Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1904)
- Date
- 1904-11-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1973 Feuilleton. t r j a m. historische Erzählung aus dem Ib.Iahrhundel t von ZAvLhuv Stern. uo Nur der Graf mit seinem treuen Freund Bauerfeld deckten noch zurückweichend die Flucht der Edellente. Langsam zurückweichend hielten sie mit ihren langen Schwertern die auf sie einvringenden Feinde im Schach, bis sie endlich den Zufluchtsort erreicht halten. Noch zwei der Vordersten fielen durch ihre wuchtigen Schläge. Die Feinde geriethen durch den erneuten Verlust etwas in's Stocken; die beiden Bedrängten benutzten den Augenblick und im Nu waren sie in dem Zimmer verschwunden. Wohl drängten die Bauern schnell nach, doch vergeblich; die rasch zugeschlossene Thür gab nicht nach. Ein Wuthgefchrei der Enttäuschten erschütterte die Luft, nun stellte sich ihnen wieder ein neues Hinderniß entgegen! jetzt galt es zunächst wieder die schwere Thür einzustoßen. „Aexte herbei," scholl es vor der Thür; und bald dröhnten die schweren Beilschläge gegen die Pforte, die in wenigen Minuten einstürzen mußte.- Die Edelleute blieben inzwischen auch nicht untbätig. Die Todesangst stählte ihre Kraft und mit einer Stärke, die sie sich selber nicht zutrauten, hoben sie den schweren Tisch aus Eichenholz an der der Thüre entgegengesetzten Seite in die Höhe, daß dessen Platte, selbst wenn die Thür eingestoßen war, den Feinden den Eingang versperrte. Klirrend fielen die Becher und Krüge zu Boden; sie achteten nicht darauf. „So meine Freunde, folgt mir jetzt!" sagte bcf Gras leise zu seinen Genossen. „Lassen wir die Bauern sich hier abschaffen, und die Thüre zertrümmern; dann müssen sie erst noch den schweren Tisch wegschaffen. Das wird lange dauern, da können wir Zeit gewinnen. Folgt mir!" Bei diesen Worten drückte er auf einen kleinen, unscheinbaren, an der Wand angebrachten Knopf, eine kleine Thür, die bisher nicht zu entdecken gewesen war. sprang auf, und durch diese traten sie in das Nebenzimmer. Auch dieses hatte, wie es schien, nur eine Thür; diejenige, welche nach dem Korridor liihrtc, doch auch hier war, wie in dem ersten Gemach, eine kleine Geheimthür, und nachdem sich her Gras überzeugt hatte, daß sich die erste geschlossen hatte, drückte er wieder auf einen Knopf an der gegenüberliegenden Wand, und wieder öffnete sich eine geheime Thür zun» Nebenzimmer. Aber, o, Entsetzen! kaum war die geheime Verbindungsthür aufgegangen, als der Graf mit Entsetzen wahrnahm, daß das nebenliegende Zimmer von den Aufständigen beseht war! Wie vom Blitze getroffen taumelte er zurück; nicht einmal so viel Geistesgegenwart hatte er. die Thüre rasch zu schließen. Zu spät sprang Bauerfeld vor, das Versäumte nachzu-? holen. Doch schon hatten sich die meisten der. Bauern mit gellendem Jauchzen ihnen entgegen geworfen, und nun entspann stch ein Kampf auf Leben und Tod, wie ihn keine Feder beschreiben kann. Die Edelleute konnten in dem engen Raum von ihren Waffen kaum Gebrauch machen. Sie waren unrettbar verloren! Da rief plötzlich eine tiefe Stimme aus dem Haufen der Angreifer: „Ergebt Euch, auf Gnade und Ungnade!" „Wer redet von Ergeben?" riefen darauf andere. „Todt wollen wir sie haben, die Hunde, die Menschen»- schinder, keine Gefangene. Los, nieder mit ihnen!" Und mit erneuter Wuth stürzten sich die Blutdürstigen auf die Bedrängten. Schwer getroffen sanken sie alle nieder, außer dem Grafen, der immernoch tapfer sein Schwert schwang, und fast mit jedem Streiche einen Angreifer erlegte. „Den lasset leben!" rief da wieder eine Stimme aus der Menge, „ibn wollen wir das Freudenfeuer, dos wir nachher anzünden, sehen lassen. Nachher können wir ihn ja in feinen brennenden Palast werfen!" Mit lautem Beisallsgebrüll wurde dieser Vorschlag angenommen, und nach kurzer Gegenwehr lag der Graf gefesselt am Boden.-— XIV. In banger Erwartung hatte Mirjam'von ihrem Versteck in der zweiten Etage das Kampfgetümmel mit angehört. Sie hörte, wie die Thüren eingeschlagen, wurden, die Jubelrufe der siegestrunkenen Bauern, da wurde es mit einem Male still. Vorsichtig sckilich sie sich aus dem Gemache undlugte die Treppe hinab. Mit Schaudern sah sie die Mordstätte. Da lagen auf der Treppe und dem Korridor zerstreut die Leichen der erschlagenen Bauern. Da wandten sich Schwerverwundete ächzend in ihren. Schmerzen. Auch mehrere der Edelleute lagen zu Tode getroffen da, und mit Entsetzen prallte sie zurück, als sie langsam weiterschreitend, im ersten Stockwerk an-, gelangt war. Die Thüre des Gemaches, in welchem die Edelleute nock eine Stunde zuvor sich ahnungslos! dem Weine hingegeben hatten, war zertrümmert, des-r gleichen die Thüre des anstoßenden Zimmers, und nv dem letzteren lagen dicht aneinander die Leichen der ermordeten Edelleute. Schon wollte sie von Grausen gevackt, zurückweicksen, da hörte sie leise ihren Namen, rufen. Erstaunt schaute sie sich um. Da sah sie.in der einen Ecke des Zimmers bei den Getödteten den! Grafen gefesselt liegen. Eilig sprang sie hin, Uin ihm, zu helfen. Wie flehend streckte er ihr seine beiden, fesÜ