Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450047--61244-2521666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1390 Sieneigte bejahend das Haupt. „Ich habe ihn / erkannt." entgcgnele sie leise, indem sie ausstand. „cs ist ein Verwandter von mir — aber ich wünschte sehr, daß sein Name hier nicht genannt würde." ..Wenn Sie mir denselben nennen wollten, so könnte ich der Verwaltung des Hospitals gegenüber die Verantwortung übernehmen und Vorbeugen, daß Erkundigungen über ihn eingezogen werden." „Das wäri mir sehr erwünscht. Es ist — Pro fessor Keßler ans G. . . ." . Professor Keßler? Herr Du mein Gott! wer das gedacht hätte! — und der ist mit Ihnen verwandt?" „Sein Vater war mein Onkel und hat an mir Vaterstelle vertreten, heute ist sein Sterbetag, darum bin ich hierher zu seinem Grabe gegangen — sein Sohn vermuthlich auch aus demselben Grunde." „Vermuthlich. Und seien Sie unbesorgt, Fräulein. wenn es gelingt, ihn zu retten, so wird Niemand erfahren, wer er ist. Anderenfalls freilich — doch hoffen wir das Veste. — Da kommen schon die Leute mit der Matrazze, nun heißt's Vorsicht!" Vorsichtig hobenEsie den Verwundeten und betteten ihn auf die Matrazze. Dann hoben die Männer die Matrazze, der eine am stopfende, der andere am Fußende, an beiden Seiten gingen der Arzt und das junge Mädchen, aus deren Augen unablässig Thränen flössen, so sehr sie sich auch bemühte, ihre Aufregung zu verbergen. Von der Matrazze her vernahm sie hin und wieder ein leises Wimmern, es war doch wenigstens ein Lebenszeichen, aber es zog ihr das Herz zusammen. Das Hospital war bald erreicht, gern wäre sie mit hinein gegangen, aber sie sah ein, der Arzt hatte recht, wollte sie das Inkognito des Verwundeten wahren, so mußte sie sich wenigstens vorläufig zurückhalten. Er versprach ihr jedoch, sich auf dem Heimweg im Voriibergehen vor ihrer Wohnung bei ihr aufzühalten und über das Befinden des Verwundeten zu berichten. Damit mußte sie sich begnügen. Langsam schritt sie dahin, ohne die Thränen zu trocknen, die noch hin und wieder über ihre Wangen flössen, hier auf der Landstraße sah sie Niemand und sie erleichterten ihr doch das Herz. Erna Keßler war ein charaktervolles Mädchen, das den Kampf um's Dasein muthig ausgenommen hatte. Früh verwaist war sie im Hause ihres Onkels erzogen worden bis zu ihrem sechzehnten Jahre. Sie hatte sich eigentlich zur Lehrerin ausbilden wollen, aber vor vollendetem neunzehnten Jahre wurde sie zum Examen nicht zugelassen, von was sollte sie bis dahn leben? Da machte ihr ein Freund ihrer Familie der Vorschlag, seine Kinder von ihr in Klavier unterrichte, zu lassen. Andere folgten seinem Beispiele, denn das zum zweiten Mal verwaiste junge Mädchen hatte die Theilnahme Aller erregt und so sah sie sich schon nach wenigen Wochen in der Lage, selbstständig sich ernähren zu können, denn die Eltern ihrer Schüler waren mit den Fortschritten derselben überaus zufrieden und sehr bald gehörte sie zu den beliebtesten Musiklehrern der Stadt. Vor zehn Jahren hatte ihr Vetter um ihre Hand angehalten, überglücklich hätte sie sich gefühlt, hätte sie seinen Antrag annehmen können, aber sie glaubte es nicht zu dürfen, da sie wußte, daß er ein vollständig unjlldisches Leben führte. Als sie dann jedoch von seiner Taufe hörte, vergoß sie bittere Thränen und machte sich bittere Vorwürfe, daß sie ihn zurückgewiesen. Dazu wäre es doch nicht gekommen, davon hielt sie sich fest überzeugt. — (Fortsetzung folgt.) Wochen-Kalenöev. Freitag. 19. August. 8. (rtiiL Sabbat-Anfang in Maiuz u. Frankfurt a. M.? Uhr 15» Min. Samstag. 20. August. U. Elnl. hsti :. Sabbat-AuSgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 8 Uhr 22 Min. — Berlin 8 Uhr 03 Min. — München 7 Uhr 5,9 Min. — (Stuttgart 8 Ubr 11 Min. — Stratzburg 8 Uhr 12 Min. — Bosen 7 Uhr 57 Min. - Stettin 8 Uhr 09 Min. - BreSlau 7 Uhr 45 Min. — Nürnberg 8 Uhr 00 Min. — Wien 7 Uhr 40 Min. - Baris 7 Ubr 35, Min. - Prag 7 Ubr 25, Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, montags nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. A,»sland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. 5. Sl rinackrrr, Leipzig,Notzplatz )v. — Inserate25 Pfennig'die viergespaltene Ronpareillezcile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclanretheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Kahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen öfterr., für's Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsendcn. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Inhalt IHauvtblatN: Tie oinüelle Bo-tretunq der nnq. Orthodorie und die Oberrabbiner non Brisk und Presrbnrg gegen den TiomSmu«. — Zeitungsnachrichten und Correivondeuzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt n. M. Tilsit. Frankreich: Parks. Rutzland. Petersburg. — SeniUeton: Wahrbcit und Tichtung. (Fortschung). m , .. , Inhalt der erst«» Br'.laa«. Fchod beveh weechod belem. — Sind d»e rnsnicken Anden D„nam,t-Berschrvorer? — ZeitungSnachrichten und Corresvondeuzeu: Deutschland: Berlin. Dresden. Mißland: Petersburg. — Per,nischte«. , _ Inhalt der »weiten Vellage: Taktische Fehler — oder Symptomen (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Eorrespondemen Deutschland: Berlin. Oesterreich: Wie«,., . . * : . Belletelsttsch« Beilage. Der Mimaf.Baal-^esillo. — In elfter Stunde. Verantwortliche Lledaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Exveditton de» „3»iaclita. Schottgrabe Rr 3. Main». Druck und Verlag der Li ob. Wtrth'fchen Hofbuchdruckeret Actien-Eesellschalt tn Malm. Hierzu drei Vellage«.