrer selbst dazu beitragen können, daß die Ersparnisse, welche die Kultusgemeinde machen müsse. t*eii Lehrern selbst?.nfließen, wurde die Deputation entlassen. Rußland. PeterSburq. (Die Unterdrückung des ,Wosch o d".) Durch einen Ukas vom 6. Mai hat Herr v. Plehwe der in Petersburg in russischer Sprache erscheinenden jüdischen Wochenschrift „Woschod* die dritte Verwarnung erlheilt und gleichzeitig das Erscheinen des Blattes für die Dauer von sechs Monaten inhibirt. Dem „Woschod" ist eine solche Unterdrückung in seiner dornenvollen Laufbahn schon oft vorgekommen. Er hat die Krisis jedoch immer noch überflanden und begann sein Erscheinen regelmäßig mit einer größeren Leserschaar. Wir wollen Holsen, daß auch dieses Mal dasselbe der Fall sein wird. Die Leser des „Woschod" rekrutirten sich zum wesentlichen Theile aus den Kreisen von Besitz und Bildung. Das Blatt wußte auch sich mit den kleinen und großen Petersburger Machthabern Jahrzehnte lang ziemlich gut zu stellen, bis Herr v. Plehwe und mit ihm der Kischinewer Krawall kam. Die vom „Woschod" geführte Sprache wurde seitdem so kühn, daß er in einem einzigen Jahre drei Verwarnungen erhielt. Herr v. Plehwe führt in seinem Erlasse nicht weniger als sechs Artikel auf, die seinen Zorn erregt haben. Am meisten erbost war er über den leßten Leitartikel des „Woschod", in welchem das Blatt sich erdreistet hat. von den Behörden zu fordern, daß sie fortan die Juden nicht länger als Parasiten, die ausgerottet werden müssen, sondern als Bürger des Staates ansehen sollen, deren traurige Lage verbessert werden sollte. Eine solche Dreistigkeit des ..Judenblattes" mußte natürlich schwer geahndet werden. Dennoch dürfte Herr v. Plehwe sein brutaler Eingriff kaum viel nützen. Der „Woschod" erschien nämlich in zwei Ausgaben, der Wochenschrift und den Monatsheften. Die Redaktion hatte schon vorher, in weiser Voraussicht des Kommenden, zwei getrennte Konzessionen sich ertheilen lassen, so daß die Monatshefte auch jetzt noch ungehindert erscheinen können und. da sie wesentlich erweitert wurden, den Hauptinhalt der Wochenschrift aufnehmen werden. So bringt also der Gewaltakt der llnterdrückung dem Minister keinen Vortheil. Die Juden sind endlich zur Erkenntniß gelangt. wo sie ihren eigentlichen Feind zu suchen haben. Sie werden diese Erkenntniß beibehalten, selbst wLnn es ihnen der ..Woschod" nicht mehr so deutlich, wie bisher, saaen kann. . Homet. (Bericht des H i l f s c o m i t6 8.) Dem seit vielen Jahren dahier wirkenden kleinen Vereine zur Unterstützung armer Juden ist im Jahre 1903 plötzlich eine schwere, aber überaus ehrenvolle Aufgabe zugesallen. Der gute Freund der Homeler Juden, der berüchtigte Gouverneur Klingbera. Kat sich nach dem Homeler Krawalle geweigert, ein Eomrtci zur Unterstützung der durch den Krawall geschädigten Juden zu bestätigen und so blieb dem Verein nichts anderes übrig, als die gesammte Hilfsaction. selber zu übernehmen. Ein von ihm erlassener Aufruf hat ersreulirbe Resultate gebracht. Deutschland spendete 72.280 Mk., darunter allein der Hilfsverein deutscher