Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 43 (30.5.1904)
- Date
- 1904-05-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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898 und unseren Widersachern zum Trotz wollen wir beweisen. daß auch der der Religion seiner Väter anhängliche Jude mit allen fasern seines Herzens zugleich ein guter Deutscher, ein guter Patriot sein kann." Das waren Worte, aus dem Herzen Aller gesprochen, und der große Applaus, der nicht enden wollende Beifall, mit dem seine Rede und das Hoch auf den Beschützer aller Konfessionen — Großherzog Friedrich — ausgenommen wurde, sprach alles aus. Freude und Dankbarkeit las man aus aller Augen und die frohe Stimmung klang aus in die Hymne: „Heil unserm Fürsten. Heil.'"' Darauf ergriff Herr Kantor Goldberg das Wort, von dessen öfters mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede wir Folgendes hervorheben: In kurzen Zügen entwarf er ein Bild von der segensreichen Thätigkeit des Großherz. Oberraths für die Israeliten in Baden, hob besonders die Besteuerungsordnung hervor, die Vertheilung der allgemeinen Kirchensteuer, durch welche die großen und leistungsfähigen Gemeinden an den Lasten der kleinen tragen helfen, die Gründung der Synode; ferner verbreitete sich der Redner über die Schaffung der Pensionskasse für Religionslehrer und Kantoren Badens. Herr Kantor Goldberg erklärte ferner, daß, während in anderen Ländern Kantoren, die wehmuthsvoll ausrufen müssen — *jro “r: — es ist mir die Kehle verdorrt, ich habe meinen einzigen Reichthum, mein einziges Juwel, mein ganzes Hab und Gut auf den Altar des Judenthums niedergelegt, ich bin machtlos, ich kann nicht weiter: Die Stimme, mein Brod, erstarb mir im Munde!'— keinen Anspruch auf Pensionirung haben und in Folge dieses Mangels Wittwen und Waisen nur zu oft völlig brodlos werden. Baden eine rühmliche — vorbildliche — Ausnahme mache. Der Oberrath sei eine Institution, wie sie seit der Diaspora der Israeliten in solcher Vollkommenheit in keinem Lande zu finden wäre. (Na. Na! Red.) Mit einem Hoch auf die Anwesenden schloß Herr Goldberg - feige meisterhafte Rede. Minutenlanger Applaus ist die verdiente Anerkennung. Darnach ergriffen noch die Herren Rabb. Dr. L e v i - Freiburg. Hauptlehrer Wolfsbruck u. Rechtsanwalt Dreifuß das Wort. In dem auf 8 Uhr Abends angesetzten Bankett waren alle wieder vollzählig erschienen. Herr Präsident Beit hieß die Erschienenen abermals willkommen und gedachte in seiner Ansprache der verdienstvollen Arbeit der Dirigenten und namentlich des Verbandsdirigenten, Herrn Goldberg. Der Raum gestattet uns nicht auf die einzelnen Leistungen der Chöre nochmals näher einzügehen, ebenso nicht auf die Borträge des Herrn Vruchsaler und Fräü Dreifüß aus Bühl, nur die Tüchtigkeit des' Herrn Wormser' in Müllheim wollen 'wir noch hervor^ben.' Bei' Beginn - seines Solos lauschte in athemloser Stille alles seinem Gesänge und geht unser Urtheil dahin, daß er mit dem besten Opernsänger concurriren könnte. Warmer Beifall belohnte das Können dieses Tüchtigen. Nicht unerwähnt dürfen wir schließlich die Rede des Herrn Notars Welker (Christ) lassen, der manche Gedanken zum Ausdruck brachte, um die uns viele beneiden werden. Ein wahrer Genuß sei ihm geboten worden, würdig derer, welche die Festlichkeit veranstaltet, würdig derer, die ihre Kunst in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hatten. Er entrollte im Folgenden ein Bild der glorreichsten Zeit der Geschichte unseres Volkes. Bis 12 Uhr wurde das Bankett fortgesetzt. Denjenigen, die .ußerdem in öffentlicher Form aufgetreten sind, oder sonstwie ihr Schärflein zum würdigen Verlaufe beigetragen haben, wenigstens ein herzlicher Dank, nachdem es uns nicht möglich ist, alles bis in's Detail zu berichten. Nur unfern Goldberg möchten wir auch noch als Dichter präsentiren und unfern Bericht mit seinem Refrain schließen: Ihr lieben Gaste von Nah und Weit, Willkommen! Zum Feste rufen wir heut. Denkt nicht der Sorgen, die's Fest mit sich bracht', Schön ist der Morgen nach stürmischer Nacht, Und zieht ihr von dannen in des Schwarzwalds Höh'n. So denket vom Feste: „Es war doch so schön!" ZettrrngsnachriHLen und Correspoudeirze«. Deutschland. Mainz. Dem neunten Bericht über den „Verein zur Beschränkung des Wanderbettels in Mainz" entnehmen tmr: Wir haben das befriedigende Bewußtsein, daß es uns gelungen ist. den „Verein zur Beschränkung des Wanderbettels", zu einem wichtigen Organ der hiesigen Armenpflege auszugestalten und wir haben das eifrige Bestreben, das uns vorgestreckte Ziel in bisheriger erfolgreicher Weise weiter zu verfolgen. Wir konstatiren, daß der Wanderbettel gegen früher bedeutend abgenommen und das sogen. Schnorrerthum in den Häusern kaum mehr zu spüren ist. Leider haben wir zu berichten, daß der Vorsitzende und Mitbegründer des Vereins, Herr Commerzienrath Martin Mayer uns im verflossenen Vereinsjahre durch den Tod entrissen wurde. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen hochgeschätzten College» und eifrigen Förderer unserer Bestrebungen. Sein Name und seine Verdienste um den Verein werden bei uns ewig unvergeffen sein. Zum Andenken an den, thevren. Berstor-