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Der Israelit · 1904-06-01 · Heft 44 (1.6.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 44 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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908 ligisnsschule jährlich zwei Religionsprüfungen zu bestehen hat. eine vor dem Distriktsschulinspektor, d. i. einem protestantischen oder katholischen Geistlichen, eine vor dem zuständigen Distriktsrabbiner. Man hat ja wohl mehrfach diesem Zustande das Wort in Rabbinerwie Lehrerkreisen geredet, da die Prüfung des andersgläubigen, geistlichen Inspektors das Märchen von der jüdischen Geheimlehre unmöglich mache. Jedenfalls darf man gespannt sein, wie die Dinge sich in dieser Angelegenheit weiter entwickeln. B. I. München. <Der Krieg und die Witzblätter.) Unter vorstehender Ueberschrift bringen die „Münchener Neuesten Nachrichten* in ihrer Nr. 223 dss. .Js. eine Korrespondenz, datirt Berlin. 9. Mai. welche darüber Klage führt, daß deutsche Witzblätter ihren Spott an den russischen Niederlagen auslassen, die russischen Truppen in Wort und Bild verunglimpfen und so nicht nur einen Defekt an wahrer Herzensbildung bekunden, sondern auch politisch unklug handeln, indem sie durch ihr schadenfrohes Gebühren sowohl das russische Bolk als den Zaren gegen Deutschland erbittern. Es wird besonders darauf hingewiesen. wie Deutschland noch heute unter den Nachwirkungen jenes litterarischen Feldzuges'zu leiden habe, den manche Blätter während des südafrikanischen Krieges gegen die Engländer geführt haben. Wir gestehen offen, keine Freunde der Nüssen zu sein. Dennoch müssen wir obigen Ausführungen völlig beipflichten. Ja, selbst wenn die Russen unsere persönlichen schlimmsten Feinde wären, könnte es uns nie einfallen, Spott, Hohn oder Schadenfreude zu empfinden ob ihres Mißgeschickes, denn unsere Schrift gebietet nrrVn ba I2nrr fco» (freue dich des Falles deines Feindes nicht, der Herr würde es sehen und es wäre mißfällig in seinen Augen). Außerdem kämpfen ja auch in den russischen Reihen recht viele unserer Gkaubensbrüder, jedenfalls bedeutend mehr, als auf Seiten der Japaner. Eben deßhalb mögen einige Sätze jenes Artikels der „M. N. N.. die leicht zu irrthümlicher Auffassung Anlaß geben könnten, hier kurz kommentirt werden. Es heißt dort u. a.: „Es ist in unseren Augen kaum ein mildernder Umstand, daß in Deutschland die politische Satire zumeist von recht unpolitischen Leuten gehandhabt wird, auch daß diese Leute vielfach durch die Bedrückung ihrer Glaubensgenossen in Rußland beeinflußt sind, ist keine genügende Entschuldigung, wenn ihre Blatter nun in Wort und Bild die russischen Offiziere und Soldaten auf's gröblichste verunglimpfen.* Etwas verblümt wird also hier der Vorwurf erhoben, daß es jüdischer Einfluß sei. welcher die beregte Schädigung deutscher Ehre und Interessen bewirke. Dem gegenüber sei wiederholt betont, daß es uns Israeliten, wenn wir auch in allen geschichtlichen Ereignissen das Walten göttlicher Vorsehung und Gerechtigkeit erkennen, absolut fern liegt, Spott und Hohn und Schadenfreude als recht und berechtigt anzusehen. Vielleicht dürfte die Thatsache, die ja ebenfalls durch alle Zeitungen geht, daß in einer Synagoge der heil. Stadt Jerusalem ein Bittgottesdienst für den Sieg der russischen Waffen abgehalten wurde, deutlicher sprechen, als Worte es vermöchten. Ein Blatt wird nicht durch jüdische Redakteure oder Mitarbeiter, sondern durch leine ausgesprochene jüdische — nur jüdische Tendenz zum jüdischen Blatte. Die jüdische Tendenz aber ist in der jüdischen Lehre begründet, welche gebietet, sich nie des Feindes Fall zu freuen. Ben Jakob. Stuttgart, 24. Mai. Die Versammlung des Vereins isr. Lehrer und Vorsänger Württembergs, welche heute im Hotel Westheimer hier.stattfand, war ziemlich gut von den Vereinsmitgliedern besucht. Der Vorsitzende, Lebrer Schmal- Ludwigsburg, gedachte in seiner Eröffnungs-Ansprache des im laufenden Dereinsjahre verstorbenen Vereinsmitgliedes Rothschild, Lehrers a. D.. gewesenen Sekretärs der k. Oberkirchenbehörde, sowie des ebenfalls verstorbenen Gönners unseres Vereins E. E. Pfeifer, Geh. Hofraths in Stuttgart. Sodann referirte Hühnlein - Hall über die Schlußredaktiou der Vereinssatzungen (vorgenommen vom Referenten und Koll. Spatz) und deren Eintragung in's Vereinsregister. Preßburger - Creglingen referirte über eine Eingabe an das K. Ministerium des Kirchen- und Schulwesens, betr. Neuerrichtung weiterer isr. Volksschulen, vollständige Gleichstellung ' der Vorsänger (Religionslehrer) mit den Volksickulllehrern. (hinsichtlich Gehalts. Pension, Re«, liktenversorgung sind sie schon längst gleichgestellt, fehlt nur noch Aenderung des Anstellungmodus), Einführung des obligatorischen isr. Religionsunterrichts an den höheren Schulen. Genannte Eingabe war von Spatz- Affaltrach gefertigt, vom Ausschuß beratben und von den Ausschussmitgliedern Hühnlein, Preßburger. Spatz dem Kultminister persönlich überreicht worden. Wenn nicht alle Hoffnung trügt, gehen die erfreulichen Zusagen des Ministers in baldige Erfüllung. Dreifuß - Heilbronn beantragte hierauf, für den Ausschuß eine Vertrauenskundgebung, um nach jeder Richtung hin zu zeigen, daß der Verein wie ein Mann hinter seinem Ausschuß steht. Die diesbezügliche Resolution fand begeisterte einstimmige Annahme. Spatz- Affaltrach referirte hierauf über den Verband israel. Lehrervereine des deutschen Reichs, dem der Verein hierauf zufolge Abstimmung (mit allen gegen eine Stimme) beitrat. Als Abgeordnete für den Delegirtentag des Verbands, welcher Weihnachten d. I. in Cassel stattfinden soll, wurden Spatz-Affaltrach und Preßburgcr-Creglingen gewählt. Punkt 4 der Tagesordnung betraf die Ausschußwohl. Wiedergewählt wurden (aufgestellt nach Stimmenzahl) Schmal. Spatz. Hähnkein. Preßburger. Metzger-Cannstatt. Frank-Weikersheim, neugewählt.

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