Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 41-42 (25.5.1904)
- Date
- 1904-05-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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870 langten Gottesgesetzes, wird aus orthodoxen Kreisen niemals schwinden, so lange es orthodoxe Rabbiner gibt, die den sinaitischen Ursprung, den religionsgesetzlichen Charakter ihrer Zionssehnsucht nicht verrätherisch preisgeben, indem sie ihren brennenden Freiheits- und Erlösungsdurst Schulter an Schulter mit notorischen Gesetzübertretern an einer trüben Quelle stillen, wo alles mögliche drin herumschwimmt, nur nicht das reine, klare, lautere Wasser des jüdischen Gesetzes. Verfasser mag sich beruhigen. Es gibt nur e i n Papa und nur einen Oberrabbiner von Papa. Sein Vorgehen, seine Broschüre wird nicht nur von mir, wird von zahlreichen Rabbinen des In- und Auslandes auf das heftigste getadelt. Doch wozu das viele Reden! Es nützt ja doch nichts. Wer weiß, ob Verfasser mir zugehört hat! Er ist vielleicht, während ich im besten Zuge war, selig eingeschlafen und wacht jetzt aus und sieht mich ganz verwundert an und spricht: „Ich verwahre mich entschieden, daß mir eine derartige Gesinnung zugenluthet wird." „Ich bitte meine Broschüre zu lesen." Er versteht mich nicht, ich verstehe ihn nicht. Und so wird es vielleicht am besten sein, wir gehen friedlich auseinander und ersparen der Welt das Schauspiel eines endlosen Federkrieges. Der russisch-japanische Krieg ist langweilig genug. Aber die Friedenspräliminarien können begreiflicherweise nicht eröffnet werden, so lange der Verfasser seine feindselige Haltung bewahrt. Verfasser muß mir die Hand zur Versöhnung reichen. So lange das nicht geschieht, kann ich zu meinem Bedauern die Waffe nicht aus der Hand legen, zumal ich in beständiger Angst lebe, ob der Verfasser mich nicht zuguterletzt von einem Papaer Heiducken wegen Falschmünzerei arretiren lassen wird. Ich bin sonst kein Hasenfuß, aber vor Papaer Heiducken habe ich schon als Kind einen heillosen Respekt gehabt. Besonders so'n kleiner dicker war's immer, den ich gewaltig respektirte (lebt der noch?) — wer weiß, ob der Papaer Oberrabbiner mir den nicht wegen Falschmünzerei noch auf den Hals schicken wird! Be» schuldigt er . mich doch, in meinen Artikeln Verdrehungen, Fälschungen und Verdächtigungen in „geistreich sein sollender" Weise vorgebracht zu haben. Daß Verfasser meine Fälschungen für „geistreich sein sollend" findet, daraus mache ich mir nichts. Es kann nicht jeder Mensch geistreich sein. Wenn ich nicht geistreich bin, so ist es der Verfasser umsomehr. I ch bitte, seine Broschüre zu lesen. Aber die Fälschungen — die Fälschungen an sich, die wollen mir nicht recht in den Kopf hinein. Ich bin ein Fälscher. Verfasser hat's gesagt. Worauf gründet sich diese schwarze Anschuldigung? - Ich weiß es nicht. Weiß es der Verfasser wenigstens? Mag sein. Er sagt's nicht. Er schweigt. Ihm genügt die Behauptung, dir Anklage. Den Beweis überläßt er Andern. Er verläßt sich überhaupt viel auf Andere. Meine „Art und Weife" zu „qualifiziren", das läßt er auch durch seine Rebennnnschen besorgen. Das . schadet übrigens nicht sonderlich. Rur die Fälschungen — die Fälschungen — keinen Tropfen Tinte zum Beweis! Wozu denn auch? Daß der Zionismus das Grab der Thora ist, das ist mein Dogma. Daß ich ein Falscher bin, das ist sein Dogma. Er darf doch auch ein Dogma haben. Run aber bin ich ein sehr neugieriger Falscher. Ich möchte nämlich leidenschaftlich gerne wissen, was und wo ich gefälscht habe? Bin überaus begierig, das corpus delicti, die falschen Zehnmarkstücke, oder was es auch sein mag, einmal mit leibhaftigen Augm vor mir zu sehen. Mein Falschmünzerthum ist des Verfassers unanfechtbares Dogma. Verbrecher sind aber nicht dogmengläubig. Das geht schon daraus hervor, daß mir seinerzeit des Verfassers Dogma, das, wenn Maimonides bei Abfassung seiner dreizehn Glaubensartikel in unserer Zeit gelebt hätte, er es sicherlich nicht unterlassen haben würde, noch einen Glaubensartikel aufzunehmen, der da lauten würde: rote rwoic pojc » üvi tank ’rnpto eroa ovb unai np*> rrapror, höchst lächerlich vorgekommen ist. Lichtscheues Gesindel glaubt ja an nichts. Muß alles auf rationellem Wege gefunden werden. Es lebe die reine Vernunft! Da ich aber voraussichtlich, auf ehrliche Weise doch nicht beim Verfasser auf einen grünen Zweig kommen kann und doch von Herzen gerne wissen möchte, was und wo ich gefälscht, so bleibt mir nichts anderes übrig, als das heißersehnte Ziel durch einen schnöden Bestechungsversuch zu erreichen. Ein Falschmünzer ist ja zu allem fähig. Nun denn: Wenn der Papaer Oberrabbiner im Stande ist, mir in meinen Artikeln eine Fälschung nachzuweisen, dann will ich zur Strafe der Erste sein, der ihm. durch nochmaligen Genuß seines Merkchens, die Schlußbitte seines Abwehr-Artikels erfüllt: „Ich bitte meine Broschüre zu lesen!" . Wüßte ich nicht genau, wie abfällig der Papaer Oberrabbiner . die Art und Weise meiner Kritik beurtheilt, dann hätte ich nicht übel Lust, nachdem es mir gelungen ist, auch das zweite „Merkchen" des Herrn Oberrabbiners in seine nichtigen Urbestandtheile aufzu- .lösen, meinen Artikel in gewohnter Weis; mit einem kräftigen Knalleffekt zu beschließen, zu diesem Zwecke wieder einmal Ungarns Bachurim zusammenzutrommeln und — doch still, still, er kann's nicht vertragen, wenn's donnert und blitzt. Nur beim sanften Ge- .plätscher eines mild rieselnden Landregens kann ein zartbesaitetes Gemüth friedlich und süß schlummern und träumen. Von Friedrich dem Großen erzählt eine hübsche Anekdote, daß er sich jeden Morgen über seinen Kam-