Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1410 Vorsichtsmaßregeln gegen eine etwaige Erkaltung. Schon von Rosch Ehodesch Elul angefanyen konnte man ihn während des ganzen Tages mit hoch aufae. stelltem Rockkragen auf der Straße gehen sehen, und bei Beginn der Selichothtage den Hals noch mit einem dicken Halstuch umwunden. Wenn ihn jemand an sprach, so gab er ihm keine Antwort und deutete nur mit einer bezeichnenden Geberde auf seinen geschloffenen Mund, vor den er bei kühlem Wetter noch ein Taschen tuch hielt. Ai»f den Einwand eines Bekannten, daß R. Mendel dock im vorigen Jahre trotz seiner anfangs licken Heiserkeit so „gut gedawenet* habe, siihrte er » diesen unter ein Hausthor und erwiderte, die Talmudworte zitirend: ..Nicht alle Tage geschieht ein Wunder* und man dürfe sich auf ein Wunder nicht verlassen.* Aehnliche Typen, wie unser R. Mendel, gibt e: vicle in Wien und in anderen Großstädten, wo viele Juden wohnen. Wir haben aber nur die des R. Men del Komerner ans der großen Zahl seiner Kollegen hcrausgegrifsen, weil wir diesen persönlich gekannt und er uns als eine der charakteristischsten Figuren der von uns gekennzeichneten Mnßas Baal Tefillo-Tnpen er i scheint, welche nie aussterben werden, so lange Inden I in der Diaspora leben. Mn elfter JifunSc. Tkizzirt nach dem Leben von A Leiser. tlll^chdruck vrrboleng „Da gehen Rechtsanwalts Rosenfeld's Kinder,"; sagte die niedliche, junge Frau, die am Arme ihres Gatten langsam die Promenade entlang schritt. „Sind es nicht allerliebste Geschöpfe? Sieh nur. lvie reizend die beiden kleinen Mädchen wieder aussehen!" Und ste. winkt lebhaft mit der Hand nach einer Gruppe . die auf der anderen Seite der mit uralten, wetterfesten Baumen bestandenen Allee geht Die kleinen Mädchen kommen herüber, machen jedem einen zierlichen Knix und reichen die Hand, die herzlich gedrückt wird. Die Bonne, welche den kleinen .Knaben an der Hand führt, kommt langsam nach und grüßt ehrerbietig. Auch der Kleine wird gehätschelt, während das Fräulein in ge messener Entfernung bleibt. ..Wie geht es Mama, Ihr Kinder?* fragt die junge, freundliche Frau. „Ist Papa immer noch in Newyork und habt Ihr rechtschaffene Sehnsucht nach ihm?" „Ich danket Mama geht es sehr gut.* erwidert das größere der beiden Mädchen. „Ich glaube, sie ging mit Frau Heiberg in Schulte's Kunstausstellung. Papa aber kommt erst in einigen Wochen zurück.* „Dann grüße Mama schön von uns. Ilse? Willst Du?" Und als die Kleine ernsthaft genickt, macht jedes der Mädchen wieder seinen vorschriftsmäßigen Knix. während der kleine Bursche die Mühe zieht. Run geht das junge Ehepaar lebhaft grüßend weiter. „Weift Du. Frauchen," meint der Herr im Weiterfchreiten und drückt zärtlich die Hand, die so fest auf seinem Arme liegt, „wenn wir einmal Kinder hafon, die sollen aber vergnügter aussehen nnd lustig : umherspringen. Die Fesseln, die man der Natur an legt, gehorchen nur widerwillig. reine Dressur, arme .Kinder, die man um ihre Jugend betrügt.* „Ja." nickt die junge Frau lebhaft, „dieser früh reise, ernste Ausdruck in den Augen der Mädchen gibt zn denken.' Er paßt nickt in Kindergesichter.' Ebenso ist das ruhige, übermäßig artige Wesen unnatürlick. Arme Kinder. Alfred, sind sie in der That. trotz ihres Reichthums. Sie entbehren die sorgende Mutterliebe und sind mit ihrem Fühlen und Denken, dem kleinen, reichen .Herzen ans bezahlte Liebe, auf Fremde ange wiesen. Besonder: neuerdings, da sich Fran R-.sseuseld die Salons der ...Honorationeu* erschlossen haben, geht sie ganz in diesem geräuschvollen Gesettschaststrubel auf. zieht sie sich merklich vor uns allen zurück. Man spricht merkwürdige Dinge? Arme, reiche Kinder!* . . Und die junge Frau wendet mitleidig den Kops und sieht der kleinen Gesellschaft nach. Da geht in demselben Temvo lvie vorhin die Bonne mit dem etwa siebenjährigen Knaben, die um je ein Jahr älteren Mädchen marsckiren Hand in Hand mit kleinen, aber gleichmäßigen Schritten nebenher. „Fräulein, da kommt Mama!" sagt soeben der Kleine und beutet mit der Hand auf zlvei Damen, die langsam wandelnd daherkommcn. „Nicht, Fredi!' Nickt thnn!" wehrt ängstlich das Fräulein nnd erfaßt die ansgestreckte Hand des hübschen. kleinen Jungen, „man zeigt nicht aus andere!" «Darf ich denn zu Mama?" Und Fred blickt dem Fräulein bittend in die Augen. Er schwärmt sehr für seine schöne Mama, di» ihrem kleinen Fredi so viel und doch wenig ist.