Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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4T». Jahrgang. Gifte Anlage zu M 65 & 66 des «Israelit". Lchod bspeh weechod belerv. M a i n z. Anfang I5hrt. Beim Eintritt des Monats Elu! fei an dieser Stelle auf eine üble Gewohnheit aufmerksam gemacht, durch die schon Josefs Prüder schwer leiden mutzten. Es ist dies die Unaufrichtigkeit, die Heuchelei. Wo Herz und Mund nicht einig sind, wie dies die heilige Sprache so treffend ausdrüät. da herrscht auch keine Harmonie in dem Wesen deganzen Menschen und das Ende ist Zerrissenheit. Zerrüttung. Uni mit einem actucllen Beispiele die Sache zu beleuchten: Herr L. trägt die Tefittoth an den heiligen Tagen seit einem Menschenalter zur vollen Zufriedenheit der ganzen Gemeinde vor. Herr?). hat aber eine schöne Stimme, eine viel schönere, wie er sich einbildet, als der um zwanzig Jahre ältere Herr X. Gr möchte sich gar zu gerne hören lasten, er weist aber nicht wie er es anfängt, den Herrn X., der so lange und so fest im Sattel sitzt heraus,znhebcn. Schließlich fällt ihm ein Mittel ein. Herr X. ist geschäftlich abhängig von ihm. er geht in der Gemeinde herum, spricht mit diesem, und mit jenem, wobei er den Pertrag deS Herrn X. nutzer ordentlich lobt -- aber wie unsere Weisen sagen ans dem Lobe hört der Andere oft nur den Tadel heraus -- man darf es nicht dulden, datz der alte Herr noch fernerhin stch so anstrenat man sollte rechtzeitig da für sorgen, datz, geeigneter Ersah geschaffen würde usw. Dem Herrn X. werden nun sehr bald von ..guten freunden" die Redereien des Herrn U. bintcrbracht rmd obschon er nur äußerst widerwillig auf sein Amt als Schliach Zibbur verzichten würde, hält er sich doch — weil er von geschäftlich abhängig ----- für ver . pflichtet, ihm sein Amt für die Zukunft anzubic'^en. Die Beiden kommen nun in der Snnagoge zg sammen und es entwickelt sich folgende- Gespräch zwu sichen ihnen: X.: Mein lieber M. ich hätte eine dringend: Bitte an Eie und hoffe, datz. Simir dieselbe nicht übel deuten. Ich ore jetzt nun mehr als zwanzig Jahre in unserer Gemeinde, ich meine es wäre Zeit, dies jetzt endlich einmal einem Arideren zukommen zu lasten und da glaube ich. das; keiner würdiger und geeigneter ist, wie Sie. Sie haben eine schöne Stimme, sind ein großer Zaddik und bei ollen Mitgliedern außerordent lich beliebt. Wollen Sie mir den Gefallen thun und mir das Amt. das mir anfängt beschwerlich zu tverden. abnehmen? Ich verstehe die Kunst des rechtzeitigen Aufhörens und möchte sie auch in diesem stalle atu wenden, B.. Aber mein lieber X., was fällt Ihnen denn ein. cs ort doch kein Mensch bester und schöner wie Sie und ich hoffe Sie bis hundcrtnndzwanzig Jahre als unseren altbewährten Schliach Abbur hören zu können, unter keinen Umständen werde ich das Amt annehmen, da ich mich gar nicht fähig dazu fühle. So unterhalten sich die Beiden noch eine Zeit lang, während jeder genau da- Gegentheil von dem denkt und fühlt was er spricht. Wir fragen, ist das eine richtige Handlungsweise, gerade während der heiligen Zeit und von zwei Männern, die sich berufen fühlen, die Gemeinde vor Gott zu vertreten? Mancher Leser wird vielleicht sagen, so etwas kommt aar nicht vor. das ist Schrifffiellerphantasie. Wollte Gott er hätte Recht. cinii Äic mn. Ms MiMrlWkkff Die Judenfeinde haben anläßlich des Attentates auf Blehwe geflissentlich die Verleumdung verbreitet, daß die russischen. Juden Dynamit-Verschwörer seien, während doch die Juden überall Anhänger der Qrdnnng und des Gesetzes find und der M o r d gegen alle ihre Ueberliefernngen und Grundsätze verstößt. Aber selbst in dem Talle. daß einige oder mehrere russ. Inden unter den Verschwörern gewesen wären, würde dies in keiner Weise die Verfolgung der drei Millionen zählenden rustischen Inden rechtfertigen oder auch nur beschönigen. ES ist leicht, eine Verleumdung auszusprechen und ebenso leicht, eine solche zu widerlegen. Die Be hauptuna. sowie die Verleugnung derselben sind aber ohne Belege w e r 1 h l o s. Wir sind in der Lage zu bclveisen, daß diese arglistische Verleumdung ganz und gar keine Berechlimntn hat. Die folgende, offiziellen Quellen entnommene Ramen-ausfiellung der Personen, welche an den hauptsächlichen Dynamitverschwörnngen gegen den verstorbenen und jetzigen Kaiser sich betheiligt, wird jedem unparteiischen Leser zeigen, daß die durch die russische Presse gegen die Juden geschleuderten Beschuldigungen vollständig grundlos sind. Nachstehendes ist die vollständige Liste der Personen, nebst der Bezeichnung ihrer Eonfession. tvelche schuldig befunden wurden, an dem setzten Attentate gegen Kaiser Alexander H. Thcil genommen zu haben. 1. I.'-lialoss. Student der Universität, Haupt der Nihilisten, griechisch-katholisch.