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Der Israelit · 1904-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1904)
Date
1904-05-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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865 drückten Glaubensbruder und zur Ehre der gesammten Iudenheit. Paris, 20. Mai. Der Hauptmann Balobregue ist zum Cabinetschef des Kriegsministers ernannt worden. Diese Stellung ist, besonders unter dem thatkräftigen und energischen General Andre, eine höchst bedeutende, da der Cabinetschef alle militärischen Angelegenheiten, in allen ihren Details, zu ordnen bat. Die Ernennung eines jüdischen Hauptmannes, der dazu noch ein Vetter von Alfred Dreyfus ist, zu einem so hohen und vertrauensvollen Posten ist der beste Beweis dafür, wie sehr die Mitglieder der gegenwärtigen Regierung von allen Rassenvorurtheilen emanzipirt sind, diese Ernennung zeigt auch, was sie über „die größte Ungerechtigkeit des Jahrhunderts" denken. Der Hanplmann Valabregue, ein glänzender Offizier, hat in seiner Laufbahn sehr viel unter der antisemitischen Hetze zu leiden gehabt. Schon in der Militärschule hat er sich durch seine hohen geistigen Eigenschaften ausgezeichnet. Als er später selbst die Militärschule von Versailles leitete, hat er seine Schüler, wie Eqidy in Deutschland, in moralischer und geistiger Beziehung zu erheben und zu erziehen gesucht. Die „Patrioten", die so sehr um das Wohl der Armee besorgt zu sein vorgeben, haben . jedoch die hohen Verdienste dieses jüdischen Offiziers nicht anerkennen wollen. Glücklicherweise hat der General Andre, der erste wahrhaft tepublilanischc Kriegsminister, diesem ausgezeichneten Offizier endlich Gerechtigkeit widerfahren lassen. Nur noch eine Bemerkung. Während in der französischen Armee ein Jude einen so hohen und verantwortungsvollen Posten einnimmt, darf in der russischen Armee, in der Armee amie et allile, ein Jude nicht einmal Unteroffizier'werden. Sonderbar, höchst sonderbar! Herr Philipp Berger, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Professor des Hebräischen am College de France, der bevorzugte Schüler und Nachfolger Renan's, ist letzten Sonntag zum Senator gewählt worden. Es unterliegt keinem Zweifel, das; Herr Berger, der. in der Akademie, den Sitz Renans und im College de France seinen Lehrstuhl einnimmt, in der gesetzgebenden Körperschaft die hohen Ideen des großen Meisters. Freiheit. Fortschritt und Toleranz mit aller Energie vertheidigen wird Während augenblicklich die Reaktionäre aller Farben in der Vaterstadt Renan's in gehässiger und schmutziger Weise gegen die Errichtung des Renandenkmals protestiren, entsenden die republikanischen Mahler den Schüler. Freund und Nachfolger Renan's in den Senat! Es ist die beste Antwort auf das Treiben der bretonischen Demagogen. Bi. Rußland. Warschau. (C h a j i m Selig S l o u! m s k r.) Am 18. Mar verstarb in Warschau nach kurzer Krankheit der Nestor der hebräischen Lrtteratur und Journalistik, der bekannte Begründer und Mitbesitzer des in Warschau erscheinenden hebräische« Tagesblattes „Hazcphirah", Ehajim Selig Slonimski. Geboren am 28. Adar des Jahres 8870 (1810) zu Bialystock in Litthaucn, zählte der Verstorbene zu der großen Reihe jener als „MaNilim" berühmt gewordenen jüdischen Autodidakten, die in Folge ihrer großen Begabung eine gründliche jüdische Erudition mit großer, ohne regulären Unterricht erworbener profaner Bildung vereinigt und in Folge dessen auf die Entwicklung des jüdischen Volles in Rußland, während der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, einen ganz enormen Einfluß geübt haben. Slonimski gehörte nahezu 78 Jahre zu diesen Maskilim, da er schon als 18-jähriger Jüngling aus den profanen Werken jüdischer Gelehrten der Bormendelsohnschkn Epoche Astronomie und Mathematik zu lernen begann, bald jedoch genügten ihm diese veralteten Quellen nicht mehr und er suchte zunächst eine moderne Sprache zu lernen, um so in den Besitz eines bessern Schlüssels zu den Schätzen der Wissenschaft zu gelangen. Ein guter Freund gab ihm deutsche Bücher, die er mit einem nur bei den jüdischen Maskilim vorkommenden Fleiße studirte. Mit 28 Jahren schrieb er in hebräischer Sprache sein erstes mathematisches Werk, dem ein Jahr später seine berühmte Schrift über die Kometen folgte. Es erschien darauf kurz hintereinander eine ganze Reihe von Schriften über Physik und Astronomie, die von der wißbegierigen, aber außer hebräisch keiner andern Sprache mächtigen jüdischen Jugend mit einem wahren Heißhunger gelesen wurden. Große Berühmtheit erlangte auch seine Schrift über die Berechnung der jüdischen Schaltjahre, sowie das Werk „M'zinß Hanefcsch", in dem S. die Unsterblichkeit der Seele aus wissenschaftlichem Wege zu beweisen suchte. Slonimski hat sich auch als Mechaniker und Erfinder mit Erfolg versucht; 1842 erfand er eine Rechenmaschine, für die er von der Petersburger Akademie der Wissenschaft den Demidowpreis in Höhe von 2800 Rubel und von der Regierung den Titel eines Ehrenbürgers erhielt. Die Rechenmaschine wurde von ihm vervollkommnet und in England für 400 Pfund Sterling verkauft. Zur selben Zeit besuchte Slonimski Berlin, wo er die Bekanntschaft Alexander v. Humboldts machte. Dieser Fürst irn Reiche der Wissenschaft fand an dem jüdischen Autodidakten.- dessen große Begabung und oriqinelle Denkungsart er bewundern mußte, großen Gefallen. Durch Humboldt wurde er mit Aron Bernstein bekannt, mit dem zusammen er ein Mittel entdeckte, auf einem Draht vier Depeschen gleichzeitig zu befördern (1886). Zum Dank dafür, daß Humboldt ihn mit seiner Freundschaft beehrte, schrieb er 1837 sein Buch „Heber Alexander v. Humboldt", durch welches dieser arsße Gelehrte auch dem nur hebräisch lesenden Publikum ^naher bekannt wurde. 1862 wurde Slonimski zum

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