Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1401 sequenterweise selbst leine Existenzberechtigung. Für heute muh ich es n>ir versagen, auf den Punkt ^Unabhängigkeit des Lehrers vom Rabbiner" einzugehen. Das bedarf genauer Erwägung, wenn wir nicht in blindem Eifer zu Maßnahmen kommen wollen, wie die soeben gerügten. Für jetzt sei nur darauf hingrwiesen, daß lein Mensch der Welt unabhängig ist, kein Minister, kein Beamter, kein Fürst, selbst kein Kaiser. Und sollte der Rabbiner gar nichts zu sagen haben bezüglich des Religionsunterrichtes, der Schechitah, der Mikwah und sonstiger religiösen Institutionen, also auch der Personen, welche diese Funktionen versehen? Wer bildet denn im württembergischen Kirchenrath oder im badischen Oberrath die leitende Stelle? Doch auch ein Rabbiner. Diese Frage müßte klar und u n - zweideutig beantwortet werden; dann erst lasten sich positive Vorschläge zur etwaigen Abhilfe und Besserung machen. Man muß all diese Vorgänge in's Auge fassen, den ganzen Hintergrund kennen, um die jüngsten Ereignisse polemischer Natur recht zu verstehen und recht würdigen zu können. Keine Klarheit ohne Wahrheit, keine Wahrheit ohne Kenntniß der Motive. Und weil ich die Wahrheit und Klarheit suche, darum stehe ich keinen Augenblick an, zu erklären, daß auch auf Seiten der Rabbiner Fehler gemacht werden und gemacht wurden, die Mißtrauen, Mißachtung und gegenseitige Entfremdung im Gefolge haben mußten. Schon vor zwei Jahren wies ich in diesen Blättern darauf hin. daß es der Lehrcrstand nt i t Recht als Mißachtung bezeichnen darf, wenn man ihn njcht zu den Rabbinerkonferenzen einladet, wenn man dort Schülfragen behandelt, Schulbücher bespricht und dergl., wo neben der rabbinatlick)en Meinung sehr wohl auch das Gutachten der erfahrenen Schulmänner zu hören wäre. Was Form, Ziel und Umfang der mit diesen Fragen zusammenhängendcn Lehrstoffe betrifft, wissen Lehrer oft besser zu beurtbeilen, als Rabbiner, wie lvir dies bereits dargethan. Man kann es verschiedenen Lehrervereinen durchaus nicht verdenken, wenn sie es aussprechen, daß sie offiziell keine Einladung an die Rabbiner zu den jährlichen Konferenzen ergehen lassen. An unseren Versammlungen nehmen stets Rabbiner theil mit Rath und Thal, loir begrüßen sie als Gäste und Freunde, vor denen wir keine Äehcintniffe haben. Warum geschieht dies nicht seitens der Rabbinervrrbände? Wir können uns nicht denken, warum man Lehrern gegenüber nicht im Lichte der Oeffentlichkeit zu tagen wagt. Das m u ß Argwohn erregen und Mißtrauen, die Mißachtung folgt von selbst. — Dahin gehört auch das von zwei deutschen Rabbinatsverbänden vor mehreren Jahren erlassene Predigtverbot für den Lehrer. Wir haben seiner Zeit die Unhaltbarkeit und das Widersinnige der Kanzelsperre hervorgehoben unter Bezugnahme auf die modernen Verhältnisse und verweisen heute darauf. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und lkorrespondenzen. Deutschland. Berlin. Ueber die schon so viel erörterte Frage der Pässe der Juden an der russischen Grenze loird der »Boss. Ztg." geschrieben: Sowohl die republikanische als auch die demokratische Konvention in den Vereinigten Staaten haben anläßlich der Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten eine Resolution angenommen, dahingehend, daß die Regierung darauf sehe, daß die Pässe aller amerikanischer Bürger, gleichviel welcher Religion oder Raffe anerkannt werden. Eventuell sollen neue Verträge mit denjenigen Ländern abgeschlossen werden, in welchen ungeregelte llnterschiede gemacht werden. Diese Resolutionen sind speziell auf Rußland gemünzt. Nun wird allerdings schon seit wer weiß wie vielen Jahren von der amerikanischen Regierung vergeblich das hier Gewünschte zu erreichen gesucht. Alle Noten, alle mündlichen Vorstellungen, die namentlich Staatssekretär Hay dem russischen Botschafter Grafen Cassini gemacht hat, sind ohne Erfolg gewesen. Aber man hofft jetzt, daß gegenüber dem einhelligen Wunsche der Vertreter der ganzen amerikanischen Nation die russische Regierung doch andere Saiten aufziehen wird. Man betrachtet in den Vereinigten Staaten die Paßfrage keineswegs als eine nur die Juden angehende Frage, sondern als eine Frage der nationalen Würde. Der Annahme der Paßresolution in beiden Konventionen sind vorangegangen zahllose Volksversammlungen, in denen entsprechende Resolutionen gefaßt worden sind. Wie man weiß, hat sich auch die deutsche Regierung vergeblich bemüht, durchzusetzen, daß die Pässe deutscher Bürger jüdischen Glaubens an der russischen Grenze respektirt werden. Man hofft nun in Amerika, daß jetzt alle Kulturstaaten an Rußland die gleiche Forderung stellen werden, und daß Rußland die Erfüllung dieser Forderung nicht mehr ablehnen werde. Der vor einiger Zeit in Newyori interviewte Fürst Uchtomski hat eine solche Konzession an die amerikanischen Juden nicht für unmöglich erklärt. Wie dann das Gleiche dem benachbarten und befreundeten Deutschland verweigert werden könnte, ist schwer einzusehen. Oesterreich. Wien. (Rothschilds Rache.) Jedermann kennt wohl den Ursprung des Reichthums des Hauses Rothschild. Der fliehende Landgraf von Hessen