Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-05-30 · Heft 43 (30.5.1904) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 43 (30.5.1904)
Date
1904-05-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450025--60737-2521759
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

899 betten haben uns seine Hinterbliebenen ein Geschenk von Mk. 1000 gespendet, dessen Zinsen alljährlich am Todestage an Bedürftige vertheilt werden sollen. Die Anzahl der Mitglieder betrug am 1. April 1904 183, hierzu eingetreten 1. An Mitgliederbeitragen gingen 4154 und an Geschenken Mk. 1150 ein. Es sind verausgabt worden vom 1. April 1903 bis 31. März 1904:1682 Unterstützungen M. 1916.60, 4 außerordentliche Unterstützungen Mk. 220, sür Fahrscheine Mk. 886.30, 155 Posteinzahlungen nach auswärts Mk. 947. Zus. Mk. 3969.90. Per Kopf durchschnittlich Mk. 2,15 ca. Abgewiesen wegen Unwürdigkeit wurden 26 Personen. Berlin, 17. Mai. Den Parteien der Rechten ist es in dieser Woche gelungen, das Abgeordnetenhaus mit einem Antrag förmlich zu — überraschen, der auch für uns von großer Wichtigkeit ist. In der Sitzung vom 13. d. M. wurde ein Antrag des Abgeordneten Freiherrn von Zedlitz eingebracht, der mitunterzeichnet war von den Abgeordneten I). Hackenberg (nl.) und Dr. v. Heydebrand (kons.). In diesem Antrag finden sich folgende Sätze: I. Die Regierung ist aufzufordern, ohne Verzug, spätestens in der nächsten Tagung, einen Gesetzentwurf betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, auf folgender Grundlage vorzulegen: Die Unterhaltung der Volksschulen liegt den bürgerlichen Gemeinden oder Verbänden oder solcher unter ergänzungsweiser Betheiligung des Staates an den Kosten ob; II. in Ausführung des Art. 24 der Verfassung, wonach bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen sind, werden nachstehende Grundsätze festgeleat: a) in der Regel sollen die Schüler einer Schule derselben Konfession angehören und von Lehrern ibrer Konfession unterrichtet werden; d) Ausnahmen sind nur aus besonderen Gründen, insbesondere aus nationalen Rücksichten oder da. wo dies der historischen Entwicklung entspricht, zulässig. Lehrer, welche zur Ertheilung des Religionsunterrichts für konfessionelle Minoritäten an Schulen anderer Konfessionen angestellt sind, dürfen voll beschäftigt werden; c\ erreicht die Zahl der schulpflichtigen Kinder einer konfessionellen Minderheit eine angemessene Höhe, so bat diese Minderheit den Anspruch auf Einrichtung einer Schule ihrer Konfession. ' Der Antrag des Abgeordneten Freiherr v. Zedlitz zu 1 wurde angenommen, Punkt II ging an die Untertichtskommission. . i Die Freisinnigen hatten fast gar keine Gelegenheit, sich darüber auszulvrechcn. Rur der Abgeordnete Ernst bemerkte, daß sie gegen den Punkt c unbedingt stimmen würden, aber bereit seien, einen neuen Punkt dafür einzusügen, nach dem Minderheiten besonderen Religionsunterricht verlangen können. Leipzig, 26. Mai. Wahrend der Pfingstfeiertage fand hier die 9. Versammlung des Verbandes der deutschen Thierschutzvereine, denen gegenwärtig 156 Vereine angehoren, statt. Ueber die neuesten Erfahrungen und Erfolge auf dem Gebiete der Schlachtviehbetäubung berichtete in eingehender Weise Herr Obersekretär Rabe-Leipzig und Schlachthosdirektor Heiß Straubing, der Verfasser der im Verlage des Leipziger Thierschutzvereins erschienenen Volzaschen Preisschrift, der auch eine Reihe der neuesten Schuß- und Schlagbolzen-Apparate vorzeigte und ihre Gebrauchsfähigkeit in sachgemäßer Weise erläuterte. Rach gründlichem Meinungsaustausch gab man einer Anregung des Herrn Rektor Pfeifer-Weißenfels Folge, von einer Petition vorläufig abzusehen, de» Vorstand des Verbandes aber zu beauftragen, durch Herrn Gewerberath Schwartz-Konstanz und andere sach- und fachkundige Herren noch weitere Erhebungen veranstalten zu lassen und dann durch eine nochmals vorgenommene Probe die Leistungsfähigkeit der Apparate festzustellen. Mit dem dadurch gewonnenen Material werde die Eingabe an Reichstag und Bnndesrath mehr Aussicht auf Erfolg gewinnen. Den Antrag des Vereins Hilchenbach auf Einführung der Betäubung aller Schlachtthiere vor der Blutentziehung in den öffentlichen Schlachthäusern begründete Herr Carl Kraemer-Hilchenbach. Im Anschluß an seine Ausführungen erörterte die Versammlung die Schächtfrage in eingehender Weise und sah dann von einer Beschluß-; fassung über den Antrag Hilchenbach ab und wurde dieser für den nächsten Verbandstag zurückgestellt. Gailingcn. Das sechste Betriebsjahr zeigt daS hier bestehende Friedrichsheim für israelitische Sieche und arme Greise in ungestörter Fortentwicklung. Zu den 20 Pfründnern, welche es beim Jahresbeginne bewohnten, sind fünf neu hinzugetreten. Durch zwei Austritte und das Ausscheiden einer Frau, welche für ein Vierteljahr versuchsweise Aufnahme gefunden hatte, hat sich die Zahl auf 22 und durch einen, fast am Jahresschluß erfolgten Todesfall auf 21 (4 Männer und 17 Frauen) herabgemindert. Die Zahl der Mitglieder ist um 24 gestiegen, die Spenden und auch die Verpflegungsbeiträge etwas höher geworden. Die ihrem Wesen nach mannigfach wechselnden GrundstockSgaben blieben hinter denen des Vorjahres zurück. Obschon von einer bemerkenswerthen Zunahme an Mitteln nicht gesprochen werden kann, zeigt sich der Aufschwung darin, daß die alten Freunde fast alle treu geblieben sind, und immer neue geworben werden. Die Einnahmen betrugen 19.792.61 Mk. Die Ausgaben deckten sich ungefähr mit diesem Betrag. Das Vermögen betragt 125,170.28 Mk.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.