Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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1413 Beispiele dienen, über das mail lächeln könnte und zu gleich weinen möchte, das einer tiefen fragil nicht ent behrt. Auf Rügen »var es. Wir wohnten dort in einem Hotel mit zwei jüdischen Familien, das heißt eigentlich nur mit einer, zusammen. Die Frauen warcn Schwestern und die ganze Familie der einen mar — nicht aus ileberzeugung selbstverständlich. daS ist n:einer Ansicht nach gar nicht möglich, sondern uni äußerer Vortheile willen. »vie es die Regel ist. zum Ebristenthume übergetreten. Die Familien verkehrten nach wie vor zusammen. Da hörte ich eines Tages, ich faß am Strande und die Binder spielten dort, »vie diese nueins »vurden und miteinander in Streit geriethen. Da begann der größte der Jungen, ein (5>{ieb der getauften Familie, so ein Bürschchen von zehn Jahren mit echt jüdischem Raffeugeficht. »vie ein rechter Gassenjunge seine Vettern mit ..Jüd. Jüd". und „hcpp. hepp" anzuschreien. Dazu flogen wahre Salven Saud den kleineren Jungen in die Augen, auf den Kovf, kurz überall hin. Mir mar ganz elend zu Muthe bei dieseni Anblick. Ich ging hin und versetzte dem "»roßen eine schallende Ohrfeige. Da stob er davon. Wie würde Ihnen zu Mnthe sein, wenn Ihnen dereinst solche Hepphepvntse in die Ohren gelten, wenn Ihre Binder sich ihrer Eltern, ^er ganzen Judenbagage schämten? Und dann denken Sie au Ihren Mann! Er ist ein Ehrenmann, dem Treue und gerader Sinn nachgerühmt werdener wird nun und nimmer seine Ein willigung geben." Jetzt endlich brach die junge Frau das Schweigen. Sie hatte sich erhoben und luftig ihren Sessel zurückgeschoben. „Er wird schon, gewiß wird er es thun, Frau Nordhein,er. Es wird ihm einleuchten, daß auch er sich eine andere Position schafft, sich und den Bindern." Frau Nordl»ei»uer unterbrach sie bitter lächelnd: ..Wie? Und um diese lächerlichen Schranken zu beseitigen, dieser Aeußerlichlciten wegen, die für einen »vahrhaft gebildeten Menschen nicht existiren. wollten Sie einen solchen Schritt thun? Nein. nein, das »vill. das kann ick, nicht glauben! Bleiben »vir doch treu, seien »vir muthig. lämvfcn »vir tapfer »veiter! Der Sieg »vird unser werden! Ob er nun uns schon, oder unseren Kindern oder.Kindeskindern zufällt, »vas thut das zur Sache? Die Humanität und die Menschenliebe »verden durchdringen und unsere Menschenrechte bestätigen. Es »verden alle dann nur Menschen sein, die ein Bater geschaffen hat." Ein heiliges Feuer glomm aus den Augen der alten Frau, ein prophetisches Ahnen erfüllte ihre Worte. Sie hatte sich gleichfalls erhoben. Langsam streckte sie Frau Rosenfeld ihre Hand hin. „Ich »vill nun gehen! Und Sie. mein liebes Kind, denken Sie an Ihre Mutter. Ihren Gatten!" Es »var eine Wock-e später. Ein wundervolles Frühlingslvctter »var cingetchrt mit funkelnde»» Sonncnglanz. fUßem Veilckicnduft und zivitscherndem Vogelfang. Ein »volkenloser Himmel blaute über der Promenade. Freudiges Hoffen, seliges Ahnen erfüllte die Menschen, stimmte sie glücklich. Auch Frau Rechtsanwalt Rosenseld kehrte soeben in gehobener Ttim,nung heim. Sie hatte mit der Siadträthin Hciberg einen »veiten Spaziergang unternommen, Bekanntschaften gemacht, die ihr »vichtig dünkten, ihrer Eitelkeit schmeichelten. Auf der altdeutschen Diele, »vo die Garoeröbe unter ge bracht »var. kam ihr das .Mädchen in einiger Erregung entgegen. „Der Herr Reck»tSa»i»valt ist gekommen, gnädige Frau!" Frau Rosenfeld zuckte leicht zusammen, legte aber ruhig ab und öffnete die nächste Thür. Vom Fenster her kam in diesen» Augenblick ein mittelgroßer, kräftig gebauter Mann, blond und blauäugig mit einem Gesicht voll Sorge und Unruhe. Er blieb in der Mitte deS Zimmers stehen «mb blickte auf die Frau, die sich ihm nur zögernd näherte. Er reichte ihr nicht die Hand, er sah sie nur unvenvandt an aus tiefernsten, traurigen Augen. „Schon zurück. Max?" fragte die junge Frau. Es sollte leicht, harmlos klingen, aber die Stimme »var nicht fest, bebte »nerklich. „Schon? Es ist Dir »vohl noch zu früh? Hast Du gar keine Ahnung, »veßhalb ich meine Reise unter brachen und mit dem ersten Dampfer mich einschisste?" Und als sie nicht antivortete und nur seinen aus ihr ruhenden, forschenden Blicken auSzuweichen juchte, sagte er fest: „Mein Bruder hat mir geschrieben, aber »vaS er schreibt, klingt so sonderbar, so ganz unglaublich, daß ich Dich selbst befragen wollte. Und ich verlange nun Wahrheit, nichts als Wahrheit!" Ein leises, ironisches Lachen erklang: „Run »vohl. so frage, ich »verde zu antivorten wissen!" „Ich »vill kein Verhör mit Dir anstellen, Henn»»! Du bist die Mutter meiner Kinder! Aber »visier» muß ich. ob Du Dich mit der Stadträthin Heiberg einge lpssen, in meinem oder Deinem Rainen irgend etivas unternommen, ob Du meine Ehre angetastet hast?" Sie trat nun ganz nal)e zu ihm hin. und es »var, ob die Siadträthin Heiberg neben ihr stehe und ihr die Worte eingebe. „Mein Gott, »vie feierlich Du das alles sagst, »vie schwer Du alles nilnmst! Dein Name hat nichts mit der Sache zu thun. es fei denn, daß sie den Glanz Deines Namens erhöhte; auch Deiner Ehre tritt sie nicht zu nahe! Was ich unternominen habe, vertrete ich. denn es ist zu Deinen» und unser aller Wohl! Wir »verden. wenn Du einsichtsvoll genug bist, den uns ge-