Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 44 (1.6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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45. J-»r,<mg. Jg 44 Kenlrak-Hrgan für das orthodore ZudenLyum. Begründet von Bf. Wehm»«« in 0«t*f. Mittwoch, de« 18* Siwcktt 5864« 1« 3» utt I 1904. Dis Mkchm i« sckeii TlOme«. 1 Von Dr. Hermann Klei«. Mainz, 31. Mai. Die größten Denker unseres Volkes haben sich benrüht, gewisse Grundsätze aufzustellen, welche das gesammte Judenthum umfassen und ihm zugleich als Grundlage dienen. Sie thaten dies aus der Erwägung heraus, daß die Oekonomie des menschlichen Denkens, die durch ein Minimum von Kraftaufwand ein Maximum von Leistung erreichen will, nach gewissen Formeln verlangt, die in kurzen und knappen Sätzen ganze Gedankengruppen veranschaulichen sollen. Diese „Jkarim" genannt, wurden nicht immer in derselben Weise dargelegt. Maimonides hat dreizehn Glaubenssätze aufgezählt, doch wurde er vielfach widerlegt. Nicht etwa, daß es einem gläubigen Juden je in den Sinn gekommen wäre, eines der dreizehn Glaubensartikel als unwesentlich zu erklären, die Giltigkeit dieser dreizehn Jkarim wurde niemals bestritten. Ein jeder Jude glaubt mit ganzer Seele an jeden Grundsatz, den Maimonides ausgestellt hat. Aber man hat eingewendet, daß Maimonides nicht systematisch genug vorgegangen ist, man hat eingewendet, daß einige der dreizehn nicht mehr Berechtigung haben als andere nicht aufgezählte. So ist doch sicherlich der Glaube an die Erschaffung der Welt durch Gott mindestens ebenso wichtig, wie einer der dreizehn Grundsätze. Ja noch mehr, wenn wir vom Standpunkte der Wichtigkeit ausgchen, so hat die Aufstellung von Hauptgrundsätzen!m Judrnihum gar keine Berechtigung.. Wichtig ist für «ns ein jedes Wort unserer heiligen Lehre, wichtig ein jedes Gebot unserer Thora und nicht bei uns steht es, lehren unsere Weisen, die Gebote Gottes in bestimmte Klaffen zu theilen. nicht bei uns steht es. die eine rnrv als wichtig, die andere als minderwichtig hinzustellen, denn uns fehlt ein jeder Maßstab für die Beurtheilung der einzelnen Gebote. Wäre also der Gesichtspunkt der Wichtigkeit bei der Aufstellung der Hauptgrundsätze maßgebend gewesen, so wäre ein jedes Wort der Lehre, ein jedes Gebot unserer Weisen ein Hauptgrundsatz, ein Jkar. Der Gesichtspunkt, der maßgebend war, ist vielmehr, gewisse allgemeine Sätze zu finden, denen die übrigen Gebote wohl nicht untergeordnet, aber doch in ihnen begriffen sein sollen. Es galt gewisse Sätze zu finden, die das Charakteristische des Judenthums vollinhaltlich zum Ausdruck bringen sollten, ohne sich deshalb in Einzelheiten zu ergehen, es galt gewisse Höhenpnnkte aus dem Gebiete jüdischer Weisheit herauszufinden, von denen aus ein freier Ausblick auf das ganze Gebiet möglich war. es galt der jüdischen Lebensanschauung eine Formel zu prägen, die ganze Fülle von Weisheit und Wahrheit in kurze Sätze zu bannen. Bei derartigen allgemeinen Sätzen stehen bekanntlich Umfang und Inhalt in einem umgekehrten Verhältniß zueinander. Je größer der Umfang sein soll, desto kleiner wird der Inhalt und je größer der Inhalt, desto beschränkter der Umfang. Aus diesem Grunde erfüllten auch die Maimonidischen Sätze ihre Bestimmung nicht. Weil sie zu viele sind, sind sie zu wenig. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, hat ein anderer großer Denker unseres Volkes allgemeine Grundsätze ausgestellt. die seit Jahrhunderten allgemeine Anerkennung gesunden haben. Es sind deren drei. Das Dasein Gottes, der Glaube an eine Vergeltung im Jenseits und endlich die Göttlichkeit der schriftlichen und mündlichen Lehre, awn jo nun ,vm ,oivn nmiro. Es ist nicht unsere Absicht, diese drei Grundsätze ihrem vollen Umfange und ihrer ganzen großen Bedeutung nach darzulegen, denn dazu, wir fühlen es, reicht unsere schwache Kraft nicht aus. Es soll vielmehr nur versucht werden, den Stand der Probleme in unserer Zeit kennen zu lernen, es soll untersucht werden, ob die heutige Wissenschaft, die sich förmlich