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Der Israelit · 1904-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1904)
Date
1904-05-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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L68 merkwürdig, sobald Frieda die Bestätigung dessen, was sie unablässig befürchtet, erhalten hatte, verlor sie keineswegs ihre Fassung, sondern eine an Erstarrung grenzende Ruhe überfiel sie. ..Wann geht der nächste Zug, den ich benützen lönnte?" fragte sie leise. „Morgen Früh um halb sechs," sagte Müller, „aber Kind, Sie dürfen nicht allein reisen —" „Könnte vielleicht Paul—* „Ich bin bereit," sagte dieser. Frau Müller schüttelte dem Kopf. „Paul müßte sofort wieder abreisen, und man kann doch nicht wissen, ob es nicht besser wäre, wenn Sie länger Jemanden bei sich hätten. Darum meine ich, Selma sollte mit Ihnen reisen, die kann bei Jbnen bleiben, bis Ihr lieber Papa wieder vollständig gesund ist. Und damit Sie beide nicht die ganze Reise allein machen, depeschir'en wir gleich jetzt an Mar, daß und weßhalb Sie morgen um halb Sechs von hier abreisen, wenn es ihm möglich wäre, möchte er mitreisen. Sie werden sehen, er macht es möglich und trifft morgen im Laufe des Tages mit Ihnen zusammen." „Merkwürdig," sagte Müller, indem er die Hand auf die Schulter seiner Frau legte, „wie die Frau immer für alles gleich Rath weiß. Finden Sie nicht, Fräulein Grünwald, daß das sehr merkwürdig ist?" Sie wollte auf seinen scherzenden Ton einaehen, aber die Sprache.versagte ihr, sie nahm die Hand seiner Frau und drückte sie an ihre Lippen. Müller hatte gleichzeitig mit der Depesche der Wirthin eine zweite von dem dortigen Arzt erhalten, in der er aufgefordert wurde, die Abreise der Tochter Grünwalds möglichst zu beschleunigen, da Gefahr im Verzüge; selbstverständlich erhielt Frieda davon keine auf Frau Müllers Drängen hatten sie sich zeitig zur Ruhe begeben, weil sie morgen vor Tagesanbruch unterwegs sein mußten, aber keine hatte während der Nacht die Augen geschlossen, obgleich sie sich nicht, wie sie es sonst wohl thaten, noch in den Betten miteinander unterhalten hatten. Aber bei Frieda hatte die Angst um den Vater jede Neigung zum Schlaf verscheucht, bei Selma war es die Theilnahme an allem, was ihre Freundin betraf und die Aufregung vor ihrer ersten größeren Reise. Noch in den Vormittagsstunden trafen sie mit Selmas Bruder zusammen und gemeinschaftlich setzten sie die Reise fort. Mar that sein Möglichstes, die jungen Mädchen zu unterhalten, Friedas Angst zu mäßigen durch den Hinweis auf den Wortlaut des Telegrammes. das sie gelesen hatte, aus dem sie seiner Behauptung nach Trost und Hoffnung schöpfen könne. Aber so gern sie sonst auf ihn hörte, heute machten seine Worte keinen Eindruck auf sie, oft schien sie seine Gegenwart kaum zu bemerken. Nachts hatte er jedoch die j Genugtuung die beiden jungen Mädchen in ruhigem Schlummer zu sehen. Die vorige schlaflos verbrachte Nacht, verbunden mit der Aufregung und der Anstrengung der Reise, hatte beide derart ermüdet, daß der Schlaf sie noch früher als sonst überwältigt hatte. (Fortsetzung folgt.) AreUag. 27. Mai. 13. Siwan, Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 45 Min. Samstag, 28. Mai. 14. Siwan. 'a *h pns ,h»x Sabbat-AnSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 9 Uhr 15 Min. — Berlin 9 Ubr 10 Min. — München 8 Uhr 50 Min. — Stutt» gart 9 Ubr 03 Min. — Straßburg 9 Uhr 10 Min. — Posen 8 Uhr 58 Min. - Stettin 9 Uhr 14 Min. — Breslau 8 Uhr 42 Min. — Nürnberg 9 Uhr 00 Min. — Wien 8 Uhr 36 Mi». - Baris 8 Ubr 55 Min. -- Prag 8 Uhr 50 Min. Kenntmß. Die jungen Mädchen hatten, ihre Effekten rasch in die Handkoffer geschichtet, die sie mitnehmen wollten. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags and Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehr! durch v. M. 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Frankreich: Paris. Nukland: Warschau. — Feuilleton: Wahrheit und Dichtung (Fortsetzung). Inhalt der ersten PrUag,: t>i tacuis-c» (Schlug). >— Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Küstrin. Dänemark: Kopenhagen. Amerika: New-'3ork. Marokko: Etat. — Vermischtes. der »»etter, Q-Usa«: Glaube. Liebe. Honnuna. als Grundlagen des Vriesterfeaens. - Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen: Frankreich: Baris. England: London. Rubland: Petersburg. Odessa. Amerika: Montreal (Eanada). — Literarisches. L)«LletristU^: iSest^c: Bilder aus Marokko. — Eine vereitelte Hochzeit (Fortsetzung). Sprüche der Väter. LerautrvortltSe Ocüactlon: Oüear Lehmann in Mainz. — Cspe&ttton de» „JSraelit". Schottstrahe Nr- & Mainz. Druck und Verlag der 2 oh. Otrthlchen volduchdruckerei Aetten-GelEschaft In Malm. Hierzu vier Beilagen.

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