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Der Israelit · 1904-11-21 · Heft 92 (21.11.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 92 (21.11.1904)
Date
1904-11-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. z« 92 des,Israelit.*' BmWkIliblWtigkkitsüBslttiliilHskis. ' Wie eine magnetische Kraft zieht Paris alljährlich viel hundert Leute an, die in der Lichtstadt ihr Glück suchen. Einen ansehnlichen Prozentsatz unter diesen Glücksuchern macht das israelitische Element aus, welches aus kleinen, oft kleinlichen Verhältnissen heraus nach der Seinestadt drängt. Bei den geringen Baarmitteln, welche die überwiegende Mehrzahl dieser außerfranzösischen Israeliten ihr eigen nennen, einerseits, und bei dem in einer Weltstadt besonders scharfen Kampf ums Dasein andererseits, ist es klar, daß viele dieser Einwanderer in kurzer Zeit dauernd der israelitischen Wohlthätigkeit zur Last fallen müssen. Das Arbeitsfeld für werkthätige Nächstenliebe ist groß und vielgestaltig ist die Hilfe, welche Armuth, Noch und Krankheit zu lindern versucht. Im Laufe der Jahre haben sich neben den christlichen Charitaswerken einzelne dieser israelitischen Wohlthätigkeits-Anstalten zu chatsächlichen Mustereinrichtungen gestaltei. Solche Erfolge konnten allerdings nur durch eine bis in die kleinsten Einzelheiten durchgeführte Organisation erstrebt und erreicht werden. Nom finanziellen Standpunkt aus bedeuten all diese Einrichtungen werkthätiger Barmherzigkeit für den stark in Anspruch genommenen Geldsack der Pariser Stadtverwaltung — Ersparnisse, die wiederum anderen Unternehmungen zugute kommen. Die energische, fast ausschließliche Verwendung des Laienelementes bei diesen Wohlthätigkeitswerken sichern denselben immerwährende Belebung und Förderung. Förderung und Anerkennung auch seitens Andersgläubiger, denn nicht selten nehmen auch Nichtjuden die durchweg vorzüglich eingerichteten Institutionen in Ansvruch. Frühzeitig für den Erdenbürger setzt die israelitische Wohlthätigkcit in Paris ein. Nach dem „ Annuaire israelite“ sorgt das „Comite des dames visiteuses des femmes en couches“ für junge Mutter. Einige Aerzte besorgen bU„Tnspection medicalc des femmes en couches“ und. der „Enfants du premier age.“ Die Baronin Edmund de Rothschild, Frau Ephrussi und Frau Großrabbiner Zadoc-Kahn bilden den Vorstand des „Comite de*patronage des enfants et familles assistes du comite de bienfaisance.“ Dem „Patronage des prisons et hopitaux“ stehen ein Gesängnrßrabbiner sowie Frau General S6e vor. Baron Ed. v. Rothschild ist Präs, des Waisenhauses in der Rue Lamblardie. Werth wird auf eine gediegene Schulbildung gelegt, damit . die Jugend in Ehren das Brod verdienen kann und gleichzeitig wirthschaftlich erstarke. Eine Reihe verschiedenster Bildungsanstalten er« möglichen billige Erwerbung von Kenntnissen aller Arten. Zu den „ecoles primaires israelites“ gehören die 1866 von den Eheleuten Fleur gegründete Schule, die heute „ecole Gustave de Rothschild“ heißt, zu Ehren des Gönners, der 1880 die Mittel fiir einen Neubau in der Rue Claude Berard hergab, ferner die mit Privatmitteln und besonders von Baron Ed. v. Rothschild unterstützte Anstalt in der Avenue' de S<?gur. Nahe beim Park des Buttes-Champont liegt die „ecole Lucien de Hirsch“, die 12 Klassen hat und 600 Kinder beiderlei Geschlechts aufnehmen kann. Eine Stiftung Bischoffsheim eröffnete jungen Mädchen eine Arbeitsschule. Die Gewerbeschule für Lehrlinge und Handwerker erfreut sich eines vorzüglichen Rufs. Schwächlichen Kindern wird Landaufenthalt und Kräftigung durch eine besondere Vereinigung ermöglicht. Wem Seebäder nöthig sind, dem wird ein Aufenthalt in dem Spital „Nathaniel de Rothschild“ das in Berck-sur-Mer liegt, verschrieben. „L’oeuvre israelite de gardes-malades“ bildet junge Mädchen aus guter Familie im Verlauf vdn zwei Jahren zu Krankenpflegerinnen aus. Bedürftige Kranke werden stets umsonst gepflegt. Eine Reihe von Altersheimen bietet bejahrten Leuten die Möglichkeit, bei theilweise höchst geringen Summen sich ordentlich verpflegen zu können. Auf die religiösen Studien dienenden Anstalten braucht hier nicht weiter eingegangen zu werden, ebenso wenig auf die allgemein bekannte Allianz, die, wie nebenbei erwähnt sei, in einem besonderen Seminar Lehrer für die Schulen im Orient ausbildet. Wie bei den Katholiken, so gibt es auch bei den Israeliten einzelne Vereine, welche Wallfahrten nach dem heiligen Lande bezwecken. Jüdischen Ansiedlern in Palästina steht eine besondere Gesellschaft „Jiscshoub Eretz Israel“ mit Rath und That zur Seite. Dem religiösen Moment.wird bei all diesen Institutionen reichlich Rechnung getragen. Schwiegereltern, welche gern ihren Brautkindern eine pompöse Hochzeit bereiten wollen, gibt' die Kultus- Verwaltung von Paris reichliche Gelegenheit. Im Tempel der Rue de la Victoire gibt es sechs Klassen von 25. 100. 250, 500, 1000, 2000 bis 3000.Fr8. Wer hors classe getraut sein will, bezahlt 4000 Frs. Nach portugiesischem Ritus, der im Tempel der Buffaultstraße. beobachtet wird, kostet eine Heirath in Paris für die letzte Klasse 100 Frs., weitere Abstufungen ergeben 250, 400, 600 und 1000 Frs, Hors

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