Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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1411 «Wir müssen atomirttn, ob Mama e* wünscht. Fre dicken. Wenn diesem aber der Fall sein sollte, so sei hübsch artig und bescheiden, hörst Du!" Und sie späht eifrig nach den Damen, von denen die Heinere, korpulente, wie angezogen von den sehn wichtigen. wunderschönen -lnabenaugen, l)eriibersieht. „Da ünd ia Ihre -linder, Frau Rechtsanwalt!" ..Wirklich," sagt die junge Frau im knapp anlie gcnden. verschnürten Hularenjäckchen und runden, kleinen Hut. und rvend-ct das auffallend hübsche Ge sicht den -tindern zu. In diesem hübschen Besicht, aus dem ein paar grosse, blaue, etwas starre Augen mit merkwürdig gebogenen, langen Wimpern kübl hervor blicken, zeigt stck in diesein Moment nichts von jener stolzen, heiligen Mutterliebe, die auch das ärmste Weib ans dem Volke seinem -linde entgegenbrinat. Gleich m'itküge Ruhe, vornehme Zurückhaltung. Ein kleiner Wink mit der sein behandschuhten Hand, und sie kommen herüber. Nicht frisch und fröhlich springen sie der Mutter entgegen, nein, mit denselben abgemessenen schritten wie vorhin, mit denselben Zlnirchen begriiszen sie die beiden Damen. Frau Rosenseld gibt jedem ihrer -linder flüchtig die Hand und nickt ihnen zu. „Ich werde Euch wohl heute nicht mehr sehen, da. ich noch Vorlesung und Theater habe. Fräulein. £ie gehen noch bis 6 Uhr mit den -lindern spazieren. Adieu!" Wieder nickt sie ein wenig, und die langen Jeder« aus ihrem Hute nicken mit. „Wie reizend Ihre -linder sind, liebste Iran Rechtsanwalt," sagte die Stadträthin Heiberg. „Wirtlich so nett und bescheiden!" llnl sie nimmt die langstielige Lorgnette vor die Augen und sicht noch einmal nach den kleinen Mäd chcn in weisscn Tuchmänteln, die nach der neuesten Mode gefertigt sind, inährend Fred, im englischen 'Ma- Iroscnavzug ganz allerliebst aussieht. „Ja, Fräulein ist sehr tüchtig und energisch." lobt Iran Rosenfeld. „sie schraubt mich ja unverschämt, aber ich behalte sie dock,! Sie ist sehr zuverlässig: ich brauche mich gar nicht um die -linder zu kümmern!" Und sie beb» die feinen Schultern, als sei sie einer 2att ledig. „Die Mädchen sind einfach reizend," meinte die Stadträthin. „und wie werden sie sich erst entwickeln, n enn sse ganz unser sind!" <Fui schwärmerischer Augenaufschloa aus Wasser blauen Angen .... Die Stadträthin Heiberg ist eine eifrige und feste Slüi-e der Missionsaesellschaft zur Belehrung der Juden. Sie ist eine sehr fromme, kluge Dame, die sich in der Gesellschaft des höchsten Ansehens erfreut. Ibr Miffionswerk betreibt sie ruhig, still, aber intensiv, mit möglichster Energie. Jetzt sieht sie mit raschem Blick. > das; über das hübsche Gesicht ihrer Nachbarin sich ein leichter Zng von Verlegenheit senkt. „Mein Mann »oird uns noch Schwierigkeiten bcreiten," sagte Iran Rechtsanwalt Rosenfeld, „er ist so unberechenbar, hängt so am alten ..." „Ihr Mann, del'en leien Sie versichert, meine liebste Iran Rechtsanwalt, wird sich vor der vollendeten TbaUache beugen. Es ist ja auch zu seinem Heil!" In. ihrem komfortabel eingerichteten Speisezimmer sitzt Iran Rosenfeld bei der Frühstückschokolade. Im JWi nein® lu&wssnp l\% mit m ctaljr! ff A Wifi hochroten. gei"irkten Morgenkleid nimmt sich die zierliche Gestalt der jungen Iran recht vortheilhasi aus. Wabrlick, ivenn ein grosser -lünstler diesem allerliebsten l^csichtchen Seele einzuhauchen verstände, die Dame wäre eine vollkommene Schönheit, so aber mahnt dieses Antlitz mit den weichen, runden Formen an ein reizendes. aber lebloses Puppengesicht. Die Dame nivpt an ihrer Schokolade und liest einige für sie eingelaufene Briefe. Einladungen, eine Bestellung zum Tailor, eincn Brief ihres Mannes, der zur Abwicklung eines ver-