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Der Israelit · 1904-05-30 · Heft 43 (30.5.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 43 (30.5.1904)
Date
1904-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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895 Max neigte zustimmend. das Haupt. „Herr Fleischmann?" Der Wirih verneigte sich. „Das ist mein Name." „Wie geht es meinem Vater?" stammelte Frieda. Fleischmann blickte ste mitleidig an. „Vermuthtich Fräulein Grünwald? — habe die Ehre gnädiges Fräulein — und ich freue mich, versichern zu können, daß der Doktor die Hoffnung doch nicht aufgegeben hat." „Wo ist mein Vater?" fragte sie flüsternd. „Da drüben, gnädiges Fräulein. — Es ist unser bestes Zimmer und heizt sich auch sehr gut." „Kann ich hineingehen? — Max, was meinen Sie?" Er zuckte die Achseln. „So ohne Weiteres hinein zu gehen, würde ich Ihnen nicht rathen, ich möchte es nicht einlnal wagen. — Wann kommt denn der Arzt?" wandte er sich an den Wirth. „Der Doktor hat ausdrücklich gesagt, daß er Mittags hier sein wird. Wir haben die Herrschaften nämlich um diese Zeit erwartet und der Doktor hat gesagt, er möchte dabei sein, wenn Sie hinein zu dein Kranken gehen. — Ich meine, er müßte jeden Augenblick kommen." „So müssen wir warten," sagte Frieda gepreßt. „Aber Herr Fleischmann, könnten Sie mir nickt vielleicht ein Fenster zeigen oder auch nur einen Spalt in einer Thür, von wo ich meinen Vater sehen könnte, ohne daß er mich sieht? — Sie können sich ja denken —" „Ja, gnädiges Fräulein, ich kann mir das alles sehr gut denken, und ich möchte sogar glauben, daß es gut ist, wenn Sie Ihren Herrn Vater sehen, bevor Sie zu ihm hineingehen, lind ick will Ihnen auch zeigen, von wo Sie ihn seben können. Schauen Sie, dort ist die Thür von seinem Zimmer und in der Thür ist ein kleines Guckfenster Gewöhnlich haben wir drinnen einen Vorhang davor, aber jetzt hat ihn meine Frau weggenomnien, damit sie, ohne den Kranken zu stören, sich alle paar Minuten nach ihm umsehen kann. Denn er hat zwar einen Wärter, aber auf den muß man auch Acht geben, daß er nicht schläft oder so — Also ich bitte, gnädiges Fräulein, kommen Sie dort hin. Sie sind ja groß, wenn Sie sich nur ein wenig auf den Fußspitzen heben, werden Sie hineinsehen können. — Nur geben Sie Acht, daß Sie nicht gesehen werden." Ter Wirth hatte reckt, es war geradezu ein Glück, daß Frieda ihren Vater sah. bevor sie zu ihm hinein ging, denn, daß er so — so aussehen könnte, das hätte sie nimmer für möglich gehalten. „Max!" flüsterte sie, „Mar! — ich bitte Sie um Gotteswillen! sehen Sie hin — iss denn das Pova? — ich glaube es nicht —" Auch Max war erschüttert, als er den vor wenigen Tagen noch blühend schönen, kräftigen Mann dort vollständig gebrochen liegen sah, er glaubte schon das Siegel des Todes in den seinen weißen Zügen zu sehen. I Dennoch widersprach er der Tochter. „Ich finde Ihren s Papa nicht gar so verändert, angegriffen sieht er zwar I aus, aber unkenntlich keineswegs. Vermuthlich haben! Sie, liebe Frieda, ihn noch nie im Bette gesehen und kommt er Ihnen deshalb so fremd vor."' „Das ist wahr," sagte das junge Mädchen aufathmend, „Papa ist noch nie krank gewesen und ist iurmer früher aufgestanden als ich und später zu Bett gegangen." „Da kommt der Herr Doktor," sagte der Wirth. Max ging ihm entgegen und wechselte einige Worte mit ihm. der Doktor nickte zustimmend, grüßte die jungen Mädchen und begab sich in's Krankenzimmer. Frieda, die Hände gegen die Brust gepreßt, rang mit Macht nach Fassung. Max hatte unwillkürlich den Arm um ihre Taille gelegt, er glaubte sie stützen zu müssen. Es währte nicht lange, so erschien der Arzt wieder. „Darf ich Sie bitten, Fräulein Grünwald, meinen Arm nehmen zu wollen, Ihr Herr Vater erwartet Sie." „Ich darf doch auch hineingehen?" fragte Mar. „Ohne Weiteres, aber Sie können wohl allein gehen, nur nicht rasch." Alle begaben sich hinein, auch Selma. „Frieda!" rief der Kranke mit matter, kaum kenntlicher Stimme, während ein glückliches Lächeln seine Züge erhellte. Auck sie nickte ihm lächelnd zu und wäre gern zu ibm aeeilt, aber der Arzt hielt ihren Arm wie in eisernen Klammern. ..Papa!" rief sie halb lachend, halb klagend, „ich möchte gern rascher zu Dir, aber der Herr Doktor hält mich fest." „So ist's recht," lobte dieser, „nur immer lustig, nur nicht sentimental!" Das war allerdings viel verlangt, wenn man den Kranken dort sah und ihm so nahe stand. Endlich hatten sie das Krankenlager erreicht, der Arzt gab ihren Arm frei, indem er nochmals leise mahnte: „Nur nicht sentimental! — ruhig! ruhig! —" Ein erzwungenes Lächeln auf den zuckenden Lippen, neigte sich Frieda ohne Hast über ihren Vater und küßte ihm Hand und Mund. „Lieber, lieber Papa!" sagte sie. die bleichen Wangen streichelnd, „wie freue ick mich, daß ich bei Dir bin. — Hast Du starke S chmerzen?" „Gar keine Schmerzen habe ich — wenn me^n kleines Mädchen bei mir ist," entgegnete er lächelnd. ..Das ist sckön," sagte sie. ohne im Stande zu lein, das Beben 'l'»r Stimme vollständig zu unterdrücken, „da werde ich immer bei Dir sein, damit Du rasch wieder gesund wirst." Er erwiderte nichts, winkte, ihr jedoch xn:t den Auaen verständnikinnig zu. Sie streichelte ihm unablässig Hand und Wangen. '

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