Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1386 Großen und unter stützen wir ste in ihrem wahrlich nicht leichten Kampfe, dann ist auch der Sieg unsere 1Z2V "V2 prnrr pin! Zeitungsnachrichlen «u- Eorrespondenzen. Deutschland. Berlin. (Juden und R i ch t e r a m t.) Zu diesem Thema liefert das „Bert. Tagebl." folgenden Beitrag: „Ein Berliner Justizrath, der auf tragische Weise um's Leben kam, hinterließ zwei Söhne, die beide Juristen stnd und die Richterlaufbahn einge schlagen haben. Aber während der ältere etwa 10>^- Jahre auf seine Anstellung warten mußte, ist' der jüngere nach V/» Jahren oder — unter Hinzurechnung seiner Militärdienstzeit — nach 2*4 Jahren als Richter angestellt worden. Und welches ist der Grund dieser so verschiedenartigen Behandlung zweier übrigens gleichbegabten Brüder? Der älter: Bruder ist noch Jude, während der jüngere getauft ist." Das „Bert. Tagedl." hat ganz Recht mit seiner Verwunderung, denn die erst kürzlich erfolgte Taufe hätte leinen Grund zu der unterschiedlichen Behandlung bieten sollen. Frankfurt a. M. (Karl Weigert.) Die Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden des berühmten Frankfurter Pathologen wird in den weitesten .Kreisen der deutschen medizinischen Gelehrtenwelt, ja selbst über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus einen traurigen Widerhall erwecken, denn der Verstorbene war nicht nur ein außerordentlich glücklicher Forscher, dessen Methoden sich für die medizinische Wissenschaft als ungemein fruchtbringend erwiesen, sondern er war auch , ein ungewöhnlich liebenswürdiger unb unermüdlich hilfsbereiter Mensch, den jeder liebgetninnen mußte, der sich des Glückes seiner Bekanntschaft erfreute. Daß er es trotz seiner außerordentlichen Begabung und seiner außerordentlichen, von der ganzen medizinischen wissenschaftlichen Welt anerkannten Leistungen zu keinem akademischen Lehramtc bringen konnte, daran trugen die unseligen Zeitverhältnisse Schuld. Als nämlich Julius Cohnheim, einer der berühmtesten Schüler Rudolf Virchow's, von Breslau nach Leipzig berufen wurde, knüpfte er daran die Bedingung. daß sein bisheriger Breslauer Assistent Karl Weigert ebenfalls ihm nach Leipzig folgen müsse. Weigert erhielt eine außerordentliche Professur, und nach dem unerwartet erfolgten Tode Cohnheim's verwaltete er längere Zeit selbstständig das Lehramt. Die Verhandlungen zwischen dem sächsischen Kultusministerium und Karl Weigert wegen Uebernahme der Professur für pathologische Anatomie an der Leipziger Universität zerschlugen sich indessen, weil Weigert, obgleich ein Mann von durchaus freisinnigen Anschauungen, den geforderten Uebertritt zur protestantischen Kirche rundwegs ablehnte. Er wollte mit der Apostasie und dem Meineid nicht die höchste Stellung erkaufen. So war er denn eine Zeitlang ohne Stellung und ohne wissenschaftliche Werkstätte. Allein diese Episode in seinem Leben sollte nur von kurzer Dauer sein, denn das Senckenberg'fche Institut beeilte sich, den ausgezeichneten Forscher für Frankfurt zu gewinnen, wo er dann viele Jahre hindurch der belebende Mittelpunkt der dortigen wissenschaftlich - medizinischen Vereine wurde. Kein kleinlicher Groll über erlittene Zurücksetzung vermochte ihm die Heiterkeit seiner Seele dauernd zu trüben. Er erfreute sich bis an sein Lebensende der aufrichtigsten Schätzung und Verehrung aller derer, die mit ihm jemals in Beziehung traten. Tilsit. 40 russische Auswanderer wurden am 25. Juli durch die Polizei in Königsberg vom Dampfer „Adolf Andersen", der sie nach Dänemark bringen sollte, heruntergeholt, weil sie die Grenzkontrolle umgangen hatten, und wurden über Insterburg nach Tilsit gebracht. Den Mitgliedern des in Tilsit neu gegründeten Lokalkomitees oer Alliance Jsrcwlite Universelle gelang es, von der Polizei die Erlaubniß zu erwirken, die Emigranten nach Amerika ordnungsmäßig weiterzubefördern, um sie von dem traurigen Geschick einer zwangsweisen Zurücksendung nach ihrer unwirthlichen russischen Heimath zu bewahren. Um dieses menschenfreundliche Werk zu vollbringen, waren erhebliche Geldmittel erforderlich. So wurden durch Sammlungen in Tilsit. Königsberg, Insterburg ca. 3000 Mk. aufgebracht. (Tils. Allgem. Ztg.) Frankreich. Paris, 15. Aug. Unter den neucrnannten Rittern der Ehrenlegion haben wir die große Freude, den Namen von Theodor R e i u a ch (Theodore Reinach) zu finden. Dieser junge Gelehrte hat diese hohe Auszeichnung in seiner Eigenschaft als Leiter der Zeitschrift für griechische Studien erhalten. Er ist ein vielseitig begabter und fleißiger Mann, der sich auch um die Wissenschaft des Judenthnms wohlverdient gemacht hat. Seine trefflich geschriebene „Geschichte der Juden seit ihrer Zerstreuung bis auf heutige Zeit" gilt als klassisches Werk und wird auch allgemein in den französischen Schulen benutzt. Er ist einer der eifrigsten Mitarbeiter der Revue des Etudes jnives und seine meist historische Fragen behandelnden Aufsätze zeugen stets von seiner Liebe zum Gegenstände, von tiefem Eindringen in den behandelten Stoff und von großem Scharfsinn. Sein Werk ..les monnaies jnives“ wird von allen Fachleuten hoch geschätzt. Er hat diesen Stoff auch in einer Reihe von öffentlichen Vorträgen an der hiesigen philosophischen Fakultät ausführlich behandelt. Als Mitarbeiter der großen Enzyklopädie hat er den Aufsatz „Juden" geschrieben, und dieser Aufsatz ist sowohl der Form als auch dem Inhalt nach ganz vorzüglich. Wir können und dürfen daher unsere vollste Genngthuung über die Theodor Reinach zu Theil gewordene wohlverdiente AuSzeich-