Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 41-42 (25.5.1904)
- Date
- 1904-05-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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864 Karlsruhe, Architekt Kerwien-Potsdam. Architekt C. Friedenthal-Berlin, Architekt und Oberlehrer Grotte und Baumeister Oskar Hoffmann-Posen vorgelegt. In engste Wahl kamen die Entwürfe der Herren Crenier u. Wolffenstein und Höniger u. Sedelmayer-Berlin, in die zweite engere Wahl die der Herren Karl Friedenthal-Berlin und Grotte-Posen. Preisgekrönt wurde schließlich das Projekt der Herren Cremer u. Wolffenstein, nach welchem die Synagoge nunmehr zur Ausführung kommen wird. Danzig, 14. Mai. Der Westpreußische Rabbinerverband hielt am Donnerstag in Marienburg seine Jahresversammlung ab. Vertreten waren Thorn, Cnlm, Graudenz. Marienwerder, Schwetz, Könitz, Elbing, Strasburg, Zempelburg und Pr. Stargard. Den Vorsitz führte Dr. Nosenberg -Thorn. Wie er mittheilte, hat der Religionsunterricht in den Schulen der Provinz erfreuliche Fortschritte gezeitigt. In den Vorstand wurden wiedergewählt Dr. R o senke r g - Thorn (Vorsitzender), Dr. Guttmann- Culm und Dr. Rosenthal-Pr. Stargard. Frankreich. Paris. (Generalversammlung der Allgemeinen Jsr. Alianz (All. Jsr. Universelle.) Am 15. Mai fand in dem neu eingerichteten, geräumigen Bibliothekssaale der Normalschule (Ecole Normale Jsraelite Orientale) die Generalversammlung der Allianz statt. Der Generalsekretär, Herr Jacques B i g a r t. erstattete Bericht über die Wirksamkeit der Allianz im verflossenen Jahre. Zunächst faßte er mit kurzen Worten die Greuelthaten von Kischinew und Homel zusammen und wies auf die Sammlungen hin, die von der Allianz veranstaltet wurden, um den Nothständen der jüdischen Bevölkerung wirksam zu steuern. Sodann kam er auf unsere Glaubensgenossen in Rumänien zu sprechen, und konstatirte, daß sich ihre Lage im abgelaufenen Jahre kaum verändert hat. Dementsprechend mußte die Allianz ihre Hilfsaktion fortsetzen, namentlich durch Unterstützung der Vorschußkaffen, die sich als sehr wohlthätig erwiesen und daher in letzter Zeit vermehrt wurden; ferner wurden in den jüdischen Volksschulen Mittags-Freitische geschaffen; auch wurden Subventionen für Heizung, Schulgelder u. s. w. bewilligt. Gegen die falsche Anklage des ..Ritualmordeszu kämpfen, ist das Zentralkomitee stets bestrebt, und dank der Vermittelung seiner Vertreter gelang es ihm. nanrentlich in Aegypten, im Laufe des Jahres 1908, zwei dieser ungeheuerlichen Anschuldigungen zu nichte zu machen. Die. Verhältnisse der Juden in Marokko waren besonders mißlich, und die Allianz mußte den von Räuberbanden in's Elend gestürzten Juden namentlich in Stat, Demnat, Seffrou, ihre moralische und materielle Hilfe angedeihen lassen. Weiter berichtete Herr- Bigart über das Schulwerk der Allianz, das jetzt 120 Elementar- und Gewerbeschulen unlfaßt mit einer Gesammtzahl von 33.000 Schülern. Er betonte mit besonderem Nachdruck den segensreichen Einfluß dieser Schulen in Persien, wo die jüdische Bevölkerung auf einem niedrigen kulturellen Niveau stehe. Die bloße Anwesenheit eines Schuldirektors der Allianz bedeute dort eine Bürgschaft für die Sicherheit unserer oft bedrängten Glaubensgenossen. Zum Schluffe gab er den Mitgliedern bekannt, daß vor kurzem vom Zentralkomitee der Ankauf eines Landgutes in der Nähe von Algier beschlossen wurde, dessen Gesammtfläche 1800 Ha. beträgt. Es ist zur Pacht bestimmt für ehemalige Zöglinge der von der Allianze in Tunis und im Orient unterhaltenen Ackerbauschulen. Sodann' erstattete der Schatzmeister Bericht über Einnahmen und Ausgaben. Er beklagte es, daß die Zahl der Mitglieder der Allianz nicht zunehme, und erklärte es als erforderlich, die Propaganda wieder aufzunehmen. Herr Konsul Simon aus Hannover sprach einige Worte des Dankes an die Allianz für ihre eifrige und segensvolle Thätigkeit zu Gunsten der unglücklichen und kulturell zurückstehenden Juden und brachte in ergreifender Weise die Anerkennung zum Ausdruck, die. die Gesellschaft ihrem Präsidenten Herrn Narciffe Leven schuldet; auf den Vorschlag des Redners erhob sich die ganze Versammlung voller Begeisterung zu Ebren Herrn Leven's, der seit 40 Jahren hingebungsvoll für die Allianz wirkte. Dieser ergriff tiefgerührt das Wort und dankte herzlich für die ihm dargebrachte Huldigung. Die Fortschritte der Allianz waren nicht auf ihn zurückzuführen. sondern vielmehr auf alle die Mitarbeiter, die ihm stets treu zur. Seite gestanden und die heute wie vordem ihre Kraft in den Dienst der Allianz stellten. Zn ihnen gehöre in erster Reihe Herr Konsul Simon, dessen Verdienste um das Judenthum nicht hoch genug veranschlagt werden könnten. Ferner gedachte der Präsident aller Derjenigen, die sich der Allianz als Helfer beigesellt, besonders der bewahrten Männer, die es ihr ermöglichten, die schöne Bibliothek zu gründen, in der man tage und die man an diesem Tage einweihe. Vor allen sei der verewigte I. M. Rothschild zu nennen; ihm sei es zu verdanken, daß die Allianz heute eine jüdische Büchersammlung besibe. wie keine zweite in der ganzen Welt vorhanden sei. Auf das allgemeine Werk der Allianz zuruckkommend, betonte Herr Leven zum Schluffe, daß es sein Ziel noch nicht erreicht habe, und daß es sich immer weiter ausdehnen müsse zum Vesten unserer leidenden und Le-