Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 39-40 (19.5.1904)
- Date
- 1904-05-19
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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AML Inhaltlich verwandte Stücke stelle man vergleichend nebeneinander! Hat man die birchashätauroh behandelt, so liegt es nahe auch ahawo rabbo und ahawas aulom — die Vorbrochaus von Schema — durchzunehmen, ebenso jekum porkon und das al jisroel (Lernkaddisch). Alle enthalten den gleichen Gedanken: Die Wichtigkeit des Thorastudiums und seine Fortpflege in Israel. — Das Meereslied erinnert an die Abschnitte esras awosenu und emes we emuna im Morgenbezw. Abendgebet, ebenso an Psalm 136. Nun ist ja klar, daß man diese Stücke nicht gerade nacheinander behandeln kann. Der Gang des Unterrichtes läßt es zumeist nicht zu. Bei Wiederholungen jedoch empfiehlt sich dringend deren Zusammenstellung. Schon bei der Neudurchnahme weist man auf das inhaltsverwandte früher behandelte Stück hin. Bei der Repetition aber stelle man sie nebeneinander. So wird eines durch das andere vertieft. So auch Ps. 104 und 148, ferner Ps. 116 und 136. Immer suche man bei der Stoffauswahl inhaltlich Verwandtes zusammen zu stellen. Bezüglich der eigentlichen Uebersetzungsmethode gilt das beim Pentateuchunterricht Gesagte. Die Juhaltsbesprechung gehe voraus in möglichstem Anschluß an den Wortlaut des zu behandelnden Stückes, Es empfiehlt sich daraufhin sehr, das Uebersetzungsstück direkt in deutscher Uebersetzung vorzulesen oder durch die Kinder vorlesen zu lassen. Daran reiht sich die Wort- und Sacherklärung. Bilder und Redewendungen werden erläutert, so daß die Schüler das Ganze nach Inhalt und Verständniß vollkommen beherrschen. Erst dann wird der hebräische Text in Angriff genommen. Der Lehrer liest ihn vor oder läßt ihn durch bessere Schüler zunächst vorlesen, worauf das „Uebersetzen" folgt. Jst's ein Wunder, daß dies den Kindern kickst fallen mutz, da sie doch das betreffende Stück im Inhalte, ja fast im Wortlaute bereits kennen? Hier wird das Uebersetzen zum Kinderspiel, zur Lust, doch nicht zur Last. Letzteres ist der Fall, wenn man dem Kinde die Verdauung des Inhalts, die Ueberwindung der iibersehungstechniscben Schwierigkeiten (fremde Redewendungen und veränderte Wortfolge) zu gleicher Zeit zumuthet, gleichsam mit der Thür in's Haus fällt. WaS man — wie oben dargelegt — dem Uebersetzen in geordneter Weise vorangehen läßt, das müßte hier ein fortgesetztes Verbessern und Feilschen beim Uebersetzen werden und so den ruhigen Gang der Entwicklung unterbrechen, ja vielleicht direkt stören. Will man Mühe und — vor allem auch Zeit sparen, dann lasse man die Behandlung im Deutschen vorangehen. *) Fortsetzung auS Nummer 12. lveiWge.*) Wenn die Uebersetzung „sitzt", dann erst kann die eigentliche Frucht der Arbeit reisen: der schöne Vortrag des Stückes mit der geeigneten Satzabtheilung und Betonung! So lange das Kind den Inhalt, den Sinn nicht kennt, vermag es auch keine Gefühle hineinzulegen und solche beim Vortrag zum Ausdruck zu bringen; tobte Wortgebilde lassen Herz und Gemüth unberührt, kalt. Das letzte Ziel des Uebersetzungsunterrichtes ist der Vortrag des hebräischen Textes so, wie das Kind ihn beim Beten einst verwenden soll! Erklärung und Abfragen! Es ist schwer zu sagen, welches von beiden wichtiger ist. Natürlich hat die Erklärung vorauszugehen. Sie sei anschaulich, gründlich und interessant. Hier ein Beispiel. Der Lehrer behandelt ato chaunen in der Sch. Esrei. Er wird die Fragen berühren: warum ist das unsere erste Bitte? Warum schätzen wir die Weisheit? (Hinweis auf den Segensspruch über den Weltweisen und den Thoragelehrten, Hinweis auf Salomos Bitte „um ein weises Herz", auf die Bezeichnung unserer großen Männer mit dem Ausdruck „die Weisen".) Weisheit darf nicht stolz machen, sie ist von Gott, wir erbitten sie von ihm. Es dürfen auch moderne Erfindungen hier berührt werden; die Kunst heißt „chochma". (Dampfkraft, Electricität etc.) — Wahre Weisheit muß mit Gottesfurcht gepaart sein. Darum sofort die Brocha haschiwenu; sie lehrt, daß der Weg der Buße über die Thora führt, dann erst „nähern wir uns seinem Dienste." Ohne Lehre keine Rückkehr zur religiösen Praxis. — Auf Buße folgt aber Verzeihung; daher selach lonu. Hinweis auf Kajin. die Stadt Niniwe, auf David; Erinnerung an die Herbstfeiertage als allgemeine Bußezeit Israels. (Mahre und falsche Buße.) Jeder Israelit soll täglich an Buße und Verzeihung denken. Andere größere Bußgebete: wehu rachum, tachanun, oschamn« und al chet. — Bei revoimu erinnere man an die hohe Pflicht der Körperpflege für Kraft und Gesundheit, Maimonides als Arzt, die Pflege des ärztlichen Studiums in Israel seit alter Zeit. Alle Heilung stammt von Gott. Auch jetzt kommt oft ungeahnt bei Kranken die Wendung zum Besseren. Hinweis auf Naaman, Mirjam. Chiskija, Davids Beten für sein krankes Kind. Hinweis auf „ascher jozar". — Bei w' lamalschiuim erinnere man an Pharaos und Hamans Verleumdung, an das „dunkle" Mittelalter und — an die häßlichen Anklagen der modernen Antisemiten, von denen doch die Kinder aus den Zeitungen, bei der Unterhaltung und im Elternhause gerade genug hören. Verleumdung bringt bitteres Unrecht, Thränen, Noth und Tod. (Verleumdung des Nabot, des Josef u. a.) die böse Zunge. Hinweis auf „schomer