Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-05-30 · Heft 43 (30.5.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 43 (30.5.1904)
Date
1904-05-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450025--60731-2521753
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

893 im Rasch! 146 derselben Meinung ist, unter besonderer Hinweisung auf Toßaphot Traktat Gittin p. 1411 «r? (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, 25. Mai. Zum Delegirtentage der Zionistischen Vereinigung Deutschlands wurde ich von der hiesigen Ortsgruppe mit einer speziellen Einladung in meiner Eigenschaft als Correspondent des „Israelit" beehrt, welcher ich ohne Rücksicht auf die Stellung des „Israelit" zum Zionismus resp. meine eigene Anschauung darüber, gerne entsprach. Es hatte auch der jüngste Basler Congreß, dem ich der Wissenschaft halber bcigewohnt, einen imvonirenden Eindruck auf mich gemacht, den ich gerne wieder gewinnen wollte. Es waren, abgesehen von den Hamburg-Altonaer Zionisten, ca. 100 Delegirte aus allen Gegenden Deutschlands — zum Theil sogar mit Damen — erschienen, die mit Ernst und Liebe zur Sache den Berathungen folgten. Am Montag, 23. c.. Vorm. 10 Uhr, fand im Conventgarten unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Bodenheimer-Cöln die Eröffnungssitzung statt. Als her^ vorragende Redner resp. Referenten traten neben den Präsidirenden die Herren Prof. Dr. Marburg- Berlin. Dr. Alfred Klee- Berlin, Dr. H. L o e w e, Auerbach etc. auf. Es handelte sich zunächst um die Abrechnungsverhältnisse und um den ferneren Ausbau der Organisation. Man tagte, abgesehen von den Frühstücks- und Mittagspausen, ununterbrochen bis 8 Uhr Abends. Schön war es anzusehen, wie in zwei Sälen (nicht in zwei Seelen) an mächtigen Tafeln nach beendigtem Mittagsmale ypte *pr: gebenscht wurde; der Ertrag dafür war Mk. 458 zu Gunsten oes Rationalfonds, dem außerdem durch Sammlungen und Verlauf diverser Gegenstände ein ansehnlicher Betrag zugcwandt wurde. Abends fand Commers statt, den ich nicht mitmachen konnte, wobei es aber nach Aussage vieler Thcilhaber, die ich gesprochen, sehr gemüthlich und tadellos zugegangen. Am Dienstag Vormittag folgte die Fortsetzung der Delegirtenberathungen unter Vorsitz des Herrn Dr. med. L. F r a n k-Altona, worauf Abends im großen Saale des Eonventgarten eine allgemeine j-id. Volksversammlung stattfand, die von vornehmen Damen und Herren aus Hamburg-Altona bis auf den letzten Platz sogar in den Galerien besucht war. In geschickter Weise wurde diese wirklich mächtige, imposante Versammlung von Herrn Ed. L e v-i n s o h n von der Ortsgruppe geleitet. Dr^ K l e e - Berlin hielt hier den einleitenden Vortrag „Der Wille zum Judenthum" — unter gleichem Thema wurde hier unlängs ein Vortrag von einem dem Zionismus nicht gewogenen modernen Prediger gehalten. Wenn man auch nicht alles so ohne Weiteres unterschreiben kann, was der Redner meisterhaft zum Vortrag gebracht, so war der Eindruck auf das Publikum ein wohlthuender. dem gegenüber Herr Prediger Dr. R i e g e r vom hiesigen Tempel mit seinem nachfolgenden, im antizionistischen Sinne gehaltenen Vortrage einen schweren Standpunkt hatte, was man ihm recht deutlich zu erkennen gab. Ihm folgte Herr Dr. L o e w e, der in begeisterter Weise den streng-jüdisch-traditionellen Standpunkt betonte und die Bestrebungen der modernen Rabbiner und Prediger ad absurdum geführt. Der Beifall war, zur Ehre der Versammlung sei's bemerkt, eia kolossaler. Dann sprachen noch die Herren Dr. Plato, Jos. Bachrach jr.. Lichten städter, und Dr. Klee als Schlußredner, aber unter sichtbarer Ermüdung der Versammlung. Die Uhr hatte mittlerweile die Mitternachtsstunde überschritten, worauf der Vorsitzende unter dankbarer Anerkennung der zahlreichen Beiheiligung, die Versammlung schloß. —-- Darf ich Einiges aus meinem eigenen Empfindenüber diese nicht zu unterschätzende Bewegung äußern, so wäre es Folgendes: Wie der Weg nach Zion einst über Sinai geführt, woselbst der Bund geschlossen und der Contract vollzogen wurde, der unser jüdisches Volk zum Besitze des heiligen Landes legitimirte und unter der treuen Befolgung der mit ycrr. rr?: besiegelten Gesetze sicherte, so führt der neue Weg nach Zion wieder nur über Sinai, d. h. nur unter Beobachtung aller sinaitischen Gesetze; der religiöse Zionismus ist der. w-ahre. Die Hoffnung ist nicht abzuweisen, daß die heutige Bewegung. mögen ihre Motive aus politischem Druck, oder sonstigen Erwägungen äußerer Art resultiren, zum wahren Zionismus führen wird. Immerhin ist die erstrebte Besiedelung des heiligen Landes bx-V' px nt* eine gottgefällige Handlung, und wenn inan auch aus hier nicht zu erörternden Gründen ein wohlwollendes Abwarten zu verstehen vermag, so iss eine Bekämpfung des Zionismus aber absolut unverständlich.*) Jedenfalls ist derselbe allen Verbänden staatsbürgerlicher oder ähnlicher Art entschieden vorzuziehen, mag selbst „der Leutnant" dabei in die Brüche gehen. Die leitenden Herren des Zionismus thäten aber recht gut daran, denjenigen nicht vor den Kopf zu stoßen, die dieser Bewegung einstweilen nur erst oder gar schon „gewogen" sind. Dieser Seelenzussand ging wohl dem größeren Theile seiner jetzigen namentlich neueren Anhänger voran. Keinenfalls iss der Zionismus schon so alt und befestigt, daß er auf die Sympathien derjenigen, die er doch zu sich heranzuziehen trach- *) Wir vermögen unS zu dem ^vtimisnni« unsere« Serrn BerrchtcrUatters. das, der Z'.vniümnS i:: religiös? S^bnen einlenken werde, nicht aufzuschwingen. Die Ziele drS ZiewsimiS und der k?rtdodor,e geben noch deute so weit auseinander, daü eine Bekämpfung, von unserem Standpunkte aus nicht nur verständlich, sondern absolute Pflicht ist. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.