Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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1409 Glanzcffekt liefe sich R. Mendel gewöhnlich, wenn er , gut disponirt war, nicht entgehen und er erntete immer > hierfür großen Beifall und unzählige Iejascher Coachs. Defehalb war er auch vor den hoben Festtagen so vorsichtig, seine Stimme zu schonen und man tonnte ihn gewöhnlich alle die Vorsichtsmaßregeln mu tuenden sehen, wie loir diese bereits oben aeschildert. „Doch mit des Geschickes Mächten ist kein etviger Bund zu flechten" und die Heiserkeit kommt manchmal schnell. An einem Gres Rosch Haschono, als R. Mendel vor Tagesanbruch in die „Schul" ging, herrschte kühles, regnerisches und windiges Wetter und da zog sich unser armer R. Mendel eine starke Erkältung und Heiserkeit zu. so daß er beinahe nicht sprechen, noch viel weniger zu singen im Stande war. Da sich nun das Nebel im Laufe des Tages verschlimmert hatte, so sah sich dann R. Mendel, wenn auch schweren Herzens, gezwungen, dem Minjan Unternehmer den „Mussaf" abzusagen. damit er sich schnell um einen anderen Muffaf- Baal Tefillo umsehen könne. Daß Grsterer in Verzweiflung tvar, läßt sich denken, denn ivo sollte er iu letzter Stunde einen ordentlichen Vorbeter hernebmen. Diejenigen, die etwas zu leisten im Stande gewesen, waren schon längst vergriffen. Daß der Minian- Nntcrnehmer die ganze Schale seines Zornes auf unseren armen R. Mendel ergoß, und ihn mit Vorwürfen überhäufte, läßt sich leicht denken. Um ihn zu be richigen. versuchte es R. Mendel, ihm einige Baale Tefilloth niederer Qualität vorzuschlagen. Doch als derselbe auch diese als schon vergriffen bezeichnetc, da blieb R. Mendel kein anderer Ausweg, als dein Unternehmer den Rath zu ertheilen, als seinen Nachfolger den Gisentrödler R. Dawid Leb Katz. auf den er, wie bereits oben erwähnt, nicht gut zu sprechen war. zu empfehlen, im Geheimen sich denkend, daß dieser gewiß noch zu haben sei. weil ihn nämlich Niemand gewollt. Diese Voraussetzung war auch die richtige. N. Dawid Leb war noch „frei", und der Minjanunternebmer. der srob gewesen, doch noch einen Baal Tefillo gefunden zn haben, acceptirte ihn einstweilen für den ersten Tag Rosch Haschano als Mußaf Baal-Tefillo. „Doch ge söhrlich ist's, den Leu zu wecken, schrecklich ist des Tigers Zahn, doch das Schrecklichste der Schrecken ist ein Baal Tefillo. der nichts kann." konnte man mit einer kleinen Variation dieses bekannten Verses auf R. Do wid Leb Katz sagen. Denn kaum hatte dieser den „Qmed" betreten und mit dem Kadisch begonnen, da bereute es R. Mendel noch mehr, als der Minjan Unternehmer. Was batten Beide angestellt, solch' einen Schreibals vor den Omed zu lassen. Die Leute hielten sich die Qbren zu. als R. Dolvid Leb seine das Trommelfell zerreißenden Töne hervorstieß und. lvie R. Mendel sich ausdrückte, wie ein „Kalkbrenner" schrie. Doch die Geister, die er rief, die ließen sich heute nicht mehr bannen, und hatte der Mußafchasan R. Do-. wid Leb. wie Viele seine bedaucrnswerthen Zuhörer meinten, das eine Gute, daß diejenigen, die verurtheilt waren, ibm zuznhören. gleich am ersten Tage Rosch- Haschono ihre Awcroth losgewordcn. Gin besonderes Martyrium aber war dieser Mußaf für R. Mendel, dessen ästhetisches und musikalisches Gefühl sich geradezu gegen die fürchterliche Mißhandlung der schönsten Mußaf Nigunim empörte, als er sehen mußte, welche schreckliche Grimassen R. Dolvid Leb Katz beim Ta wenen") schnitt und wie er mit den Händen herumfuchtelte. Der Entschluß. den R. Mendel in dieser schrecklichen Stunde faßte, war. morgen am zweiten Tage Rosch Haschono. wie es auch ihm ergehen möge, selbst den Mußaf vorzubeten. Wenn ich noch so heiser bin. so kann ich nicht ärger, als R. Dolvid Leb. „dawenen." Bis morgen kann Gott helfen und merne Heiserkeit behoben sein. Als er noch am selben Tage seinen Entschluß R. Dowid Leb kundgcgeben, machte dieser wohl ein „sauer Ponim", doch der Unternehmer, der viele Vorwürfe von Seiten des Publikums am ersten Tage wegen des schlechten Baal Tcfillos anhvrrn mußte, war froh und hoffte das Beste. Als nun R. Mendel am zweiten Tage Rosch Haschono. begleitet von den mißgünstigen Blicken R. Dowid Lcb's. zum „Qmed" hinging, war ihm nicht besonders zn Muthe, denn seine Heiserkeit war noch nicht gänzlich ge wichen. Bei dem dem Mußaf Kadisch vorangehenden 'Gebete des Baal Tefillos klang seine Stimme noch ein wenig umflort, doch als er den Kadisch begann, da war plötzlich der Bann, der seine Stimme gefesselt zu haben schien, gebrochen und kraftvoll und mit reinem Ton saug e: die schöne, traditionelle Melodie des Kadisch. sowie die anderen Gebetstücke. Gott hatte sein Gebet erhört. Gr llbertraf sich diesmal selbst. Sein Unsane Tautes war ein Meisterstück. Alles war entzückt und vollkommen befriedigt. Stolz und gehobene« Hauptes verließ er. begleitet von Hunderten Iejascher Koach's. den Betpult. Nur R. Dowid Leb kehrte ihm demonstrativ den Rücken, um ihm nicht gratuliren zu müssen. Auch sein materieller Grfolg war ein guter, denn die beim „Leinen" gespendeten Nedowoth ergaben das Doppelte als im Vorjahre. R. Mendel war überglücklich, nicht minder seine kranke Frau und Kinder, da sie von dem Verdienste ihres Gotten resp. Vaters jetzt einige Monate sorgenlos leben konnten. Als er Nackunittags bei Mincha von mehreren Bekannten. die von seinem glänzenden Erfolge gehört, gratulirt bekam, sagte er: „An diesen Rosch Haschono werde ich denken, so lange ich lebe, aber auch an den Mußaf von R. Dowid Leb Katz; vor so etwas soll einem Gott schomer umazil sein. Ich bin aber an allem Schuld, ich hätte mich besser halten sollen.* Das nächste Jahr verdoppelte R. Mendel seine 14, «ctm.