Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-08-17 · Heft 65-66 (17.8.1904) · page 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 65-66 (17.8.1904)
Date
1904-08-17
Page
– (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450047--61268-2521690
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1414 büstr enden *Ronti in Mr Gesellschaft rinnchmen. wir werden nicht länger die Parias sein!" ..Schweig!" rief Herr Nosenfeld nun in höchstem Zorn. Gr faßte so fest ihr feine* .Handgelenk. bo*: feine Frau leise anfschrie. „Du beleidigst mich mit jedem Deiner Worte! Geht Dir denn wirklich das Gefühl für die wostrc Gstre. die innere, das Ge'visien. ganz und gar ob' Ist das Dein Stolz. der innere Adel, der jeden. Menschen auszeickmen ft»IP Fühlft Du denn in Deiner Verblendung garnicht. daß Dn meinen Namen fchnöde preisgegeben, mich tödtliest verwundet hast, etwas, das in der Diese meiner Seele wurzelt die Liebe zum an geflammten Doll und Glauben herausrcißen und morden willst? Und das alles um äußerer Borthrile willen. Die Seelen Deiner Kinder willst Du aus liefern und eine .Komödie aufführen. Daß Dir in solchcm Maße das Verständniß für Menfchenwürde und Ehre abgehi. habe ich nicht geahnt, sonst bätte ich bester über Dich gewacht, Gs ist aut. daß ich nun alles weist." sagte er mit sinkender Stimme. ..Ich kann nun selbst alles ordnen, jenen Leuten mein Haus verbieten." Sie schnellte empor, wollte sprechen, aber er winkte nur abwcstrend mit den beiden Händen. „Sei still, unterbrich, mich nicht! Ich weist, was ich unserem Namen schulde. Ich bin auch ir>MV, arbeitsmüde. Ich stabe nie! gearbeitet, mich nie ge schont. Mi, nwllen einiae Monate zu meinen Gl^rn reisen, auch die Kinder fallen uns begleiten. Du wirst Düst dort auf Dich felbst besinnen. Ich will Dir treu lich dabei helfen. Hennv. ich bitte Dich. Deine Anordnungen für eine baldige Abreife ui treffen." Sie versuchte noch (Einwendungen, *o lei-stten Kaufes wollte sie den Kampf nicht aufgeben. Da fast sie in sein Gesicht, in welchem sie sti^ mm heutigen Tage nichts als Güte und Freundlichkeit, felt-n einen keifen Dadel gefehen statte, »rar und erschien tvie aus Marmor gemeißelt, ein unbeugsam,'' Wille leuchtet' aus den blauen Augen. Da gmg sie stinaus. ohne nach ein Wort ui sagen. .Herr Rosenfeld setzte sich in einen Scffel nnd stiibte den Kovf in beide .Hände. Nor feinem Geiste zogen in wechsclvollem Spiele die Bilder der Vergangenheit vorüber. Gr dachte an die Zeit, da er die f-stöne. aber ganz arme Waise in sein Hans, an sein .Herz genommen. Wobl schien sie ihm schon daunals ein wenig sorglos und oberflächlich, ater sie war noch fo iuna. so reizend und köstlich na»v. lind dann, als die Kinder kamen, wie glücklich war t* damals und bedauerte nur. daß sein Beruf. f»im ausgedelnte Praris?bn so s-str viel seiner Familie entzogen, ihn fernstielten. So ainaen die Jahre dastin. sie lebten in rüstiger G^c. zu frieden, nicht unglücklich. Gr ließ sie istren Neigungen" nachgehen, wenn sic auch manchmal kostspielig waren. die Mittel standen ihnen zur Verfügung. Ihn wackle die Arbeit zufrieden nnd glücklich neben seiner Gbe bis nun. Der stille Mann saß da nnd dachte und rechnete mit sich selbst ab. Gr erwog alles, sein eigenes Lebens-, .Konto stimmte nicht recht, er vermochte keinen glatten Strich dorunterzuzi»sten. Immer mehr vertiefte er sich in sich selbst, sein Kovs sank auf die verschränkten Arme. Da ging leise die Dstiir auf und ein stüb'cher blonder Inngenk'opf blickte vorsichtig durch den schmalen Spalt, um dann mit hellem Jauchzen in's Zimmer zu fliegen. „Papa. Papa." ruft die stelle Kinderstrmme. „Du bist alfo wirklich gekommen, o. Du einziger Papa!" Und der Kleine kletterte auf des Vaters Knie und nimmt istm bestntfam die Hände vom Gesicht. «Weinst Du denn. Papa?" fragt er jetzt befremdet. Do reißt der Mann fein Kind an sich, drückt die Augen in dns blonde Lockenhaar nnd heiße Dstränen entsteigen seinen Augen. Al? aber Fredi. ängstlich geworden, das Gesicht de* geliebten Bäerchens aickrichtet und dieser istn durch Dstränen anlächelt. da stürmt der Kleine in seiner Freude an Mc Dstür. .'Vfe* Annochen! K'nnrut doch. Papa ist ja da!" Und als nun beide mit freudig erstaunten Gesicht chcn stereinkomw.en. faßt He^r Nosenfeld in jeden Arm eine Mr kleinen Mädchengestalten. Fredi aber sitzt auf feinem Schob nnd wird nicht müde, den „einzigen Papa" abznlüsten. Und allmählich weicht der starre Ausdruck an? den Zsiacn d»s Mannes. Gs ist nun ganz klar in istm. Gr weiß, daß er einen Dsteil der Schuld auf sich zu nehmen stat. Gr war nicht wachfam. nicht fest genna. er hat seine Pflichten istr gegenüber nur halb erfüllt. Gr mußte sie an sich heranzieben. Kraft seiner Liebe und aeistiaen Ueberlegenstcit sie steranbilden zu feiner Ge fästrtin. Gr durfte nicht über ihr. sondern mußte ncsten istr sieben. Dann wäre es istm vielleicht aelnnaen. bie Mutter. Me Lie^e '.n .Hans nnd Familie in istr zu erwecken, zur Neife;n brinaen. Ja. das mußt' er mm nachstolcn. das war feine Lebensarbeit für di» Zukunft, wahrlich eine Arbeit die westl der Mühe lohnte. Und fest drückte er feine Kinder an sich und gelobte. heilig. istnen die Mutter zu errmgen, zu erstallen. Zci unseren Bildern. Die aus dem Gebiete der jüdischen Kunst.rühm lichst bekannte Anstalt des .Herrn Eduard Joel- Hamburg. St. Anscstarvlaß F>, hat jn*n jüdischen Neujahrsfeste eine Serie von modernen Glückwunschkarten herausgegeben und werden wir einige unseren geehrten Lesern im Bilde vorfnbren. (Siehe Seite 1387 und 1411.) Die Karten zeichnen sich, wie man sieht, durch Originalität und Geschmack besonders aus. Verantwortliche Redaktion Oscar Lehmann in Mainz — Expedition de« ^Sraelit". Schottstrabe Nr. L D.'l k ii) 3; l a der Loh. Dlrth'lchea Hokbnchdrncker« Retien-Lrsellfchaft.inMaint.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.