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Der Israelit · 1904-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1904)
Date
1904-05-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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879 Schreiben an einen Correspondenten der in England weitverbreiteten Ansicht entgegen, die jetzt dem Unter- Hause vorliegende Fremdenbill sei nichts weiter als eine K "n.Zession an den auch in England in Zunahme begriffenen Antisemitismus, und wäre ausschließlich gegen die Juden gerichtet. Das vom 9. Mai datirtc Schreiben lautet: Hochgeehrter Herr! Ich glaube, die in einem mir zugestellten Zeitungsausschnitt aufgestellte Behauptung, England wird von der überall wüthenden antisemitischen Epidemie ergriffen, als absolut unwahr Hinsteven zu muffen. Die Fremdenbill ist dazu bestimmt, das Land nicht vor der Invasion der Juden, sondern der unerwünschten Einwanderer überhaupt, gleichviel welcher Konfession und Abstammung sie sind. Ich würde das Auftauchen des Antisemitismus in England als ein sehr ernstes nationales Unglück ansehen. Ich verbleibe u. s. w. Niemand hat Veranlassung. Mr. Balfour für einen Antisemiten anzusehen oder an der Ehrlichkeit seiner Worte zu zweifeln. Die Fremdenbill ist in der Tbat keineswegs gegen die Juden „bestimmt". Nichtsdestoweniger wird das Gesetz mit seinem Führungsattest, dem verbotenen Rayon und der Stellung der Einwohner unter Polizeiaufsicht unbedingt nur die Juden treffen müssen. Auch der vom Chacham Dr. Gaster bloßgestellte Major Evans Gordon hat die Stirn, in einem Schreiben an die „Jewish Chronicle" den Vorwurf des Antisemitismus weit von stch zu weisen. Gleichzeitig aber hat die mit dem Major Gordon engverbundene „Liga der englischen Brüder" in einer großen Versammlung eine Dankadresse an den bekannten nach Judenblut lechzenden Pfarrer Creaqh in Limerick gerichtet, weil er das irische Volk vor den „unerwünschten Fremden" zu schützen sucht. Das Merkwürdigste iedoch ist. daß selbst diese Gesellschaft der Enalischen Brüder in einem milden öffentlichen Schreiben zu bestreiten sucht, antisemitisch zu sein. Dabei verstehen diese Zerren schon ganz gut. mit den bekannten antisemitischen Schlagwörtern, wie ..indische Presse" etc. umzugehen. Das Schreiben schließt mit der Drobuna. der Antisemitismus werde in England schon seinen Einzua halten, falls die Juden von ihrem Widerstand aeoen die fremdenbill nicht ablassen werden. Dabei haben die Juden als solche bis jetzt leider noch sehr wenig gegen die Bill unternommen, fa einige von den jüdischen Mitaliedern des Unterhauses, darunter der bekannte Präsident des Londoner Board of Quardians. haben sich nicht entblödet. ihr Votum für die Bill abzugeben. Der Hauvtwiderstand oebt einerseits von den Liberalen, welche diese mit der alorreichen Tradition enalischer Gastfreundschaft in unlös> barem Widersvruch stehende Bill, als eine Schande für England ansehen. Andererseits wird das Gesetz aber auch von den gut conservativen Schiffeigenthumern bekämpft. Letztere befürchten mit Recht, daß das Gesetz die englische Schifffahrt um die Kundschaft der nach Hunderttausenden zählenden Transmigranten bringen wird. Welcher Auswanderer nach überseeischen Ländern wird nach Inkrafttreten der Fremdenbill noch ein englisches Schiff benützen, auf dem er allen erdenklichen Chikanen unterworfen werden wird. Die Auswanderung nach England wird durch die Fremdenbill wohl kaum wesentlich abnehmen, dagegen wird die über England andere Wcg: einschlagen. Diese Auswanderung brachte aber bis jetzt der englischen Schifffahrt nicht weniger als 20 Millionen Mark jährlich ein. die nunmehr der deutschen Rhederei zufallen 'werden. ... Rußland. ' Petersburg. (Statistik.) Nach amtlichen Daten beträgt die Zahl der jüdischen Arbeiter in Rußland 500,986, die sich folgender Weise vertheilen: 259,396 Meister, 140,528 Aufseher. 101,062 Handwerker oder Lehrlinge. Aus der verhältnißmäßig geringen Zahl der Handwerker und der Aufseher ergibt sich, daß die Werkstätten im allgemeinen nicht bedeutend sind und daß die meisten Meister selbst alle Arbeit verrichten und keine Handwerker beschäftigen. Außerdem findet man 97,000 Kutscher, Metzger. Wasserträger u. s. w., 17,000 Familien Landwirthe, resp. 68.959 Seelen. In den Gouvernements Lithauens vertheilt sich die Zahl der Gotteshäuser wie folgt: Wilna 36 Synagogen. 285 Bethäuser; Kowno 65 Synagogen. 327 Bethäuser; Minsk 37 Synagogen, 425 Bethäuser; Grodno 60 Synagogen, 322 Betkiäuser; Vitebsk 19 Synagogen, 233 Betkiäuser; "Mohilew 22 Synagogen, 329 Bethäuser. Odessa. Der Stadtrath besprach die Sonderstellung der Juden, die nicht als Mitglieder der Stadtvcrtretung fungiren dürfen. Der Bürgermeister Zeleny hob bei dieser Gelegenheit hervor, wie sich öfters Juden, die früher zu der Stadtvertretung gehörten, um die Stadt, verdient machten. Nach einer Abstimmung, die eine Mehrheit von zwei Stimmen abgab, beschloß die Versammlung, sich bei der Regierung zu verwenden, damit die Juden im Gemeinderath nach Maßgabe ihrer Zahl vertreten werden. Amerika. Montreal (Canada). Kein Land ist für jüdische Kolonisationszwecke so geeignet, wie das freie Canada. Das Klima entspricht genau demjenigen von Rußland, der Boden ist überaus ergibig und die Regierung so tolerant, daß sie selbst die russische Secte der Duchobortsi, die wegen ihrer wilden religiösen Gebräuche und sonderbaren gesellschaftlichen Einrichtungen in keinem Land« geduldet wurde, frei gewähren läßt. In Canada

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