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Der Israelit · 1904-06-01 · Heft 44 (1.6.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 44 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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906 zum Götzen der Unwissenden herausgewachsen hat, etwas an dem uralten Bau jüdischer Lebensweisheit und Lebenswahrheit zu rütteln vermocht hat, ob die Pfeile, die der blinde Uebereifer der sich „wissenschaftlich gebildet" Nennenden gegen die feste Burg des Judenthums gerichtet -hat, irgendwelchen Schaden dem Bau selbst zugefügt haben. Man irre nicht. Wir sind die letzten, die über Wissenschaft mit vornehmer, selbstgefälliger und eitler Geschwätzigkeit den Stab brechen würden, wir nennen nur nicht alles Wissenschaft, was uns hente unter dieser Marke geboten wird. Wir sind zu gewissenhaft und darum auch vorsichtig. Das Verhältniß von Wissenschaft zur m*n möchten wir an der Hand des ersten Verses unserer dieswöchentlichen Sidra folgendermaßen charakterisiren. ->21 ."wo du n rmn aa Sx rra rix ■piftyre i^x mexi prtx *>x nmn nysp ivx\ „Gott redete zu Moscheh also: Rede zu Aharon und sage ihm, wenn du die Lampen anzündest, so sollen nach der Innenseite des Leuchters die sieben Lampen leuchten." Der Leuchter lm Heiligthum, ein Symbol des Lichtes, des Wissens und Erkennens bestand aus sieben Lampen. Die vorzüglichsten Vertreter einer symbolischen Deutung unserer Thora erkennen in diesen sieben Lampen die sieben Wissenschaften, in welche Zahl man die ganze Summe menschlichen Wissens und Erkennen» einzuordnen gewohnt war. Wissenschaft und Erkenntniß haben keinen selbstständigen Werth, sie sind nicht Zweck an sich, sondern sie erhalten ihren Werth und ihre Bedeutung je nach ihrem Nutzen zur Erforschung und Erfassung der ewigen und einzigen gottgeoffenbarten Wahrheit. Es ist selbstverständlich thöricht und gedankenlos der angestrengten Geistesarbeit unzähliger Generationen jeglichen Werth abzusprechen, aber ebenso thöricht und gedankenlos ist es. ihnen selbstständigen Werth, selbstständige Bedeutung zuzuerkennen. Sie erhalten Weihe lind Hoheit nur dann, wenn sie zur wirklichen Erleuchtung des Menschengeschlechtes beitragen, wenn sie den Nebel, der sich auf die Geister und Gemüther der Menschen gelegt, zu zerstreuen im Stande sind, wenn sie den Schleier, der die Menschen am Sehen verhindert, zu lüften geeignet sind, wenn sie mit ihrem Lichte dem ewigen Lichte die Bahn ebnen, wenn sie sich begnügen als Planeten die Helle Sonne der Wahrheit, unsere nur, zu begleiten, nnzn wzv m» rm»n 'jd fca bx. Nach der Innenseite des. Leuchters sollen die sieben Lampen leuchten. Sie sollen ihr Licht in diese eine Richtung des Centrallichtes vereinigen, sie sollen in dem mittleren Lichte ihre Vereinigung suchen und finden; in jedem einzelnen Lichte sei das Streben vorhanden, das mittlere Licht z.l vergrößern und zu verherrlichen, sie alle sollen sich ihrer dem mittleren Lichte gegenüber dienenden Stellung bewußt bleiben. Wenn sie alle nach dem Mittelpunkte streben, so erhalten sie wieder von diesem, mittleren Lichte ein kleines Theilchen, in allen steckt dann Licht von dem Crntrallicht, Wahrheit von der ewigen Wahrheit. Werth von dem ewigen und unvergänglichen Maßstab aller Werthe. Es wird vielfach die Frage aufgeworfen, daß es ja eigentlich heißen müßte nrun rw rrjp maen as V« bx, denn es leuchteten der Innenseite zugekehrt nur sechs Lampen, während das siebente sich ja im Centrum befand. Allein wenn die sechs Lampen, wenn alles Wissen sich mit seinem Lichte der Innenseite, der ewigen Wahrheit, dem Urquell alles Lichts und aller Erkenntniß zuwendet, so erhalten sie von diesem Urquell ihre Nahrung, sie erhalten durch die rrrn, der sie dienen. Bedeutung, es lieg! dann in jedem Lichte ein Theil des mittleren Lichtes, so daß, wenn sie maorr aa Via bx leuchten, diese sechs nvaa rwzv sind, da in jedem einzelnen ein Abglanz des siebenten Lichtes wahrzunehmen ist, da in jedem einzelnen Strahlen aus dem Sonnenlichte der ewigen, unwandelbaren Wahrheit zum Durchbruch gelangen, da sie nur Reflexe des ewigen gradaus leuchtenden Lichtes sind. Das also soll das Verhältniß von Wissenschaft zur m*n sein. Sie soll der Thora dienen. Wir können vielleicht das Verhältniß noch ein wenig prägnanter bestimmen. Die göttliche Lehre ist die Wahrbeit, die Wissenschaft der Weg zur Wahrheit. Nun hat sich aber im Laufe der Zeiten die Wissenschaft von ihrer dienenden Stellung befreit, sie usurpirte den Thron ihrer Herrin und richtete von diesen! stolzen ihr nicht zukommenden Sitze aus die größten Verheerungen an. Nicht umsonst sagt der weise König ■jüö' '2 12s nnn ts px am vhv rnru Sie hat es wahrlich fertig gebracht, daß Alles auf der Erde in Schwanken gerathen ist, der menschliche Geist findet keinen ruhenden Pol, wo er Erholung fände, es ist nichts mehr fest, denn diese Wissenschaft ist nicht eine und ist nicht immer dieselbe, sondern sie ist jeden Tag eine neue und andere, sie verwirft heute, was sie gestern als der Weisheit letzten Schluß angepriesen und wird morgen verlachen, was ihr heute als bewunderungswürdig erschien. Das Kriterium der wissenschaftlichen Wahrheiten von heute ist ihre Elastizität, ist ihre Tauglichkeit, einer anderen bald Platz machen zu können. — ist Originalität. Und wenn wir diesen Wahrheiten ein wenig auf den Leib rücken wollen, so wird uns dies kein denkender Mensch vernbeln. (Fortsetzung folgt.) ZettuirgsuachrlHIen und Correspoudenzc«. Deutschland. Köln, 28. Mai. (Synagogengemeinde und Schächterbetrieb.) Seit dem 1. April . 1902 hat die hiesige Synagogengemeinde den Schachterbetrieb, welcher bisher im freien Wettbewerb stand. 1

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