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Der Israelit · 1904-05-30 · Heft 43 (30.5.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 43 (30.5.1904)
Date
1904-05-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. eitage zu M 43 des „Israelit^. 18kssi>Bfkst i>ts okrbatiif^rn 6qh ao^ocni^o r rb anH f §. Bericht von Lazar Schön. Emmendinaen, 26. Mai. Bevor wir auf die nähere Berichterstattung dieses Gesangsfestes eingehen, wollen wir die Leser mit den Fielen dieser Feste bekannt machen. Seit dem Jahre 1897 besteht der Verband oberbadischer Synagogenchöre und hat sich derselbe die Aufgabe gestellt, die Würde und Weihe des Gottesdienstes zu mehren und die Andacht durch gefühlvoll vorgetragene Chöre zu heben. Schon in den Jahren 1897, 1899 und 1901 fanden solche Verbandsfeste in den Gcmeinden Offenburg, Kippenheim und Freiburg statt und neuerdings am 22. Mai d. I. in Emmendingen als viertes Gesangsfest des oberbadischen Synagogcnchor- Verbandes. Das Programm war glücklich gewählt und war die Reihenfolge der verschiedenen Arrangements folgende: Vormittags 10 Uhr: Hauptprobe für die Gesämmtch'öre im Saalbau zum ...Drei König". Vormittags 10 Uhr 30 Min.: Generalversammlung der Vorstände der Verbandsvereine und der hierzu eingeladenen Gäste im Rathhause. Nachmittags lVi Uhr: Aufführung snnagogaler Gesänge im Saalbau zum „Drei König". Nachmittags 4 Uhr: Festesten im Bautz'schen Gartensaal. Nachmittags 7 llhr: Bankett mit darauffolgender gesellschaftlicher Unterhaltung im Saalvau zum „Drei König". Gegen 11 Uhr versammelten sich die Gäste im Saalbau zum „Drei König", wo laut Programm die Hauptprobe für die Gesammtchöre, ferner die Generalversammlung der Vorstände der Perbandsvereine stattfand. Nachmittags um 2 Uhr war der in badischen Laudessarben prachtvoll geschmückte Saalbau bis aus den letzten Platz beseht — ungefähr 800—1000 Gäste. Damen und Herren — an der Zahl, galt es doch den weihevollen, Herz und Gemüth ergreifenden synogogalen Gesängen zu lauschen! Ein Zeichen, wie die Juden in Baden von ihren christlichen Mitbürgern geehrt und geschäht werden, beweist schon die Thatsache, daß auch die Herren Geh. Negierungsrath Salzer, Oberamtsrichter Schiedelseckcr, Oberbauinspektor Biirgelin und Notar Welcker und noch diverse andere als Vertreter, der christlichen Konfessionen anwesend waren. 7 Unter der Leitung des Kantors Herrn M. Goldberg begannen die synagögalen Gesänge mit „Matowu", das von dem Gesammtchor, bestehend aus den Chören der Gemeinden Bühl. Eichstetten, Freiburg. Kippenheim, Nonnenweier. Offenburg und; Emmendingen in wirklich erhebcnder Weise vorgetragen wurde. Die Chöre der genannten Gemeinden sangen auch einzeln und konnte man sich dabei mit freudiger Genugthuung iiberzeugcn, daß der Gesang von den oberbadischen Verbandsvereinen in einer Weise gepflegt wird, wie es ihnen nur zur Ehre gereichen kann. Der große Applaus, der. verdiente Beifall, den die Sänger ernten tonnten, bewies ihre meisterhafte Schulung und ihre großen Leistungen,. und wahrlich, selbst der schärfste Kritiker mußte verlegen sein, da alles auf's herrlichste gelungen ist. Der Beachtung wohl wertk ist dabei die Thatsache. daß der Synagogenchor von Bühl für ein Landesfest einen zu schwierigen Gesang gewählt hatte, wir meinen,, sür einen intimen Künstlerkreis hätte er eine noch weit bessere, verständnißvollere Wirkung abgegeben.. Herrn Kantor M. Goldberg aber, in ihm ist alle Ehre und aller Ruhm verkörpert; feiern wir ihn als einen genialen Künstler, und die Verkünder seiner Kunst sind damit in ihm und mit ihm in gleicher Weise, geehrt! Nach Erledigung dieses zu aller Zufriedenheit ausgefallenen Theils des Programms ging'man daran, bei einem solennen Fest wohl, nach dem geistigen Genuß, auch den Körper zu seinem Rechte kommen zulasten. Zu diesem Zwecke versammelten sich die Gäste allgemach im Bautz'schen Gartensaal., wo der Norstebek' der jüdischen Gemeinde. Herr Heinrich W e i l. die Gäste herzlich willkommen hieß.. Im Namen - der Stadt begrüßte dann Herr Gemei.iderath Philipp Gllnzburg die Festversammlung, nicht ohne gleich-' zeitig die Versicherung abzugeben, daß sie alles aufbie-. ten werde, um den Gästen angenehme Stunden zu verschaffen und frohe Erinnerungen zu hintrrlassen.; Der Verbandspräsident. Herr Simon V e-i t. begrüßte dann in schwungvollen Worten die Gäste Namens der Verbandsleitung und sprach den Herren Vettretern, den Sängern und Sängerinnen, die zum Gelingen des Festes kcigetragen haben, den herzlichsten . Dank ans. ferner aedachte der Redner in pietätvoller Weise des Komponisten Sulrer. dessen hundertster Ge- - burtstag in diesem Jahre gefeiert wurde. Besonders der zweite Theil der wohldurchdachten— Rede ist hrrvorzuh-chLN. in welchem Herr Veit die so« ' ziale Stellung der Juden unter der glorreichen Regierung Sr. kql. Hoheit, .des Großherzoqs Friedrich von Baden besprach, dessen Liberalität er ebenso feierte, wie - er die Woblthat Hervorbob. die den Juden von diesem tiefedlen Fürsten zu Thcij wurbs. „Darum — so zitirt der Herr Redner — schlagen unsere Herzen in Liebe und Dankbarkeit den, edelsten Fürsten entgegen,

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