Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 43 (30.5.1904)
- Date
- 1904-05-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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894 Lei, verzichten tonnte. Nach dieser Richtung wäre ihm die sonst viel gepriesene Toleranz dringend zu empfehlen. — Nun noch meinen Dank für die freundliche Einladung und für das Vergnügen, welches mir die Theilnahme an der schönen gemeinsamen Elöfahrt bereitet hat. e'teTTO man rutf?« H. B. Königsberg i. Pr. Der Zeniralvorstand des preußischen Lehrervereins nahm einstimmig folgende Resolution an: Der Vorstand des über 88,000 Lehrer zählenden Vereins erklärt angesichts des von den Abgeordneten eingebrachten Antrages betreffend die konfessionelle Volksschule, daß für die Einrichtung der Schulen in erster Linie pädagogische Grundsätze maßgebend sein müssen, und bekämpft alle Bestrebungen, welche darauf hinzielen, lediglich konfessioneUc Einflüsse mächtig werden zu lassen. 4lu» Baden, 22. Mai. Einen schönen Akt echter Toleranz lieferte die Gemeindevertretung des großen Marktfleckens Eichstetten bei Freiburg i. B. durch ein Fest, wie es in seiner Art vielleicht noch selten gefeiert wurde. Vor wenigen Wochen waren es nämlich 25 Jahre, daß Herr Oberlehrer Weil an der dortigen, konfessionell gemischten Volksschule als Elementar- und israel. Religionslehrer wirkt, nachdem derselbe nahezu 40 Jahre lang dem Lehrerberufe angehört. Aus Anlaß seines 26-jährigen, dienstlichen Ortsjubiläums Lbervrachte nun am Sonntag, den 15. Mai, eine Abordnung der Gemeindevertretung, mit dem Herrn Bürgermeister an der Spitze, dem Jubilar ihre herzlichen Glückwünsche in dessen Wohnung und übergab demselben ein prachtvoll ausgestattetes Gedenkblatt zur Erinnerung an seine 25-jährige, segensreiche Thätigkeit in der Schule und Gemeinde Eichstetten, nachdem demselben schon einige Tage vorher ein kostbares Ehrengeschenk der Gemeinde übermittelt worden war. Auch von seinen Schülern und von privater Seite, insbesondere aber auch von seinen israelitischen Kollegen, der Religionslehrer - Konferenz Freiburg - Sulzburg wurde der Jubilar unter wohlmeinenden, liebevollen Glückwünschen durch kostbare Ehrengeschenke hoch erfreut. Am Abende versammelte sich zu Ehren desselben in den Sälen des Gasthauses zum Roßle, nahezu die ganze Gemeindevertretung, Gemeinderath, Bürgerausschuß, Synagogenrath, der evangelische Ortsgeistliche nebst den dort angestellten, übrigen Lehrern und Beamten zu einem Bankett, welches einen äußerst anregenden, schonen Verlauf nahm, in welchem der Bürgermeister die Verdienste des Jubilars in schwungvoller Rede feierte, und letzterer tief gerührt über solche großen Ehrungen in warmempfundenen Worten dankte. Als weitere Ehrung des Jubilars wurde dann am Mittwoch, dem 18. Mai. in Anwesenheit des ganzen Lehrerkollegiums und des Gemeinderaths ein Schülerfest auf dem Rathhause mit Beschenkung der Schüler durch Bretzeln abgehalten. Damit aber zum Gelingen des Ganzen nichts fehle, wollten auch die Lehrer des Bezirks nicht Zurückbleiben. Deshalb versammelte sich am gleichen Tage aus besonderer Aufmerksamkeit für Herrn Oberlehrer Well die freie Lehrerkonferenz Emmendingen in Eichstetten, um auch ihrerseits ihre Antheilnahme an der Ehrung eines ihrer Mitglieder durch die That zu beweisen und den Jubilar zu feiern. Möge es demselben vergönnt sein, noch viele Jahre m Gesundheit und Rüstigkeit zum Segen seiner Gemeinde weiterzuwirken. Warum weder das BezivSsrabbinat Freiburg, noch der Großh. Oberrath der Israeliten in Karlsruhe, welchen Behörden Herr Oberlehrer Well als Religionslehrer zuständig ist, von diesem Jubelfeste, eines im Dienste ergrauten, verdienten Schulmannes Notiz nahmen, ist uns ganz unverständlich. Man hätte ein Zeichen der Anerkennung von der jüdischen Kultusbehörde um so mehr erwarten dürfen, als diese Ehrungen alle von der politischen Gemeindevertretung ausgingen, und Herr Weil nahezu 40 Jahre lang ebensowohl als Religionslehrer, wie als Elemeatarlehrer pflichtgetreu gewirkt hat. Rußland. Petersburg. In den soeben vom Ministerium des Innern publizierten „Regeln für den ständigen und temporären Aufenthalt der Juden im Niederlassungsgebiete und außerhalb desselben" sind zum ersten Male unter den den Juden zum Aufenthalte verbotenen Städte auch die Städte Nikolajew, Sewastopol und?)alta verzeichnet. Die in Nikolajew erscheinende Zeitschrift „Juschn.ija Rossija" (Südrußland) spricht ihr Erstaunen darüber aus. daß die Stadt Nikolajew nunmehr als für die Juden verbotener Wohnort gilt, wiewohl sie durch die Verfügung des Senats vom 25. November 1866 und durch kaiserlichen Ukas von 1866 dem russischen Niederlassungsrayon einverleibt wurde. Petersburg, 27. Mai. Amtlich wird gemeldet: Der Minister des Innern beantragte bei dem Reichsrath die Aufhebung des Gesetzes, welches den Juden die Ansiedelung und den Aufenthalt an der Grenze bis zu einer Entfernung von 50 Werst verbietet. ftrtullletett. cchrheit und Wichtung. Von Friedrich Statt. I44 Gegen Mittag des folgenden Tages hatten sie das Ziel ihrer Reise, das jüdische Gasthaus, in der Nähe des erwähnten Tunnels, erreicht. Frieda zitterte so heftig, daß sie kaum im Stande war, sich aufrecht zu hakten. Max und Selma wollten sie von beiden Seiten stutzen, doch sie wehrte ihnen und hatte schon nach wenigen Augenblicken ihre Fassung wieder erlangt. Der Wirth trat ihnen entgegen. „Habe vermuthlich die Ehre Herrn Doktor Müller zu begrüßen?"