Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1904)
- Date
- 1904-11-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1974 mit Ledernemen zufammengefchnürten Hände entgegen: „Mirjam, rette mich, vergiß das Unrecht, das ich Dir zugesiügt habe!* Und kurz entschlossen nahm sie ein auf dem Boden liegendes Schwert, ein Schnitt, und die Fessel war gesprengt. Mit einem Jubelruf sprang der Gerettete .ans und warf sich Mirjam zu Füßen. „Wie soll ich Dir danken, Mädchen, was Du mir gethan hast!* „Stehet auf!* wehrte sie seinen Dank ab, „ich habe nicht mehr als meine Schuldigkeit gethan. Habt Ihr mich nicht auch vorhin, vor den Angreifern ge-- schuht, und mich in ein sicheres Versteck gebracht! Jetzt aber suchet Euch zu retten, wegen meiner machet Euch keine Sorgen!* Mit diesen Worten riß sie sich los und wollte davon eilen, doch hastig stürzte ihr der Graf nach. „So gebe mir wenigstens zum Abschiede noch einmal Deine Hand, noch einmal lasse mich sie küssen.* Stürmisch ergriff er ihre Hand und drückte sie an seine Lippen. „Lebe wohl, Mirjam, werde glücklich mit Deinem Rüben, und-vergiß mich nicht!* Ehe sie noch ein Wort entgegnen konnte, hatte er sich losgemacht, und bald war er verschwunden- Gedankenvoll blickte sie ihm nach, doch nur einen Moment. Nur ein Gedanke beseelte sie noch: auf zu Rüben! Wie der Wind flog sie die Treppe hinunter, kein Hindernist. stellte sich mehr entgegen, die Bauern hatten sämmtlich das Schloß verlassen, und so gelangte sie ungesehen aus der Eingangspforte in's Freie. Schaudernd sah sie das Zerstörungswerk, das die Aufständigen hier ungerichtet hatten. Da standen die Scheunen und Vorrathshäüser in Heller Flamme; brennende Garben flogen durch die Lust und zündeten die Gebäude, die bis jetzt noch von dem gierigen Element verschont geblieben waren, noch an. Tauben und anderes Geflügel flogen mit brennendem Gefieder in der Luft schreiend umber und fielen zuletzt tobt auf die Erde. Mit Jauchzen sahen die siegestrunkenen Bauern dem schrecklichen Schauspiele zu. und in ihrem Siegesräusche merkten sie nicht, wie das geangstigte Mädchen an ihnen vorüberhuschte. Da hörte sie hinter sich eine tiefe Stimme rufen, es war einer der Angreifer: „Nun wollen wir ein Freudenfeuer anzünden, daß dem Herrn Grasen die Augen übergehen sollen, auf werfet Feuer in das Schloß, dem Erdboden gleich soll es gemacht werden!* Mit lautem Beifallsgeschrei wurde sein Befehl ausgenommen, und bald flogen von allen Seiten brennende Fackeln und Neißigbündel in das Schloß. Jetzt wurde es Mirjam klar, weshalb die Bauern alle das Schloß geräumt hatten, man wollte den Grafen lebendig in seinem Palaste verbrennen; daß mit dem Grafen auch viele ihrer verwundeten Genossen verbrennen würden, daran dachten die Unmenschen nicht. Unaufhaltsam rannte Mirjam weiter. Da gewabrte sie mit Entsetzen, daß die Bauern auch den Thurm, der als Gefängniß diente, in Brand gesetzt batten. Schon schlugen aus allen Rissen und Spalten rotbe Flämmlein hervor und nach wenigen Augenblicken stand schon das ganze Dach in hellen Flammen. Einen Schrei des Schreckens stieß Mirjam hervor, und erstaunt schauten sich die wenigen anwesenden Bauern nach der Ursache des Schreies um. (Schluß folgt.) Wochkn-Rslenöer. Freitag. 25. November. 17. KiSlew. ' Sabbal-Anfang ln Mali« u. Frankfurt a. M. 4 Uhr 00 Min. Samvag, 26. November. 18. KiZlew. Sabbat-AuSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Mn. — Berlin 4 Uhr 43 Min. — München 5 Uhr 10 Min. — Stuttgart 5 Ubr 12 Min. - Stratzburg 5 Uhr 25 Min. — Bosen 4 Ubr 37 Min. - Stettin 4 Uhr 41 Min. — Dreslan 4 Uhr 40 Min. — Nürnberg 5 Uhr 10 Min. — Wien 4 Uhr 53 Min. t— Dari4 5 Ubr 00 Min. — Prag 4 Ubr 55 Min. Der „Israelit" erscheint x7öcEieE2ü!a«Ei aweiiaii I« Eoniugn und OonnKrHUiga, jedesmal m mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Vost 3 Nark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man Skellensuchrdr und sonstige L^tercssenLen können euf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende 0CAtlxu ArrSgab« . _ _ 1 #¥*■> . «T. V - _ --«k Avn «mam _P — C. __ A« ♦ /W a .C .M »^a CsJananun einer folgen. J Die Spreche der Unschuld. — Hilfsverein der deutschen Juden. — Brief aus Ungarn. — Vermischtes. — I^rnTlitische^obltbätigkeitSanstalten in Paris. — Beb-rzigenSwertSe Worte eines katholischen VeiNNchen. - O2ear Lehmann in £3afo3. — CiPcbittoa deS jasweltt". GöottVzaüt 8lr- & LsrL bs Soh. OirthlSea HoVuüdruüeret Setles^rAchatt tu Dal»* tzlerz« rwrl Nrvag«»», > -i.