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Der Israelit · 1904-11-21 · Heft 92 (21.11.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 92 (21.11.1904)
Date
1904-11-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1976 classc bezahlt man 1500 und hors classe extra 2000 Frs. Gerade diese erstklassigen und hör» dasse- Feierlichkeiten ermöglichen die unentgeltliche Feier für Unbemittelte und Unterstützung anderer israelitischer Wohlthätigkeitswerke. Hierher gehören die reichen Segen stiftenden Brautaussteuer-Gesellschaften, welche die wirthschaftliche Lage junger unbemittelter Eheleute erträglich zu gestalten suchen. Das in der Rue St. Georges gelegene Bureau dieser Humanitären, nachahmenswerthen Einrichtung hat zur Erleichterung seiner Aufgabe ein aus energisch thätigen Damen bestehendes comite de propagande. Aehnliche Ziele verfolgt „LsralU Ltütounim", eine „5odete d'assistance aux iiances". Wirthfchastlich sozialer Art ist der Zweck des in der Rue Rodin gelegenen Vestiaire. Dort werden alte und neue Kleidungsstücke, Leibwäsche, Schuhwerk, Arbeitsgeräthe u. s. w. gesammelt und an arme, in ihrer wirtschaftlichen Lage bedrohte Leute verausgabt. Das ganze Jahr hindurch geöffnet find dirRonrneaux alimentaires et economiques im 4. und 18. Arrondissement. Gegen Gutschein werden warme Speisen verabreicht. Jedem Freund der Bedürftigen hat dir Gesellschaft den Unterstützungswillen insofern besonders leicht gemacht, als man eine Serie von Bons gleich 150 Stück kaufen und dann einzeln vertheilen kann. In den Bäckerläden, welche in der Nähe dieser Speiselüchen liegen, find einzelne Gutscheine zu 10 Centimes, welche auf eine Portion Fleischbrühe, Gemüse oder Fleisch Anspruch geben, erhältlich. Es läßt sich leicht denken, daß gerade diese Speiseanstalten stets rege und namentlich zur Winterszeit besucht werden. Die Sicherung ungestörter Gräberruhe erstrebt die „societe du repos etemel“, während die „Union de la jeunesse israelite“ für die Beseitigung der namentlich in Paris peinlich empfundenen Gemeinschaftsgräber wirkt. Für Begräbnisse find acht Klassen vorgesehen, die von 12 Frs. bis 2000 Frs. ansteigen. lieber 40 Vereinigungen bezwecken gegenseitige Unterstützung. Don der Wiege bis zum Grabe sehen wir also für alle Lebenslagen Einrichtungen, die menschlicher Schwachheit und Noth.steuern wollen. Manch einflußreicher Mann ' verdankt neben seinen persönlichen Talenten lediglich diesen Wohlthätigkeitseinrichtungen Würde und Ansehen. Werktätige Menschenliebe Gemiluth chesed beguf ubemomaun ist das Zauberwort der israelitischen Wohltbätigkeit. Sie kräftigt nach innen und außen. u. a.: .Das Innerlichste, was der Mensch besitzt, ist seine Religion. Sie ist das Kleinod seines Herzens, das er eifersüchtig liebt und schützt wie ein Heiligthum. In dieses Heiligthum mit rauher Hand einzugreifen, verräth rohe Gesinnung und Mangel an sittlicher Reife. Niemand ist daher ängstlicher bemüht, alles zu vermeiden, was Andersgläubige kränken oder verletzen könnte, als wahrhaft edle Katholiken, hingegen ernstlich bestrebt, praktische bürgerliche Toleranz. Nächstenliebe auch gegen Andersgläubige zu üben und nicht bloß diese Rede als Schlagwort der Zeit im Munde zu führen. Daher ist es Pflicht und Aufgabe, die weitgehendste Milde und Duldsamkeit gegen Alle zu betätigen, die nicht zur katholischen Kirche g:- hören." M echten doch Privatpersonen und Zeitungen, die das Judenthnm in Wort und Schrift befehden, aber trotzdem «Toleranz" auf das Aushängschild setzen, die Darlegung des Herrn Stadtpfarrers Oppel beherzigen, um den inneren religiösen Frieden als Kleinod zu wahren, wie dies in unserer aufstrebenden Stadt in schönster Weise der Fall ist. Goldene Worte aus einer alten Nlnistertal» verordnung. In einer daher. Ministerialentschließung vom 29. Januar 1823, Bildung des Volksschullehrerstandes betr., heißt es: Religiosität und Moralität des Lehrers sind scharf. Ln's Auge zu fassen. Nicht heuchlerisch: Frömmelei ist es, was dir Staat von dem Leiter der Jugend fordert. Aber daß er tief in seiner Seele d:e Erkenntniß der Schöpfung und seiner Werke trage, daß er die höchste Gabe des Lebens, die Sonne glücklicher Tage, den einzig wahren Trost im Unglücke, nämlich das Vertrauen zu der Allmacht und den Tröstungen des angeborenen Glaubens, in den zarten Seelen entwickle, nicht zerstöre, daß er aus Ueberzeugung und Bedürfnitz unwandelbar in Sitte und Wandel sei, ist das erste Ersorderniß des Lehrers: denn nur was der Pädagog i n sich fühlt, vermag er auch auf anderezu übertragen; vergebens bleibt jede Lehre, namentlich gegenüber der noch unbefangenen, aber eben detzhalb mit der ganzen Schärfe des natürlichen Blickes ausgerüsteten und stets von dem Lehrsätze auf das Beispiel znrücksehenden Jugend, wenn ihr der Funke der Ueberzeugung und' der Einklang der Persönlichkeit mangelt. t3ö?*e eirrss lachottsHe» eunarkt (Oberpfalz). Herr Stadtpfarrer und ^.ziclssthnlinspektor Oppel dahier, hielt vor '14'Lagen ^einen Dortrag über «Toleranz nach den GruMäLen her katholischen Kirche" und sagte Parin Conftllrrtruug dsS jüdtschs« Ut Wie«. Nachdem die im Mai d. I. ausgearbeiteten Satzungen des «Jüd. Kolonisationsvereins" von den zuständigen Behörden einspruchslos zur Kenntniß ge- . nommen worden waren und bereits am 17. Oktober I eine Vorbesprechung der Proponenten stattgesunden

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