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Der Israelit · 1904-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1904)
Date
1904-05-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. Mage j« Jß 4U 42 „Israelit". Si tacuisses . . . bis offenes Bort ns Herr» vberrobbiser Aoth in Popo. Von Raphael Breuer. (Schluß aus dem Hauptblatt.) Ich habe zum Schluß meiner Artikel den Wunsch ausgesprochen, Verfasser möge das jüdischnationale Treiben der Gegenwart an dem Maßstab seiner eigenen, alten, unverfälschten Ueberzeugung einer erneuten Prüfung unterziehen, damit er nicht fürderhin das Haupt vor einem Kreise beuge, wo das alte Judenthum vom Königsthrone gezerrt, die Rolle des geduldeten Aschenbrödels spielt und über dem Grabmal der eingesargten Thora lustig in den Winden die reinnationale Zionsflagge weht. Was thut Verfasser? „Ich verwabre mich entschieden, daß mir eine derartige Gesinnung zugemuthet wird." Das einfache Verwahren nützt nicht. Wenn Verfasser einen Kreis, wo — um mich gelinde auszudrücken — das alte Judenthum die Rolle des geduldeten Aschenbrödels spielt, als nu 'Bio c’m in den Himmel hebt, so heißt doch das zum Mindesten, das Haupt vor diesem Kreise beugen, ihm den Ausdruck seiner Anerkennung übermitteln. Wenn sich also Verfasser gegen eine derartige Gesinnung verwahrt. so ist das entweder ein schüchterner Widerruf, oder eine hohle Phrase und wir sind wieder dort angelangt. von wo wir ausgegangen waren. Aber das alles ist ja nur ein Dogma von mir, eine vorgefaßte Meinung. Verfasser braucht ja nur das Wort ..Zionismus" zu erwähnen und Rezensent schreckt davor zurück wie vor dem rothen Tuch. Rur Verfasser hat den Zionismus geprüft, ich nicht. Lieber Herr — ich will mich bemühen, so milde und sanft zu reden, wie der Verfasser — lieber Herr, daß der Zionismus eine bis vor kaum zehn Jahren unbekannte Spezies von Juden geschaffen, die ihr Judenthum nicht durch Erfüllung von Thora und Mizwoth an den Tag legen, sondern nur durch trotzig stolze Betonung ihrer jüdischen Abkunft dem Antisemitismus ein Schnippchen schlagen, das ist ja. lieber Herr, kein Dogma von mir, sondern ein Factum. Daß in den verschiedenen Zeitschriften für „modernes" Judenthum ein Geist weht, der für die Pflege unserer heiligsten Güter kein blasses Verständniß hat, der die kleinste antisemitische An> rempelung in irgend einem verschlagenen Dörfchen der Bukowina als-Beweis für die Nothwendigkeit des Zionismus mit mehr Behagen registrirt, als drn höchsten Triumph, den die Thora in stillbescheidenem Kreise feiert, das ist ja kein Dogma von mir. sondern ein Factum. Daß die non zionistischer Feder verfaßten philisophischen Essays. Gedichte, Romane, Novellen, daß das alles keine Blumen sind, die in den Triften des Sinai sprießen, sondern gefährliche Pflanzen, deren Gifthauch schon aus der Ferne tödtet, das ist ja kein Dogma von mir. sondern ein Factum. Daß Herr Nordau in richtiger Erkenntniß des religiös indifferenten Charakters dieser Bewegung die praktischen Consequenzen ans seinem Zionismus zog, indem er das Verbot der Mischehe als nur in der für einen Nationaljuden nicht verbindlichen Thora, ausgesprochen mit ruhigem Gewissen, übertreten durfte (das ist eine Herzensangelegenheit, die keinen Andern was a'ngeht. sagte mir mal ein Zionist), ohne daß der Papaer Oberrabbiner sich dadurch bewegen ließ, einer Congreßversammlung fernznbleiben, wo dieses Ideal von einem Nationaljuden, dieser bewunderungswürdige Ausbund von einem c'3*n n« nvw als* zweiter Präsident fungirte, das ist ja kein Dogma von mir. sondern ein Factum. F a c i a jedoch lassen sich mit einem bequemen Sätzchen. „Ich verwahre mich entschieden, daß mir eine derartige Gesinnung zugemuthet wird", nicht aus der Welt schaffen. Da muß man schon mit Kanonen kommen, um die Erfahrung zu machen, daß auch Kanonen nichts nützen, daß sich an Thatsachen nicht rütteln läßt. Wer da glaubt, durch bloße Konstatirung seiner Orthodoxie seinen Zionismus zu rechtfertigen, ohne auch nur den leisesten Versuch einer Widerlegung zu wagen, ohne auch nur den Finger zu rühren, die von antizionistischer Seite erhobenen Fragen und Einwände von sich abzuwälzen, der hat zu seiner Rechtfertigung so gut wie nichts gethan. Verfasser ist ein Vogelstraußpolitiker, wie er in hundert Jahren nur einmal geboren wird. Die kritischen Pfeile, die ich gegen seine Broschüre entsandt, läßt er mit einem Gleichmuth von seiner erzgevanzerten Brust abprallen, als schmückte ich sie mit lauter Verdienstorden von glitzerndem Golde. Ich habe ihm den Abgrund gezeigt, der die palästinensische Sehnsucht des orthodoxen Juden von der des Zionisten unüberbrückbar scheidet, für ihn eristirt dieser Abgrund nicht. Wehe, ruft er aus über die Zeit, wd Orthodoxie und Zionsfeindschaft enn identische Begriffe werden sollten. Verfasser macht sich unnöthige Aufregung. Eine solche Zeit wird niemals kommen. Orthodoxie und Zionsfeindschaft werden niemals identische Begriffe sein, solange die Trauer des neunten Aw ihre tausendiäbriae Reinbeit bewahrt. Die Ziele für Zion, die Sehnsucht nach einer Umgestaltung nicht nur der jüdischen. sondern der gesammten menfchengesellschaftlicheu Verhältnisse unter dem Banner des zur Herrschaft ge-

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